MIKME – das kleine, kabellose Wunder-Mikro aus heimischer Produktion.

Meine Reise in die Welt von MIKME verspricht bereits beim ersten Schritt spannend zu werden. Alleine das Auspacken ist ein besonderer Moment. Durchdachtes Design und simples aber geschmackvolles Farbkonzept in Türkis, Schwarz und Weiß ziehen sich wie ein roter Faden durch die gesamte Produktgestaltung. Ein Schmunzeln lässt sich nicht vermeiden.
Öffnet man die hochwertige Verpackung, findet sich das etwa handtellergroße, fast quadratische Mikrofon in zweierlei schwarz-gebürstetem Metallgehäuse. Sehr schick!
Ebenso ist eine nützliche und verständliche “get started”-Anleitung beigelegt. Vorhin noch bei roten Fäden, jetzt, umgelegt auf die Audio-Welt, zu Kabeln – davon finden
sich beim MIKME bis auf das USB-Ladekabel keine. Die benötigt das handliche Teil auch nicht. Bei MIKME funktioniert alles magisch über den Äther, auch als Bluetooth
bekannt und lässt, was ich sehr schätze, zumindest in meinem Studio kein neues Kabel-Wirrwarr entstehen. Praktisch und minimalistisch.

Get the party started

Die wichtigsten Spezifikationen als Kampfansage vorweg:

  • Großmembran Kondensatormikrofon (Niere)
  • 24 Bit, bis zu 96kHz WAV-Files
  • Frequenzbereich – 18 bis 22000 Hz
  • 16GB interner Speicher
  • Aufnahmedauer “wireless” ca. 3,5 Stunden

(Die vollständigen Spezifikation findet ihr am Ende des Artikels.)

Da kann man schon mal Erwartungen an das Mikrofon stellen, kündigt es sich doch als vollwertiges Studio-Mikrofon an. Mal sehen, wie sich das MIKME im Test anstellt.
Preislich gesehen ist es mit 498 Euro zwar nicht mehr im günstigen Mikro-Regal zu finden, dafür aber im guten unteren Mittelfeld.
Heimische Produktion aus Europa, genauer aus Österreich (Konzept und Design) und Deutschland (Produktion) ist bei MIKME angesagt. Klingt gut!
Aber jetzt heraus mit dir aus deiner Verpackung, du spannendes Teil und ab ans Recorden.

Doch so leicht wirds dann doch nicht – zuerst muss mal geladen werden. Fünf Stunden empfiehlt der Aufdruck in der Verpackung beim ersten Mal. Ebenso wird einem ein
Videotutorial nahegelegt, bevor man startet. Natürlich versuche ich zuerst ohne Anleitung und nur gewappnet mit einem kurzer Blick auf die beigelegte Quickstart-Anleitung ans Werk
zu gehen. Das reicht grundsätzlich auch aus, um schon mal einfach loszulegen. Schnell wird klar, wo man das MIKME zum Leben erwecken kann. Fünf Knöpfe gibt es: einen Großen auf der Oberseite des Mikrofons und vier kleine auf der Rückseite. An/Aus, Bluetooth, Lauter und Leiser sowie der Micro-USB Anschluss zum Laden und Übertragen der Daten an einen
PC oder Mac befinden sich hinten unten am Gerät.

(c) Mikme

Eingeschaltet, hingestellt. Der großer Knopf oben, welcher Start und Stop der Aufnahme regelt, leuchtet weiß. Ich spreche ein erstes Mal hinein und merke, dass das Licht immer dann erlischt,
wenn ich zu laut spreche oder zu nahe dran bin – also wird hier die Clip-Warnung angezeigt, sprich ab wann das Signal übersteuert und verzerrt. Einmal draufgedrückt und das Licht
leuchtet rot. Sieht sehr nach Aufnahme-Modus aus. Ein weiterer Klick und wir sind wieder bei weiß. Wenn allerdings das MIKME mit dem iPhone verbunden ist, leuchtet der Top-Knopf in blau. Soviel sei schon mal geklärt. Weiters gibt es hinten den Klinkenausgang für Kopfhörer und die Volume-Knöpfe – aber wofür sind die denn? Für die Lautstärke des Kopfhörerausgangs oder zum Einstellen des Gains? Kopfhörer rein und das Rätsel löst sich. Ich höre mich lauter oder eben leiser. Aber wo stelle ich nur den Gain ein? Dafür wende ich mich dann doch an die kurzen Videotutorials und schlagartig legt sich der Nebel der Unwissenheit. Leider kommen erst auf diesem Weg ein paar weitere wichtige
Funktionen zum Vorschein. Um das Signal einpegeln zu können, muss man länger auf den Aufnahme Knopf drücken, bis die Lampe violett leuchtet. Erst dann verwandeln sich die
Lautstärkeknöpfe in Regler für das Eingangssignal. Alles natürlich mit bereits bekannter Clip-Anzeige. Ebenso kann man mit einem schnellen Doppelklick die letzte Aufnahme
anhören, was ja auch ganz praktisch sein kann. Ist dann doch nicht zu 100 Prozent intuitiv, wie zuerst gedacht, aber nicht besonders störend, da die Videos klar und kurz gehalten sind.
Will man sich dann aber mehr mit den Feinheiten und allen Einstellungsmöglichkeiten auseinandersetzen, wie z.B. Sample Rate Veränderung, OS-Updates etc. kommt man um
die Support- und Manuals-Seite nicht herum. Ebenso findet man dort eine gute Erklärung für die verschiedenen Farben der LED Anzeigen. Wünschenswert, wäre hier eine intuitivere Lösung, bzw. eine Offline-Lösung (eventuell zusätzlicher direkt Text am Mikro, oder als Sticker zum später abziehen?)
Auf der dynamischen und gut betreuten Webpage (ein Teammitglied meldet sich hilfsbereit, wenn man eine Weile auf der Seite herum surft) erfahre ich, dass es eine Gratis-App für
iOS gibt, um das MIKME per Fernbedienung zu steuern und zudem Video und Audio synchron aufzuzeichnen (Android soll demnächst folgen). Klingt spannend. Download. Start.

Recording mit App

(c) Mikme

Die App ist sehr übersichtlich und klar gestaltet. Zuerst muss allerdings der Zugriff im Smartphone auf Mikro, Kamera und, wenn gewollt, auch auf Location (um die Ortsdaten
einer Aufnahme zu speichern) gewährt werden. Via Bluetooth noch schnell die Verbindung herstellen und los geht’s. Alles geht blitzschnell und sehr einfach. Positiv finde ich,
dass kein lästiger, neuer Account notwendig ist und man sich nicht wieder bei einer weiteren Seite registrieren muss. Sehr sympathisch!
In der App kann zwischen dem internen und dem MIKME-Mikrofon ausgewählt werden. Es gibt eine Seite mit Audio-, Video- und Remote-Controll zur Auswahl. Rechts unten führt ein Icon zu den Aufnahme-Projekten und rechts oben zu den Einstellungen, wo sich Mikrofon-Wahl, Kopfhörerausgang-Lautstärke und auch Gain ganz leicht einstellen lassen.

Insgesamt gibt es drei Arten, um Sound mit dem MIKME aufzunehmen:

  • Als Stand-Alone ganz ohne Smartphone.
  • Mit der App als Video- und/oder Audiospur. Hier wird die Aufnahme vom MIKME aufs Smartphone gestreamt und kann raus-gerendert
    werden, um das Video-, bzw. Audiofile zu teilen.
  • Als Fernbedienung für den Stand-Alone Betrieb.

Nimmt man ein Video auf, werden die Signale des MIKME und des integrierten Handy-Mikrofons aufgenommen und gleich mit dem Video synchronisiert. Die Smartphone-Mikro-
Spur wird dann automatisch im Editor Fenster stumm geschalten, kann aber zu jeder Zeit aktiviert, wieder deaktiviert und auch gelöscht werden. Wie auch alle der bis zu acht Spuren.
Die Länge der Aufnahmen sowie das Video können editiert werden, außerdem ist ein sehr interessanter und wunderbar einfacher Mixer integriert. Mit nur einem Controller wird
Panning und Lautstärke der Aufnahme intuitiv eingestellt. Sehr toll gelöst!
Eine bunte aber nicht überladene Palette an Effekten, wie Distortion und verschiedene Filter, die auf die gleiche Weise funktionieren wie der Mix-Controller, sind auch mit dabei.
Grundsätzlich eine sehr gute App. Allerdings wären ein paar zusätzliche Funktionen ganz nett. Aufgenommen kann mit dem Smartphone-Modus nur in 44,1kHz werden und extrem schade: die Overdub-Funktion< funktioniert zur Zeit leider nur mit dem integrierten Smartphone-Mikrofon, was sehr schade ist, da die App ja grundsätzlich bis zu 8 Spuren unterstützen würde. Aber laut Support wird daran gerade gefeilt und es soll in naher Zukunft mit anderen tollen Features (Auto-Gain Setting, etc.) verfügbar sein. Das Technikteam bei MIKME ist recht flott mit sowas, wie ich bei einem vorangegangenem Sync-Problem von einem Kollegen erfahren habe. Da lief die MIKME-Spur, als Raummikrofon verwendet, mit der einer Kamera nach ein paar Minuten auseinander. Sofort kam ein Update, das das Problem behoben hat. Weil ich gerade dabei bin: Als Musiker wäre ein simples Metronom ein großer Wunsch , weil ansonsten das Abhören des Signals und das Mit-Klick-Einspielen gleichzeitig leider nicht funktioniert.
Das sind aber meines Erachtens alles Software-basierende Verbesserungen die recht simpel hinzuzufügen wären. Aber genug davon, jetzt ist die Hardware Reihe.

Wie klingt das Mikro?

Hierzu habe ich einige Audioaufnahmen für euch zum Reinhören. Diese wurden bis auf Cuts von Anfangs- und Endpunkten und Fades am Schluss in keinster Weise verändert.
Es gibt Sprachtests in verschiedenen, gemessenen Entfernungen (10, 20, 50 und 100 cm Abstand zum Mikrofon) sowie Outdoor-Aufnahmen und einen kleinen Gitarren- und Vocal-Track.
Als Vertreter in der Kategorie Bass kommt mein Kontrabass zum Einsatz und natürlich dürfen Drums nicht fehlen. Ich muss mich leider als ziemlicher Schlagzeug-Laie outen und
bei allen Drummern für meine Performance um Verzeihung bitten. Nichts desto trotz zeigt es aber, worum es hier in diesem Review geht – wie das MIKME in der Praxis klingt. Ich habe das Mikrofon als Mono-Overhead in Recorderman-Manier über meiner linken Schulter platziert und so das gesamte Drumset abgenommen.

Am besten macht man sich selber ein Bild davon und hört die Files kurz an: Hier geht’s zur Soundcloud-Playlist mit allen aufgenommenen Tests.

Ich finde, dass es ganz ordentlich und schön auflöst und auch den Bass gut wiedergibt, was mir vor allem bei der Kontrabass-Aufnahme aufgefallen ist. Drums wären auf jeden Fall noch solo abgenommen interessant, aber ich denke, dass zwei MIKMEs auch als Overheads absolut brauchbar wären. Bei der Bassdrum hab ich zwar so meine leichten Zweifel, aber ich
wäre nicht überrascht, wenn mich das MIKME da nicht auch noch eines Besseren belehren würde.

Kurzum, es hält klanglich so ziemlich das, was es verspricht und braucht sich nicht hinter anderen Großmembran Mikrofonen gleicher Preisklasse zu verstecken. Dafür
hat es aber zusätzlich den Vorteil mobil zu sein, was das kreative und spontane Aufnehmen von Podcasts, Instrumenten, Stimmen, Interviews und Sounds vereinfacht und interessanter macht. Mit ungefähr der Größe einer Zigarettenschachtel passt es überall rein und so eröffnet sich ein völlig neuer Spielplatz für die Welt der Großmembranmikrofone,
und das auf einem absolut brauchbaren Level.
Die Kapsel absorbiert zwar mit eingebauter Spinne diverse Schockwellen, allerdings nicht ganz so gut, wie eine externe Spinne das machen würde. Aber okay, so handlich wie das
Teil ist, geht sich da nicht mehr aus, ohne es größer zu machen. Was mir persönlich fehlt und vor allem für Sprachaufnahmen on-the-go brauchbar wäre, ist ein aufsteckbarer Pop-Schutz (eventuell auch ein Windscreen für Aufnahmen draußen, wenn’s mal luftiger wird) und Erweiterungsmöglichkeiten für den internen 16 GB großen Speicher. Der hilfsbereite Produzent gibt zwar Produktempfehlungen auf der Webseite für den Windscreen-Fall an, jedoch wünsche ich mir da schon eine passgenaue Lösung aus gleichem Hause, welches schließlich mobiles Recording auf seine Fahnen schreibt. Das wäre aber auch schon alles an Verbesserungen, die mir hier auffallen, da es sich um ein absolut brauchbares und vor allem gut klingendes Produkt handelt, das die Möglichkeiten für kreative Recording-Einsätze massiv erweitert und seinen Job sehr gut erledigt.

Fazit

Für den Preis bekommt man ein ordentliches Großmembranmikrofon aus österreichischer und deutscher Produktion im wirklich handlichem Maß, dessen Einsatzmöglichkeiten nur von der Vorstellungskraft und auch ein wenig von der Akkulaufzeit begrenzt sind. Aber hey – Powerbank kennt man doch… Klanglich wirklich gut und abgesehen vom fehlenden Pop-Schutz und den paar Verbesserungswünschen an die Software, die ja Schritt für Schritt folgen sollen, eine klare Kaufempfehlung für alle, denen sehr gute Qualität bei mobilen Aufnahmen aber eben auch im Studio wichtig ist. Auf das Wesentliche reduziert, ohne unnötigen Schnickschnack, macht man mit dem MIKME nichts verkehrt.

Ich bin sehr gespannt, was zukünftige Updates mit sich bringen werden und wie sich mein Recordingverhalten dadurch ändern wird. Aber bereits jetzt ist das MIKME eine wirklich feine Sache, macht viel Spaß und hat mich persönlich positiv überrascht.

Technische Spezifikationen

24 Bit, bis zu 96 kHz
Frequenzbereich – 18 bis 22000 Hz
Nierencharakteristik
16GB interner Speicher
Aufnahme bis zu 370 Stunden in MP4 Format / 34 Stunden WAV-Dateien

Daueraufnahme “wireless” ca 3,5 Stunden
Li-Po Akku – 920 mAh.
Großmembran Kondensatormikrofon mit 1” goldbeschichteter Membran
Übertragungsfaktor – 18 mV/Pa
Rauschabstand – 78 dBA
Max. Schalldruckpegel – 125 dB SPL
3/8&quot; &amp; 1/4&quot; Gewinde passend für Mikroständer, sowie DSLR-Kamera
Einstellbarer Gain – 0 bis 30 dB
Regelbare 3,5mm Klinkenausgang für Kopfhörer, DSLR-Kamera oder Mixer
Bluetooth 2.1
Micro-USB Anschluss

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