Was von 5 Tagen, rund 100 KünsterInnen und über 80 Parties bleibt.

Das Snowbombing Festival in Mayrhofen gehört seit kurzem zum Schnee von gestern. Umso besser, denn der soll in den kommenden Tagen patzig und unfahrbar werden. Wie die letzten Tage waren und welche Eindrücke ich gesammelt habe, versuche ich hier noch einmal zusammenzufassen.

Wednesday, Thursday, Friday

Wie bereits erwähnt, gönnte ich mir am Mittwoch eine kleine Festival-Ruhepause und besuchte die obligatorische Presseparty. Dort wurden wir von Hans The Butcher – der eine Art kulinarisches Aushängeschild in der Snowbombing-Zeit ist – mit Leberkäs‘-Semmeln verköstigt. Erst dort stellte ich fest, dass www.music-news.at die einzige österreichische Pressevertretung war – welch Ehre eigentlich. Mittwoch fand auch die Parrots & Pineapples Pool-Party statt, bei der Artists wie Gotsome und die Cuban Brothers die Menge unterhielten. Aufgrund des für mich eher weniger interessanten Abend-LineUps, beschloss ich die Energiereserven für Donnerstag und Freitag aufzusparen.

AndrewWhitton

Fatboy Slim @ Snowbombing 2015 Fotocredit: Andrew Whitton

Donnerstag stand bis auf Fatboy Slim, der den Racket Club zum Beben brachte, ganz im Zeichen des Drum and Bass. Hier konnte man von Nu:Tone über London Elektricity, Etherwood bis hin zu Danny Byrd und Metrik alles finden. Bis auf Nu:Tone hatte ich auch bis dahin noch keinen der vorhin erwähnten Künstler gehört. Obwohl die Arena mit rund 300 BesucherInnen gegen 01:00 Uhr noch spärlich gefüllt war, konnte man die Energie der Musik wie auch der Partypeople deutlich spüren und gut mitgehen. Vor allem das Set von Danny Byrd war gnadenlos. Gnadenlos in dem Sinne, dass man zwischenzeitlich kurz um Luft ringen musste, weil es dir einfach keine Pause gegönnt hat.

Freitag Mittag – die Sonne scheint mir ins verschlafene Gesicht, sie bittet mich sie zu nutzen – deswegen setzen sich mein Kollege und ich ins Auto und fahren auf den nächstgelegenen Berg um dort etwas Kontrast, etwas Ruhe vom abendlichen Spektakel zu finden. Es ist wunderschön, warm und einige ParagleiterInnen schwirren vor deiner Nase herum. Es ist – bis auf Vogelgezwitscher und summende Insekten – absolut still, idyllisch. Jetzt steht es für mich fest: Ich komme wieder, nicht nur wegen des Snowbombings, sondern hauptsächlich wegen der Freundlichkeit der Menschen, der wundervollen Natur und den atemberaubenden Bergen.

RichardJohnson

Rudimental (Live) @ Snowbombing 2015 Fotocredit: Richard Johnson

Zurück im Dorf bereiteten wir uns auf die Forest Party vor. Der sogenannte Waldfestplatz befindet sich etwas abseits des Ortszentrums und wird in den letzten Tagen zur Konzerlocation umgebaut. Die zahlreichen Hütten, die als Bars verwendet werden, stehen das ganze Jahr. Normalerweise finden hier auch andere Veranstaltungen statt, wie zum Beispiel der traditionelle Adventmarkt etc.
Der mit groben Holzspähnen ausgestreute Platz ist etwas kegelförmig und hat am oberen Ende terrassenähnliche Stufen. Kurz vor dem Auftritt von Rudimental (Live) strömen hunderte Snowbomber zur Forest Party, kurz drangehängt kommt man also sorgenlos zum Ziel. Eigentlich hätten wir den Anfang des Konzerts schon verpasst, aber Rudimental ließen sich Zeit – rund eine halbe Stunde länger. Das verkürzte den Auftritt auf insgesamt eine knappe Stunde. Auch wenn das Konzert ein unbeschreibliches Erlebnis war, stark geprägt durch Raggaetunes und All-time-Hits wie „Feel the Love“, „Waiting all night“, „Free“ und „Not Giving“ war der Sound mehr als enttäuschend. Nur in klaren Momenten konnte man die Instrumente wie Saxophon und Keyboard hören, der Bass übertönte leider alles Melodische. Zum krönenden Abschluss der letzten Outdoor-Party dieser Woche begeisterte ein kleines Feuerwerk die Gäste des Waldfestplatzes. Kaum war der Auftritt vorbei, begann der Run auf die nächsten Locations. Wer so klug war wie wir, verabschiedete sich schon einen halben Song vorher um nicht in langen Schlangen warten zu müssen.

DannyNorth

The Racket Club @ Snowbombing 2015 Fotocredit: Danny North

22:00 Uhr – Der Racket Club ist bis auf eine Hand voll (Leute) leer. Das sollte sich in der darauffolgenden Stunde auch nicht wesentlich ändern, denn die Personenkontrollen verzögern den Eintritt wehement. Egal – mehr Platz für mich. Man holt sich ein Bier, geht seinem Nikotinkonsum nach und spricht mit den Leuten. Man stellt wieder einmal fest, dass die Welt doch klein ist – z.B. wenn der Security aus deinem Heimatbezirk kommt. Es ist 22:30. Das Set von North Base beginnt. Zu meiner Überraschung stelle ich fest, dass mir dieser wirklich gute DJ bisher entgangen ist. Gemeinsam mit seinem MC, der sich sogar von der Bühne hinunter in die Menge traute, heizte er dem Tenniscourt rund zwei Stunden ordentlich ein.
00:30 – Der Live-Auftritt von Cameron Edwards und Joe Lenzie alias Sigma beginnt. Jeder von ihnen an einem Pult, die zahlreichen SängerInnen und MCs wie gewohnt an der Front. Irgendwie kaum zu glauben womit DnB-Acts mittlerweile aufwaten um das Publikum in ihren Bann zu ziehen. Anscheinend geht der Trend langsam weg vom reinen Auflegen in Richtung wirklich gute Live-Unterhaltung.

5 Tage – 100 KünsterInnen – 80 Parties und jeden Cent wert!

Kein Festival in Österreich hat mich so überrascht wie das Snowbombing Festival Mayrhofen. Es sind nicht nur die Parties und Acts, es ist das Gesamtpaket das dir hier geboten wird! Du kannst deinen Tag am Berg verbringen – egal ob Skifahren, Boarden, Paragleiten uvm. – und die ganze Nacht in den verschiedensten Clubs abfeiern. Die Freundlichkeit der Einheimischen und der englischen BesucherInnen ist selten zu finden. Viele lernen hier zum ersten Mal was es heißt auf Brettern zu stehen, viele sehen hier zum ersten mal die Schönheit der Alpen und viele erfahren hier zum ersten Mal unser schönes Österreich. Egal mit wem man spricht, sei es die Kassiererin beim Spar, den Securities am Festival-Gelände oder den Gästen selbst – alle sind begeistert. Nicht umsonst ein Grund für viele um nächstes Jahr wieder zurückzukehren.
Die gesamte Organisation vom Flughafentransport in den Ort, von den Orientierungshilfen im Dorf, dem Wristband etc. machen dir deinen Festivalbesuch so leicht wie noch nie. Auch wenn es vielleicht nicht die günstigste Woche deines Lebens wird, so sollte sie jeder EDM-Fan wenigstens einmal im Leben genossen haben.

Ganz im Sinne unseres Arnold Schwarzeneggers, sind die letzten Wort die mir verbleiben:

„I’ll be back!“

Fotocredit: Andrew Whitton, Snowbombing 2015

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