Abgesehen von einer zertrampelten Wiese, einem Loch in der Brieftasche und einem Sonnenbrand auf der rechten Körperhälfte? Viele schöne Erinnerungen an tolle Musik und ein ungewöhnlich erholter Körper.

Im Spätherbst 2014 kam praktisch aus dem Nichts die Ankündigung eines mehrtägigen Rockfestivals auf der Wiener Donauinsel. Bis vor wenigen Tagen war noch völlig unklar, ob das Konzept aufgehen würde, ein Rockfestival im Zentrum einer Großstadt zu machen, ein Festival, bei dem nur ein ganz geringerer Teil der Besucher campen könnte. Genauso unklar war, ob der österreichische Markt einem weiteren Großfestival standhalten würde, immerhin erhoffte man sich anfangs rund 50.000 Zuschauer pro Tag, also ähnlich viele wie es das Nova Rock und Frequency Festival seit viele Jahren verbuchen können.

Größer heißt nicht besser

Nun, nach drei Tagen voll lauter Musik und ungebrochenem Sonnenschein ist vieles klarer. Eines sei gesagt, es wurden an keinem der drei Tage 50.000 Zuschauer erreicht. Für den Donnerstag, dem bestbesuchten Tag, mit Metallica als Headliner, spricht man von 30.000 Zuschauern. Am Freitag (Muse) lag man bei rund 25.000 und am abschließenden Samstag (KISS) dürften es wohl noch etwas weniger gewesen sein. Was sagt uns das jetzt? Vielleicht sagt es uns, dass die 3-Tagespässe mit 200 Euro außerhalb der preislichen Wohlfühlzone lagen. Viele Besucher entschieden sich für Tageskarten, deren Preise durchaus angemessen waren – für das heutige Preisniveau von Konzerten zumindest. Vielleicht sagt es uns aber auch, dass es Metallica in den letzten Jahren ein wenig übertrieben haben mit Österreich. In den vergangenen zehn Jahren spielten sie nicht weniger als sieben Konzerte in Österreich. Zuletzt 2014 vor zehntausenden Zuschauern in der Wiender Krieau. Man mag es nicht für möglich halten, doch offenbar tritt auch bei Metallica Fans irgendwan ein Stadium der Übersättigung ein.

Vielleicht sagen uns die Zuschauerzahlen auch, dass Muse in Österreich eben genau diese Größe haben und KISS eben nicht mehr so viele Menschen vom Champions League Finale wegziehen. Und vielleicht kommen wir sodann zu der Erkenntnis, dass das schon okay ist, sogar positiv für die Dagewesenen. Schließlich verbessert die doppelte Zahl an Zusehern weder die Qualität noch das Wohlgefühl eines ohnehin schon großen Konzerts.

Rock in Vienna bietet 2015 erstmals ein Festival im Zeichen der Rockmusik mitten in Wien

Rock in Vienna bietet 2015 erstmals ein Festival im Zeichen der Rockmusik mitten in Wien

Fünf Euro sind Standard

Weniger wohl fühlt man sich da schon mit den gängigen Getränkepreisen. Zipfer bietet ihr flüssiges Gold für fünf Euro pro halber Liter an. Wer glaubt antialkoholisch billiger zu fahren, der liegt leider daneben. Wer schlussendlich für diese geistig umnachtete Preispolitik an den Getränkeständen verantwortlich ist – sei es der Anbieter selbst oder indirekt der Veranstalter – sollte sich ernsthafte Gedanken machen und davon abrücken. Das gilt nicht nur für das hier besprochene Rock in Vienna Festival, sondern für alle Großveranstaltungen. Zumindest antialkoholische Getränke sollten zu annähernd menschlichen Preisen angeboten werden.

Dass sich die Kulinarik–Abteilung auf der Donauinsel nicht stark von dem langläufigen Angebot bei solchen Veranstaltungen unterscheiden wird, war zu erwarten. Pizza, Hot Dog, Chicken Wings, Donuts, Eis… Das ist halt so üblich, auch wenn etwas angehaucht gesundes und frisches eine äußerst willkommene Abwechslung gewesen wäre. Dafür gab es wassergespülte Toiletten, an denen Speis und Trank ungehindert ihren Weg hinaus finden konnten, das ist doch auch was.

Die Bühne(n)

Das Konzept einer Doppelbühne ist neu in Österreich

Das Konzept einer Doppelbühne ist neu in Österreich

Augenscheinlich unterscheidet sich das Rock in Vienna von anderen Festivals im Land durch das Konzept der Doppelbühne. Die beiden Bühnen – die kleinere Mindstage und die größere Soulstage – stehen direkt nebeneinander, dazwischen lediglich ein hochformatiger Videoscreen. Die Bühnen werden jeweils abwechselnd bespielt und sorgen so für (beinahe) ununterbrochene Livemusik am Gelände. Für gewöhnlich dauern die Pausen zwischen den Acts keine fünf Minuten. Das macht das Festival unheimlich kurzweilig und verabreicht dem Besucher eine völlig neue Intensität des Musikhörens. Gleichzeitig führt es dazu, dass man sich eher mit einem noch unbekannten Bands beschäftigt, weil es sich eben einfach nicht auszahlt sich zu weit von der Bühne zu entfernen. Andererseits führt das dazu, dass die Fun Area zu einer unwichtigen Randerscheinung wird, die die meisten Besucher nur durchqueren, um zum Bühnenbereich zu gelangen. Diese Zusatzangebote sind aber ohnehin so eine Sache. Wer braucht sie wirklich, wenn das Angebot an guter Musik stimmt? Zehn Stunden vor der Bühne können zwar anstrengend werden, doch können es auch ganz wundervolle Stunden werden, in denen man von großartigen, von skurrilen, von übermotiverten Musiker unterhalten wird.

Ein großes Manko an der Umsetzung des Bühnenkonzepts sind mit Sicherheit die Störgeräusche des Soundchecks der einen Band, während die andere Band gerade spielt. Das ist lästig für die Zuschauer und unfair den Bands gegenüber. Ein sicher schwierig zu lösendes Problem aber hier muss für das kommende Jahr auf jeden Fall nachgebessert werden. Die dafür nötigen zeitlichen und geistigen Kapazitäten kann man aus der Streichung des groß angekündigten Designkonzepts gewinnen. Sigmund Freud (Mindstage) und Klimts Adele (Soulstage) wachten als überlebensgroße Grafiken auf den Vorhängen, die die Bühnen während der Umbauphasen verhängten. Das Design sollte sich über das ganze Gelände erstrecken, was es auch tat, ging dabei jedoch völlig unter. Eine nette Idee, die aber in dieser Form niemandem einen Mehrwert bringt. Im nächsten Jahr könnte man die Vorhänge auch einfach mit dem Festivallogo berducken. Oder die gewitztere Lösung: „Look left“ und „Look right“-Aufschriften. Problem gelöst und tausende Euro gespart.
Allerdings wurden die Vorhänge am letzten Tag ohnehin nicht mehr genutzt, vielleicht werden sie für 2016 also ohnehin gestrichen. Geht auch, bleibt mehr Geld für mehr Bands – vielleicht auch aus Österreich – oder man macht einfach die Tickets ein wenig günstiger.
Des weiteren war es im Vorfeld des Rock in Vienna ein Argument, dass Nova Rock, Frequency und Co. Musik bis in die späte Nacht und Party bis in die frühen Morgenstunden liefern, das RIV hingegen um 23 Uhr die Musik abstellen muss. Tatsächlich hat aber auch das Rock in Vienna eine Party Area. Sie erstreckt sich über eine Fläche von rund 414 Quadratkilometern, hat knapp 1,8 Millionen Besucher und nennt sich WIEN. Also mal ernsthaft… Partyzelt?

Die Bands

Als am Donnerstag um 14 Uhr der Vorhang der Soulstage aufgeht stehen die Wiener von A Caustic Fate auf der Bühne. Sie sind eine von leider nur vier österreichischen Bands. Da wären die Opener der drei Tage – Mayburn, Boon und wie gesagt A Caustic Fate – und Schirenc Plays Pungent Stench.
Dennoch machen A Caustic Fate ihre Sache ganz gut und lassen sich weder angesichts der großen Bühne, noch des eher noch schmächtigen Publikums aus der Ruhe bringen. Während der halben Stunde, die man ihnen gegeben hat, ziehen sie ihre Rockcore-Show durch, lassen einen gelegentlich über Halsschmerz nachdenken, aber geben dieses wunderbare Festivalgefühl am späten Mittag. Mit Gojira, die zu gefallen vermögen, Three Days Grace, die auch mit ihrem neuen Sänger ganz in Ordnung klingen – hier wird es erstmal etwas voller vor der Soulstage – und Testament, die doch irgendwie so alt wirken, wie sie es sind, wird der Nachmittag eingeläutet.

Doch den ersten Grund, um wirklich genauer hinzusehen und auch fixiert zu bleiben, geben Bodycount. „Ice Motherfucking T“ erklärt, dass er ab sofort „Ice Motherfucking T, Bitch“ heißt. Wenig verwunderlich, dass er sich zwischen den Songs darauf konzentriert das männliche Publikum als Weicheier zu beschimpfen, die gerne Kleider tragen. Pikant daran, er steht auf der Soulstage, der Bühne über die Klimts Adele wacht, die noch vor wenigen Wochen anlässlich des Lifeball von Conchita Wurst dargestellt wurde. Doch abseits seiner klischeebehafteten Ansagen liefert Ice T mit Bodycount wirklich guten Crossover, Rap Metal in puristischer Form mit reichlich Sozialkritik, die Themen dieselben wie vor 20 Jahren.
A Day to Remember machen es im Anschluss für das Publikum etwas leichter bekömmlich und romantischer.

Faith No More - Mike Patton mit Charme und Lederhose im Blumenmeer

Faith No More – Mike Patton mit Charme und Lederhose im Blumenmeer

Mit Faith No More steht eines der Highlights des Festivals an. Die Bühne in weiß gehalten, Faith No More in feinsten Lederhosen und blau/weiß karierten Hemden gewandet stehen in einem Meer aus Blumen. Mike Patton ist der Sexappeal und Charme in Person. Zwar muss er einen männlichen Zuschauer enttäuschen, in dem er meint, dass sein Penis nur sehr klein sei, doch umso größer ist ihre Musik. Zu ihren Klassikern wie „Epic“, „Ashes to Ashes“ und Easy – das Publikum singt begeistert mit – gesellen sich neue Nummern vom kürzlich veröffentlichten Sol Invictus. Obowhl die Songs zumindest 18 Jahre nach den alten FNM Songs entstanden sind, fügen sie sich ganz hervorragend in das Set ein. Sei es das eröffnende „Motherfucker“ oder das abschließende „Superhero“, die neuen Nummern sind gelungen. Auch wenn sie für die Fans noch neu sind.
Nach Faith No More spielen die Broilers in den Abend. Die ehemalige Oi-Punk Band aus Deutschland, die mittlerweile auf ähnlichen Pfaden wie Die Toten Hosen wandert, spielen ein solides Set, symphytisch wie immer. „Ruby, Light and Dark“, „Meine Sache“ und „Zurück zum Beton“ laden zum Mitgröhlen ein.

Metallica lassen zum Ärger der Fans länger auf sich warten

Metallica lassen zum Ärger der Fans länger auf sich warten

Doch dann ist Metallica-Zeit, es sollte Metallica Zeit sein. Tatsächlich ärgert die Band ihre Fans erst damit, dass sie eine halbe Stunde auf sich warten ließen – in dieser Zeit wird die Bühne lediglich von den rund 200 Fans bevölkert, die die Ehre hatten während des Auftritts direkt hinter Band zu stehen – dann sorgen sie bei viele für Enttäuschung, weil sie das obligatorische „Nothing Else Matters“ nicht spielen, da ihnen schlicht die Zeit ausging (Vielleicht hätte man doch früher auf die Bühne kommen sollen). Dazwischen spielten die vier Amerikaner eine recht kraftvolle Show, eingeleitet mit dem Reload-Song „Fuel“ und, trotz des Absenz von „Nothing Else Matter“, gespickt mit Hits wie „One“, „Seek & Destroy“ und „Enter Sandman“. Metallica, viele lieben sie, viele werden nicht recht warm mit ihrer Musik. Zweiterer sollte sich davor hüten, den Metallica-Liebhaber belehren zu wollen. Denn ihre Berechtigung haben die Thrash Metaller auf jeden Fall.

Day 2

An Tag zwei eröffnen Mayburn mit einer dreißigminütigen Ladung Powerrock aus Wien, laden Arcane Roots ein, sich tiefergehender mit ihrer Musik zu befassen und lassen Bonaparte mit zwei teils halbnackten Tänzerinnen, die streckenweise sogar Alf Poier verstören würden, die Sau raus bis Tobias Jundt, der Sänger der Berliner Modern Punk Formation, nicht mehr kann. Was man zu sehen bekommt beeindruckt auf jeden Fall. Am Ende übergießen die beiden Tänzerinnen das Publikum und ernten dafür viel Anerkennung.
Nach Triggerfinger, die auf ihren Hit „I Follow River“ verzichten und Saint Vitus wird es an diesem Tag nochmal äußerst abgedreht. Klar, Turbonegro stehen auf der Bühne. Zwar wurde der langjährige Sänger Hank von Helvete durch Tony Sylvester ersetzt, doch der abstoßenden Anziehung Turbonegros tut das keinen Abbruch, „I got Erection“ funktioniert noch immer und Wien wird zur „City of Satan“.
Danko Jones machen aus „Rock in Vienna“ kurzerhand „Rock’n’Roll in Vienna“, schließlich ist das kanadische Trio extra für diesen Auftritt nach Europa geflogen. Abgesehen davon ist Frontman Danko Jones der stilvollste Mensch unter allen, auch wenn er nur die zweitlängste Zunge hat, nach Gene Simmons. Danko Jones‘ Frage „Do You Wanna Rock“ wird an diesem Nachmittag mit einem extatischen „Ja“ beantwortet.

The Hives begeistern ihre alten und neuen Fans

The Hives begeistern ihre alten und neuen Fans

Within Temptation bieten eine Show voller Flammen und Schlagermetal. Das Ganze ist eine fade Angelegenheit. In die Fun Area muss man dennoch nicht flüchten, stehen doch The Hives im Anschluss auf der Bühne und verzaubern ganz Wien. Mit Arroganz und Selbstliebe, die man auch durchaus ironisch verstehen kann, schmettern die Schweden mit pur gebliebenem und dementsprechend schlagkräftigen Indie Rock um sich. The Hives haben in dieser Stunde auf der Soulstage hunderte neue Fans gewonnen und das Publikum entflammt. Das ist die „swedishness“.
Doch Incubus vermögen diese Stimmung nicht so fortzuführen. So gut sie auch spielen und so schön ihre Lieder sind, streckenweise entweicht die Luft – trotz „Wish you were here“ und „Drive“.

Als die Dunkelheit über Wien hereinbricht betreten Muse die Bühne und lassen die Donauinsel in hellem Licht erstrahlen. Einzig die Lautstärke lässt vor allem am Anfang der Show noch etwas zu wünschen übrig, zu laut hört man das Gequatsche des umstehenden Publikums. Muse sind dennoch ein Erlebnis und immer wieder eine Reise wert. Später wird dann auch der Sound angemessener für die Show.

Matt Bellamy möchte mit dem neuen Album wieder Muse' Livequalitäten in den Vordergrund stellen

Matt Bellamy möchte mit dem neuen Album wieder Muse‘ Livequalitäten in den Vordergrund stellen

In der Setlist, die ruhig hätte länger ausfallen können, finden sich alte und neue Nummern, lediglich die letzten beiden Alben – The 2nd Law und The Resistance – wurden bis auf zwei Ausnahmen vernachlässigt. Viele junge Fans hat das womöglich enttäuscht, doch für Fans der frühen Stunden ist das nicht das schlechteste. So konnte man „New Born“, „Hysteria“, „Plug In Baby“ und „Stockholm Syndrom“ genießen. Mit hunderten roten und weißen Luftschlangen, die auf das Publikum und die Bühne hinab regneten und überdimensionalen Luftballons, die über die Zuseher hinweg rollten, zauberte man ein Lächeln auf alle anwesenden Gesichter. Insgesamt zeigten Muse, dass sie einen guten Spagat zwischen Showeffekten und dem puren Musikgenuss schaffen. Die Band zählt aktuell zurecht zu einer der größten im Rockbusiness. Dem Kerl, der anschließend die Bühne von den Luftschlangen befreien musste, ist das wohl egal.

Day 3

Der finale Tag wirkt auf den ersten Blick vielleicht weniger attraktiv, als die Vorangegangenen, ist aber dennoch einen Besuch wert. Der österreichische Opener an diesem Tag sind die Heavy Rocker von Boon – und sie sollen nicht die einzige Band aus Österreich bleiben – aus Schwechat. Es folgen The Dead Daisies, die Supergroup um Guns N’Roses Gitarristen Richard Fortus und Hellyeah, einer Supergroup bestehend aus Mitglieder von Mudvayne, Nothingface und dem ehemaligen Pantera Drummer Vinnie Paul, der später noch zu Limp Bizkit auf die Bühne stoßen sollte, um eine kurzes aber kräftiges Schlagzeugsolo hinzulegen.

Gegen 14 Uhr beehren Schirenc plays Pungent Stench die Bühne. Dahinter steckt Martin Schirenc, der die österreichische Death Metal Band Pungent Stench seit einem Rechtsstreit unter diesem Namen fortführt. Leider sind sie der einzige österreichische Beitrag zum musikalischen Teil des Festivals, sieht man von den drei Opener ab, die mittels eine Fanvotings ausgesucht wurden.
Nachdem Coal Chamber, eine der Vorreiterbands des Nu Metal, die Mindstage bespielt haben und Opeth immerhin fünf Nummern in 45 Minuten auf der Soulstage spielen konnten – Opeths Nummern sind sehr ausladende Progressive Metal Stücke – präsentieren Babymetal eine durchchoreografierte Show auf der Mindstage. Die japanische Formation, die Heavy und Death Metal mit J-Pop mischt, wurde mit Spannung erwartet. Viel Euphorie aber auch große Skepsis wird der Gruppe entgegengebracht. Schließlich sind es die drei jungen Damen in kurzen Röcken und Strümpfen, die gerade zwischen 15 und 17 sind und mit piepsiger Stimme und „Schulmädchen-Charme“ (das ist offenbar die Anziehungskraft die 15-jährige Schulmädchen auf alte Männer ausstrahlen) die Blicke auf sich ziehen sollen, die im Vordergrund stehen. Ihre Musik verschwindet aus dem Kopf, sobald die letzte Nummer zu Ende getanzt ist, doch ein etwas komisches Gefühl bleibt. Die Mädchen sahen nicht so aus, als hätten sie auf der Bühne viel Spaß gehabt, das Lächeln wirkte eher aufgesetzt.

Heaven Shall Burn verheizen mit ihrer Show die Generatoren und sorgen so für einen Stromausfall

Heaven Shall Burn verheizen mit ihrer Show die Generatoren und sorgen so für einen Stromausfall

Langsam aber sicher geht das RIV 2015 zu Ende, doch es ist noch nicht zu spät um noch ein paar Generatoren durchzuheizen. Heaven Shall Burn sind zur Stelle, bringen eine bemerkenswerte Bühnenshow mit und schon nach kurzer Zeit sind Videoscreens und Soundanlage tot. Doch zumindest der Ton kehrt zurück und Heaven Shall Burn können nach rund 15 Minuten für „Endzeit“ auf die Bühne zurückkehren.
Nach etwa zwei Drittel der Show von Airbourne – die Australier gelten als AC/DC Nachfolger in der Thronfolge – erstrahlen auch die drei Videoscreens auf den Seiten der Bühnen wieder und selbst Limp Bizkit, die eine ganz ordentliche und kreative Show spielen, gelingt es nicht mehr, dass sie nochmal K.O. gehen.

KISS bieten am Ende eine große Show

KISS bieten am Ende eine große Show

Bevor KISS am Zug sind, dürfen die schwedischen Power Metaller Sabaton mit großem Orchester im Rücken noch eine Stunde lang Krieg spielen und Bier trinken. Die Lieder sind Krieg, die Pausen ganz unterhaltsam und die Stimmung gut. Doch dann ist es soweit, oder sollte es soweit sein, denn auch KISS lassen ihre Fans vorerst warten. Ein halbe Stunde. Das muss man wohl, um als Superstar anerkannt zu werden. Zumindest haben Muse gezeigt, dass man gar nicht so viel Star sein muss, um Headliner zu sein.
Doch dann kommen sie ja doch noch und lassen ein großes Feuerwerk aus Hits, Hebebühnen und harten Posen auf die Zuschauer los. Paul Stanleys Stimme klingt streckenweise gar brüchig und die Knallkörper, die die Darbietung effektvoll machen sollen, nerven ungemein. Dennoch ist es faszinierend KISS live zu sehen, gerade wegen diesem Legendenstatus. Sie sind eben eine ganz große Show, mehr Artisten als Musiker. Nachdem Gene Simmons Feuer und Blut gespuckt hat und man „I Was Made for Lovin‘ You“ und „Rock and Roll All Nite“ gespielt hat, zerschlägt Paul Stanley seine Gitarre und das erste Rock in Vienna Festival ist für beendet erklärt.

Kein klassisches Festival

Natürlich ist das Rock in Vienna kein klassisches Rockfestival à la Nova Rock oder Rock am Ring. Doch deswegen ist es nicht weniger Rockfestival. Tatsächlich ist es eine tolle Ergänzung zum bislang bestehenden Angebot.
Woran wohl noch wenige gedacht haben: Für körperlich beeinträchtigte Menschen ist das Rock in Vienna eine gute Möglichkeit auch mal am Spaß eines Festivals teilzuhaben. So ist die Zahl an Rollstuhlfahren auch merklich höher als anderswo. Und auch sehbehinderte Musikliebhaber konnten sich einfacher an den Konzerten erfreuen.

So kann man zuversichtlich sein, dass das Rock in Vienna in den nächsten Jahren noch viele tolle Musiker nach Wien bringt. Zwar gibt es noch einige Ecken und Kanten, die es zu feilen gilt, doch für eine Erstauflage war das gar nicht schlecht.
Kommendes Wochenende wird sich zeigen, dass Rock in Vienna und Nova Rock koexistieren können. Vielleicht muss man etwas kleiner dimensionieren, gewisse Konzepte überdenken und sich unnötiges Drumherum sparen – sich eben wieder stärker auf den Kern der Sache konzentrieren, die Musik. Vielleicht muss man sich sogar bezüglich der Termine absprechen. Aber all das sollte machbar sein. Denn liebe Veranstalter, ihr seid keine Politiker und ihr sollt auch keine rein profitorientierten Wirtschaftsbosse sein. Ihr seid Musikliebhaber, so wie wir, die wir jedes Jahr zu Tausenden vor euren Bühnen stehen.

Photocredit: Rock in Vienna/Florian Matzhold

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