Rock in Vienna - Tag 1
Line up/Mischung
Sound
Location/Verpflegung
Stimmung
4.3STERNE

Das Rock in Vienna geht 2017 in die dritte Runde. Nach dem ersten Tag, kann man mit Recht behaupten, dass sich so einiges getan hat.

Die Temperatur stimmt, das Publikum hat gute Laune. Das Musikgenre stimmt zwar nicht ganz, trotzdem bleiben die Besucher gelassen. Der erste Tag beim RIV 2017 stand ganz im Zeichen des Hip Hop – etwas fragwürdig für das Festival, jedoch vielleicht ein guter Schritt, um noch mehr Zuseher anzulocken.

Made in Austria

Geht es um Hip Hop, braucht sich Österreich nicht zu verstecken. In den letzten Jahren hat das Land viele Künstler hervorgebracht, die mittlerweile internationale Berühmtheit erlangt haben. In der Szene schon ein bekannter Name, allgemein eher noch ein Newcomer ist Appletree. Er machte den Anfang pünktlich um 17:00 Uhr und präsentierte Kost aus seiner zuletzt erschienenen EP „Zwischen Stiernacken und Tiermasken“. Zwischenzeitlich sorgte er mit einem Freestyle für etwas Lockerung in das strickte Programm, und wärmte das Publikum gut auf. Außerdem lieferte er mit der Aussage, dass er keine Backgroundtänzer hat, für etwas Heiterkeit. Diese Aussage dürfte sich an Left Boy gerichtet haben, worauf ich gleich nochmal eingehen werde.

©Michael Misek

Bevor Left Boy als zweites die Bühne betrat, hatte er noch zwei Voracts aus New York, welche jeweils zwei Songs performten. Diese waren besonders aufgeschlossen, und zeigten sich mit ihrem offenen New Yorker-Charme besonders cool. Schließlich betrat Left Boy die Bühne und zeigte sich von seiner besten Seite. Nach einigen Songs stellte er dem Publikum seinen Sohn vor, der zum ersten Mal auf einem Konzert von seinem Papa war – eine liebe Geste. Kommen wir nun zum Highlight des Auftritts, und das ist der Auftritt selbst. So viel Aufwand, so viele Tänzer, so viele Requisiten: Der Auftritt war wahrlich wie ein Blockbuster im Kino und jedenfalls einzigartig. Jeder Schritt war durchdacht und ist für österreichische Verhältnisse höchstprofessionell von statten gegangen, besser hätte man es nicht machen können. Einzig schade war nur, das Left Boy kein einziges deutsches Wort gesprochen hat. Es ist zwar seine Art Musik und Interviews in Englisch zu machen, aber wirkt trotzdem wie eine Distanzierung zu seinem Heimatland.

©Michael Misek

Leider kommt ab jetzt für das restliche Festival kein weiterer österreichischer Act, die einzigen beiden wurden gleich am Anfang verbraten. Dafür ging es nun mit Legenden im Hip Hop weiter. House of Pain betrat die Bühne und man merkte, wie die Stimmung merklich entspannter wurde. Die Köpfe nickten, die Hände wippten – die Band spielte ihre alten Hits sowie „Jump Around“ uvm. Von der alten Schule ging man nun zum modernen Rap, und somit kommen wir zum letzten Act des ersten Tages: Macklemore & Ryan Lewis. Das US-Duo, das für Hits wie „Thrift Shop“ und „Can’t hold us“ bekannt ist, rockte die Bühne ab Sekunde eins. Sie präsentierten Hits von ihrem Erfolgsalbum „The Heist“ sowie Songs aus der letztjährigen Platte „This Unruly Mess I’ve Made“. Die Interaktion mit dem Publikum war hier besonders hoch. Nach einem Bad in der Menge schnappte sich Macklemore zwei Leute aus dem Publikum, die sich ein Dance-Battle auf der Bühne lieferten.

Fazit

Der Abend lässt sich in zwei Seiten teilen. Während Appletree und House of Pain eher die klassischen Rapper sind, bekam man mit Left Boy und Macklemore & Ryan Lewis Musiker den modernen Hip Hop zu hören. Left Boy ist auch soundtechnisch von den vier Artists herausgestochen, da er des Öfteren in die rockigere Richtung performt hat. Es war eine insgesamt gute und interessante Mischung für den ersten Tag, und ich bin mir sicher, dass für jeden Hip Hop Head etwas dabei war. Ob es für das Rock in Vienna die richtige Entscheidung war, wird sich an der Resonanz zeigen, aber künstlerisch war es jedenfalls top.

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