Thank you, it was lovely
Line-Up
Tontechnik
Sets
Stimmung
4.1Sterne

Am Samstag, dem 9. Juli, fand das Classic-Rock Festival Lovely Days statt. Das Festival mit Tradition verwöhnte sein Publikum dieses Jahr mit Rockgöttern wie Deep Purple, Ian Anderson von Jethro Tull oder Ten Years After.

Das Lovely Days Festival fand heuer erstmalig in Eisenstadt auf dem Gelände der Schloss Esterhazy statt. Während die Heimat des Classic-Rock Festivals bis zu diesem Jahr das traumhafte Festivalgelände in Wiesen war, musste das Lovely Days heuer seine angetraute Heimat verlassen. Zwar mussten die Besucher so ohne den schattenspendenden Wald auskommen und waren auf dem Platz hinter dem Schloss in der burgenländischen Landeshauptstadt der Sonne recht schutzlos ausgeliefert, doch konnte auch dieses Konzertgelände schon allein durch seine Optik bestechen. Die Akustik der Live-Acts war erstklassig und stand den Qualitäten aus Wiesenzeiten in nichts nach. Auch für das leibliche Wohl der Festivalbesucher war durch zahlreiche Ottakringer Zelte und Foodtrucks bestens gesorgt. Obwohl die über 9.000 Besucher des diesjährigen Lovely Days Festivals zu einem großen Teil reiferen Alters waren, fand man ebenso zahlreich Mittzwanziger und Gäste aller Altersklassen unter den Rock-Pilgern.

Von alten Hasen und jungen Hüpfern

Eröffnet wurde der Reigen durch die legendären Ten Years After. Die Truppe war mit den Woodstockveteranen Drummer Ric Lee und Keyboarder Chick Churchill aus der Originalbesetzung unterwegs. Ersetzt wurde der ehemalige Bassist Leo Lyons durch Colin Hodgkinson. Am Mikrofon und an der Gitarre konnte man ein neueres und jüngeres Gesicht in der Rockszene begrüßen: Marcus Bonfanti. Der gebürtige Engländer Bonfanti, oder wie er von Drummer Lee genannt wird: Bon-fabulous, begeisterte das Publikum von der ersten Nummer – „Love like a man“ – weg mit seiner rauchigen, tiefen, vibrierenden Rockstimme. Egal ob mit Klassikern wie „I’d love to change the world“ oder mit der Nummer „Alley Cat“ von Marcus Bonfanti – Ten Years After legten einen mitreißenden Start für das Lovely Days hin.

Mit Freude fieberte man also dem nächsten Act, den Glam-Rockern Sweet – entgegen. Der erste Song am Set war das 1975 erschienene Lied „Action“. Zwar hörte man an der Stimme des Frontsängers Peter Lincoln bereits das Alter nagen, dennoch wussten die in die Jahre gekommenen Rocker das Publikum zu begeistern und bei Hits wie „Fox on the Run“ zeigten die Zuschauer, dass die langjährigen Fans in puncto Text trittsicher waren.

Als nächsten Act im Line-Up zeigten Mother’s Finest rund um Rockmama Joyce Kennedy mit Songs wie „Burning Love“, dass auch das Feuer der Funk-Rock-Soul Band noch mächtig lodert. Bei den ersten Beiden Nummern der Band passierte ein Missgeschick mit der Tontechnik, sodass die an und für sich so voluminöse Stimme von Sängerin Kennedy zwischenzeitlich hinter den Instrumentals unterging. Bei „Can’t fight the feeling“ waren jedoch sämtliche Probleme beseitigt worden und die Truppe legte richtig los. Gitarrist Gary Moore legte bei „Mickey Monkey“ ein denkwürdiges Gitarrensolo hin und brachte die Seiten im seinen Riffs zum Rauchen.

„Wir sind quasi der Rechtschreibfehler im heutigen Line-Up“, kommentierten Seiler und Speer selbstironisch ihre Buchung fürs Lovely Days. Zwischen den ganzen alten Hasen im Rockbusiness aufzutreten, war für die vergleichsweisen Newcomer eine Zitterpartie. Trotz anfänglicher augenscheinlicher Zweifel von Seiten der beiden Niederösterreicher an ihrem heutigen Auftritt wurden Seiler und Speer samt Band mit einem begeisterten Publikum belohnt. „I hab echt gedacht, uns mog heit kana“, stellten die beiden überrascht fest, nachdem die Menge zu „I wü ned“ nicht nur begeistert mitgesungen, sondern auch mitgetanzt hatte. Auch wenn manchen der Besucher Seiler und Speer vor dem Lovely Days nur durch „Schware Partie“ bekannt war, konnten die Jungs samt Band den Nicht-Seiler und Speer-Fans zeigen, was in ihnen steckt.

Nach Seiler und Speer war es eindeutig vorbei mit der Tanz-Stimmung, denn der fabelhafte Ian Anderson von den legendären Jethro Tull betrat die Bühne samt Tour-Band. Der absolute Ausnahmerocker mit der Querflöte, einer Stimme wie ein englischer Sir und einem mächtigen Patzen Humor spielte gemeinsam mit seiner Band die Menge schlicht und ergreifend in den Boden. Die Soundqualität kam nicht nur an Studioaufnahmen heran, sondern übertraf diese zeitweise sogar. Bei Meilensteinen der Rockmusik wie „Locomotive breath“ fühlte sich der Zuhörer vollkommen überwältigt von dem vielschichtigen und facettenreichen Arrangement und dem technischen Können der Band. Nummern wie „Songs from the world“ oder „Thick as a brick“ nahmen in der präsentierten Liveversion die Komplexität von Stücken aus einer Rockoper an – kein Wunder, tourt Ian Anderson samt seiner Band mit erweiterter Besetzung auch unter dem Namen „Jethro Tull: The Rock Opera Musicians„. Nicht unerwähnt bleiben darf der Mann an der Orgel, der Keyboarder John O’Hara mit seiner Hammond, der der Menge mächtig einheizte und der junge Gitarrist Florian Opahle mit seiner Gibson Les Paul, mit der er Bachs Stück „Toccata“ uminterpretierte und seine Finger nur so über die Saiten fliegen ließ.

Fulminantes Ende

Nachdem Ian Andersons letzte Nummer verklungen war, war es soweit und das Lovely Days näherte sich dem Höhepunkt des Line-Ups mit den legendären Deep Purple. Die Band, die die Welt mit grenzgenialen Stücken wie „Child in Time“ beschenkt hat, wusste beim Lovely Days vor ihrem Auftritt die Spannung des Publikums hochzutreiben. Die Rocker marschierten schließlich unter tosenden Applaus und zu den erhabenen Klängen von „Die Planeten“, Opus 23 von Gustav Holst auf die Bühne. Die Zuhörer wurden nach zehn Stunden voller Acts, die Musikgeschichte geschrieben haben, nun noch einmal von einer Show verwöhnt, die in Hinsicht auf das Beherrschen der Instrumente und Perfektion in Punktation und im Erzeugen von Emotionen seines Gleichen sucht. Bei Don Airey und seiner sakralen Hammond wurde kein einziger Ton gesampelt, alles wurde live eingespielt. Vor allem hier zeichnete sich die klassische Ausbildung des Keyboarders Don Airey ab. Auch war das Publikum wie bei dem Auftritt von Ian Anderson hypnotisiert durch die großen Rocklegenden. Vom Opener „Highway Star“ bis hin zur Zugabe war die Stimmung zum Zerschneiden, so dicht und Deep Purple wurde mit dröhnendem Beifall der mehr als begeisterten Fans belohnt.

Auch heuer wieder bewies das Lovely Days, warum es zu den fixen Festival-Größen dieses Lands zählte. Wenn es sich dabei auch vom Umfang des Line-Ups her um ein kleineres Festival handelt, hat es dieses durch die Besetzung gewaltig in sich. Abgesehen von einer kleinen Kommunikationsschwierigkeit am Beginn zwischen Veranstalter und Securities am Festivalgelände erwies sich das Lovely Days 2016 als rundum Erfolg für die glücklichen Besucher.

Eine Antwort

  1. Besucher

    „Zwar mussten die Besucher so ohne den schattenspendenden Wald auskommen und waren auf dem Platz hinter dem Schloss in der burgenländischen Landeshauptstadt der Sonne recht schutzlos ausgeliefert“ –> Warst du dort? Gerade die vielen Bäume auf beiden Seiten machten das neue Festivalgelände so gut!

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