Rock in Vienna - Tag 3
Line-Up
Sound
Stimmung
Organisation
3.2STERNE

Der dritte Tag von Rock in Vienna hatte eine wilde Mischung zu bieten und den leidgeplagten Rock-Fans wurde ein wenig Balsam auf die Seele gepinselt.

Die Besucheranzahl hielt sich zu Beginn in Grenzen, denn die Vorzeichen waren denkbar schlecht. Der erwartete Regen kam, der Wind peitschte über die Donauinsel und Besserung war nicht in Sicht. Dennoch trudelten einige Hartgesottene auf das Gelände um die Auftaktband des Tages zu sehen. Die Türen wurden eine Viertelstunde zu spät geöffnet, was bedeutete, dass viele bei Beginn der Show noch nicht die Möglichkeit hatten an der Bühne zu stehen. Das darf nie passieren. Dennoch lief ansonsten alles reibungslos ab; der Ansturm war überschaubar.

Rock From Germany

Den Anfang machten Itchy, vormals bekannt als Band mit dem weltschlechtesten Bandnamen „Itchy Poopzkid“. Generischer Pop-Punk und schlechte Witze konnten zumindest die ersten beiden Reihen etwas zum Mitnicken bewegen. Es war ein zahnloser Auftritt, dem auch die wenigen Leute an der Bühne geschuldet waren. Nach kurzer Umbauphase schlugen Donots in die selbe Kerbe, aber mit etwas mehr Wucht. Sie spielten sich quer durch ihre über 20-jährige Bandgeschichte während langsam der Regen einsetzte und die Zuschauer in Poncho tragende Schlümpfe verwandelte. Sie waren zwar eine Klasse besser als Itchy, sprengten das Publikum aber auch nicht. Nach einem soliden Gig änderte sich das Programm und wartete mit einiger Abwechslung auf.

(c) Florian Matzhold

Mit Monster Magnet wurden endlich die Rock-Fans bedient. Als einzige nicht-deutsche Band konnten sie mit hartem Stoner-Rock überzeugen und während die drei Gitarristen zusammen ihre Soli spielten, flog schon mal der ein oder andere Bierbecher vor die Bühne. Der Auftritt war energisch und die Stimme von Sänger Dave Wyndorf wieder einmal kristallklar. Leider wurden die US-Amerikaner etwas schlecht abgemischt und die Rhythmus-Garnison kam wenig zur Geltung. Sehr schade, weil so sehr viel an Dynamik verloren ging, von der eine Band wie Monster Magnet lebt. Ansonsten war der Sound, obgleich der widrigen Witterungsverhältnisse, bei allen anderen Künstlern überragend.

Am Limit

Als Co-Head fungierten In Extremo mit einer beachtlichen künstlerischen Varianz. Sie zelebrierten Mittelalter-Schlager-Metal mit viel Feuer und unkonventionellen Instrumenten wie zum Beispiel Schalmei und Harfe. Der Regen lies nun nach und immer mehr Menschen feierten dies zu den Klängen ihres neuen Albums „Quid Pro Quo“. Nun waren die Zuschauer aufgewärmt und bereit für Deichkind, den Headliner des Tages. Innerhalb von Minuten sank der Altersdurchschnitt drastisch und ganz vorne wurde es das erste Mal etwas enger. Auch die Sonne spitzelte noch kurz hinter der massiven Bühne hervor – fast schon romantisch. Und dann wurde es laut. Deichkind betraten mit einer, im deutschsprachigen Raum, einzigartigen Show die Szene und ließen keinen Stein auf dem anderen. Bunte Dreiecke, Schlauchboote, Elektromobile, Fassreiter und ein Solarium, hinterlegt mit einer genialen Lichtshow, brachten einen an den Rand der Reizüberflutung. Das Publikum war wie ausgewechselt und hüpfte eineinhalb Stunden manisch zu Songs wie „Arbeit Nervt“ oder „Remmidemmi“. Wer vor Deichkind schon in die U-Bahn gestiegen ist, und das waren doch einige, hat auf jeden Fall einer der besten Live-Acts der Welt versäumt.

(c) Florian Matzhold

Fazit

Der Tag war zum Glück nicht so chaotisch wie der Timetable. Obwohl der Einlass verspätet durchgeführt wurde, gab es keine Drängereien oder allgemeinen Stress. Die Security und OrdnerInnen waren hilfsbereit und zuvorkommend, die KellnerInnen nett. Das Gelände und die Gesamtstimmung haben sicher von der niedrigeren Besucheranzahl profitiert. Ob es für den Veranstalter Blue Moon und DEAG rentabel war wird sich nächstes Jahr zeigen. Der Sound war, bis auf einen Ausreißer, absolut überragend und die Umbauzeiten wurden sehr kurz gehalten. Der einzige Minuspunkt, und das über alle vier Tage, ist die völlig krude Durchmischung der Bands. Dazu kommt, dass bei einem Festival im Herzen Wiens nur zwei österreichischen Künstlern Platz geboten wird. Während Tag drei beehrten uns vier Bands aus Deutschland, von denen zwei maximal durchschnittlich waren. Im Laufe des gesamten Festivals sind es sogar zehn. Da kann man sich ja nur auf den Kopf greifen.

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