Summer Breeze 2016 - Freitag und Samstag
Location
Organisation
Sound
Bands
Stimmung
Preis/Leistung
4.0Sterne

Sommer, Regen, Staub und vier Tage lang jede Menge Metal: So war’s am Freitag und Samstag am Summer Breeze Open Air vergangene Woche in Dinkelsbühl, Bayern.

Auch die zweite Hälfte des diesjährigen Summer Breeze Open Air sorgte für musikalische Höhenflüge.

Freitag – Der zweite Festivaltag

Im Gegensatz zum vorangegangenen Donnerstag wurde der Weg zum Kerngelände am zweiten offiziellen Festivaltag erst gegen 15:00 Uhr angetreten. Erster Halt: die Pain Stage, wo Death Metal-Jünger in den Genuss einer gehörigen Portion Dying Fetus kamen. Songs wie „Grotesque Impaled“ oder „Your Treachery Will Die With You“, beeindruckende Vocals und treibende Drums sorgten für ein brechend volles Auditorium und beste Voraussetzungen zum Moshen, Crowdsurfen und Headbangen, denen nur zu gerne nachgekommen wurde.

Auch der Andrang bei Parasite Inc. um 16:15 Uhr auf der Camel Stage war enorm. Kein Wunder, immerhin bot das Quartett aus Baden-Württemberg neben einer feinen Auswahl an erstklassigen Melodic Death Metal-Songs auch ein super-sympathisches Auftreten. Auf wie vor der Bühne herrschte beste Laune; das Publikum ließ sich von Songs wie „Armageddon“ oder „Pulse Of The Dead“ derart mitreißen, dass die Band von so viel guter Stimmung schier überrumpelt wurde. „Ich bin etwas überfordert mit so vielen Leuten vor der Bühne“, versuchte Frontmann und Gitarrist Kai Bigler seiner Überwältigung Ausdruck zu verleihen. Mit nur 30 Minuten Spielzeit war das Konzert von Parasite Inc. auch schon wieder viel zu schnell vorbei.

Auch bei Soilwork im Anschluss auf der Pain Stage ging das wilde Treiben weiter. Die Schweden nahmen offenkundig Kurs auf Eskalation und feuerten bereits am Anfang des Sets Megahits wie „Nerve“ oder „Overload“ in die Menge. Diese ging begeistert mit, schwang das Haupthaar auch zu neueren Songs á la „The Ride Majestic“ und „Death In General“, moshte was das Zeug hielt und auch die Crowdsurfer schwappten nur so nach vorne. Blieb da überhaupt noch Energie für den anschließenden Auftritt von Arch Enemy auf der Main Stage über?

Offensichtlich, denn nicht nur der Andrang, der sich bereits kurz vor Ende des Soilwork-Gigs deutlich bemerkbar machte, auch die Motivation war hoch, als Alissa White-Gluz und ihre Mannen pünktlich um 18:20 Uhr die Bühne betraten. Mit donnerndem Applaus begrüßt, begann die Band ihr Set mit „Khaos Overture“ und der Wahnsinn nahm seinen Lauf. Crowdsurfer, Headbanger, Mosher – sie alle fraßen Frontfrau White-Gluz aus der Hand und ließen sich nur zu gern zur Höchstform anstacheln. Auch der gewohnte Mix aus Evergreens und neuen Nackenbrechern ließ kaum Wünsche offen. Einzig „We Will Rise“ wurde von einigen Fans schmerzlich vermisst – ein Song, den Arch Enemy mittlerweile kaum noch live zu spielen scheinen.

eisbrecher summer breeze 2016

Eisbrecher (c) Summer Breeze Open Air

Mit Eisbrecher hatten sich um 21:50 Uhr echte Showmaster auf der Pain Stage eingefunden. Die Verfechter der Neuen Deutschen Härte sind einfach immer ein Garant für eine beeindruckende und mitreißende Show, die bei Dunkelheit nochmal weitaus eindrucksvoller ist. Songs wie „Verrückt“, „This Is Deutsch“ oder „Himmel, Arsch und Zwirn“ ließen weder Nacken noch Tanzbeine ruhig bleiben, während die perfekt aufeinander abgestimmte Band eine mitreißende Performance hinlegte. Auch den unterhaltsamen Zwischeneinlagen, die vorwiegend von Frontmann Alexander Wesselsky kamen, war es zu verdanken, dass das Publikum der Band von Anfang an aus der Hand fraß. Extra-Sympathie-Punkte gab es sicherlich für die vortreffliche Kurz-Performance des Pokérap von Sänger Wesselsky und der eigens eingelegten Extra-Posen, um die Fans dazu zu bringen, die Handys anschließend in den Taschen zu lassen und das Konzert zu genießen.

Beim anschließenden Betreten der T-Stage der Schock: Obwohl sich Unleashed für den Slot von 23:15 Uhr bis 00:15 Uhr angekündigt hatten, war das Auditorium gähnend leer. Zwar war nicht unbedingt mit größtem Andrang zu rechnen, da unterdessen Slayer die Main Stage auseinandernahmen, dennoch hätte ich mir doch mehr Publikum erwartet – immerhin sind Unleashed ebenso kein unbeschriebenes Blatt. Zum Glück wurde der Bereich vor der Bühne zumindest noch zu etwa einem Drittel voll und auch die Band selbst machte das Beste aus der Situation und mit solch textsicheren und motivierten Zuschauern kam eine Stimmung auf, die dem Main Stage-Headliner sicher das Wasser reichen konnte.

Nachdem Satyricon im Anschluss auf der Pain Stage das 20-jährige Jubiläum ihres Meilensteines „Nemesis Divina“ feierten und damit vor allem Old School-Fans in Verzückung geraten ließen, wurde danach noch ein kurzer Abstecher zum T-Stage Headliner In The Woods… gemacht, um deren kürzliche Wiederauferstehung zu zelebrieren. Schließlich wurde es aber Zeit, den Rückzug zum Zelt anzutreten, immerhin wurden für den finalen Festivaltag, der zahlreiche Highlights versprach, noch einige Energiereserven gebraucht.

Samstag – Der letzte Festivaltag

Mit Unearth um 15:15 Uhr auf der Pain Stage fand der finale Tag am Summer Breeze einen brachialen wie unterhaltsamen Einstieg. Wer zum Moshen, Crowdsurfen oder Headbangen noch nicht aufgelegt war, konnte sich auch einfach zurücklehnen, den Metalcore-Songs lauschen und den Bandmitgliedern bei ihrer energiegeladenen und unterhaltsamen Performance zusehen. Spätestens bei ihrem Megahit „My Will Be Done“ stand aber niemand mehr still und das Set fand sein fulminantes Ende.

Nach einem Abstecher bei den Essensständen – die gewohnt für jeden Geschmack etwas boten – und den Merchandise-Ständen war es wieder Zeit für Livemusik. Angesteuert wurde erneut die Pain Stage, auf der sich um 19:25 Uhr – passend zum Namen – die schwedischen Industrial Metaller Pain die Ehre gaben. Der Name war hierbei Programm, denn bei Pain sind Nackenschmerzen vorprogrammiert. Mit durchgedrücktem Gaspedal wurde auch am Summer Breeze ein Party-Set der Extraklasse geliefert, das schwingende Mähnen, Tanzbeine und jede Menge Arbeit für die Grabenschlampen (so die Bezeichnung für die Graben-Security) bedeutete. Gassenhauer wie „Same Old Song“, „Dirty Woman“ oder „Shut Your Mouth“ durften ebenso wenig fehlen wie die Zwangsjacke von Bandchef Peter Tägtgren und auch der zum Ende hin eintretende Regenschauer konnte die Partystimmung nicht trüben.

Etwas ruhiger, aber umso stimmiger wurde es unterdessen auf der Camel Stage bei den Salzburgern Harakiri For The Sky, die sich ebenso über eine beachtliche Anzahl an Zuschauern freuen durften. Trotz kleinerer Schwierigkeiten mit dem Ton schuf die Band eine melancholische Atmosphäre, konnte aber auch einige Zuschauer zum Headbangen und Crowdsurfen animieren und ließ das zuvor aufgekommene ungemütliche Wetter schnell vergessen. Weiter zur T-Stage, wo mit den dänischen Death Metallern Illdisposed die nächste Band mit Zerstörungswut ins Haus stand. Mit einer gut durchmischten Setlist, die so gut wie jede Schaffensphase der Skandinavier abdeckte, und somit jeder Menge Nackenbrechern zeigten Illdisposed ein Mal mehr, wieso sie noch längst nicht zum alten Eisen gehören.

unearth summer breeze 2016

Unearth (c) Summer Breeze Open Air

Mit My Dying Bride um 23:15 Uhr blieb die Bühne dieselbe, die Stilrichtung änderte sich jedoch erheblich – hier wurde nun der Doom in seiner reinsten Form zelebriert. Die Briten um Frontmann Aaron Stainthorpe brachten eine ganz besondere Atmosphäre in das Zelt, der man sich nicht mehr entreißen konnte. Wie in Trance erlebte man das einstündige Set, das mit „She Is The Dark“ nicht grandioser hätte gipfeln können. Eine Band, die man auf jeden Fall einmal live gesehen haben sollte. Mindestens genauso episch ging es im Anschluss auf der Pain Stage bei Katatonia zu. Trotz späterer Stunde am letzten Festivaltag und mittlerweile äußerst niedrigen Außentemperaturen, hatten sich einige Metalfans eingefunden, um gemeinsam mit den Schweden zur Geisterstunde die Melancholie zu zelebrieren. Für Gänsehaut sorgte nicht nur der kalte Wind, sondern auch die stimmig zusammengesetzte Setlist, bestehend aus Songs wie dem Opener „July“, „Old Heart Falls“ oder „Onward Into Battle“. Da fiel das Ausharren gar nicht schwer und bei so viel atmosphärisch dargebotenem Weltschmerz konnte einem nur warm ums Herz werden. Großartig!

Nach einem kurzen Abstecher bei Primordial sollte eigentlich Schluss sein, doch irgendwie siegte die Neugier auf die letzte Band des Festivals, den T-Stage-Headliner Batushka, dann doch. Religiöser Black Metal aus Polen? Das musste man einfach gesehen haben. Batushka verstanden es, mit religiös-doomigem Black Metal und einer wohl konzeptionierten Bühnenshow ein sehenswertes Set hinzulegen und selbst um kurz vor 02:30 Uhr nachts noch scharenweise Metal-Jünger vor die Bühne zu locken. Weihrauch, ein Altar, maskierte Musiker mit langen schwarzen Kutten, sakrale Choräle und das komplett dargebotene Album „Litourgiya“ – Batushka wussten die Menge gekonnt in ihren Bann zu ziehen und lieferten zu äußerst später Stunde nochmal eine sehenswerte Show, zu der das Summer Breeze 2016 schließlich endgültig beschlossen wurde.

Summer Breeze 2016 – Fazit

Auch bei der nunmehr 19. Auflage hat das Summer Breeze erneut unter Beweis gestellt, wieso es mittlerweile zu den bekanntesten und beliebtesten Festivals der Szene zählt. Organisation, Künstleraufgebot und Preis-/Leistungsverhältnis waren auch heuer wieder durchweg gut umgesetzt, lediglich am Sound haperte es auch diesmal an einigen Stellen massiv. Zudem ist das Summer Breeze wohl das Festival mit den bestgelaunten Securities, die stets freundlich und gut gelaunt waren und selbst am Abreisetag noch Motivation zeigten und jedem eine gute Heimreise wünschten. Hut ab dafür! Man darf gespannt sein, was 2017 bringt, denn zum 20-jährigen Jubiläum kündigten die Veranstalter einige Überraschungen an.

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