Ob uns die Scarlett 2i2 zu besseren Songwritern und/oder Producern macht, kann ich nicht sagen – sie erleichtert aber den Einstieg als solchen, vor allem in diesem umfangreichen Bundle.

Der Name Focusrite ist mittlerweile gerade was Interfaces angeht tief eingesessen und in jedem Kopf eingebrannt. Besonders wenn es um analog/digitales Wandeln, Audioprocessing und um Preamping geht.

Die Scarlett 2i2 2nd Generation ist die zweite Entwicklungsstufe des zweikanaligen USB-Interfaces für das schmale Brieftascherl. Wenn es USB sein soll, dann heißt es bei Focusrite Scarlett. Da gibt es von eins rein, eins raus bis zu 18 Inputs und 20 Outputs in einem Gerät. Unser Testobjekt ist die 2i2 ,die bis 24Bit /192 kHz Sampelrate arbeitet. Sie bezieht ihre Power über das USB-Kabel und das nicht wenig –  aber das macht sie auch recht flexibel, wenn es um „schnell da, schnell weg“ geht. Es rät sich für Laptops ein Netzteil parat zu haben, denn wenn man die zweimal 48V Phantomspeisung an die Micros pumpt plus das Interface mit Spannung versorgt, wird schon anständig Akku verbraucht. Einzeln kann man die Phantomspeisung leider nicht nutzen.

Der Test

In diesem Test wollen wir sie nicht nur klassisch mit dem im Bundle enthaltenen Micro und Monitorsituation via Kopfhörer testen, sondern haben ein paar besondere Einsatzgebiete vorbereitet und angedacht.

Weil das Bundle eine sehr umfangreiche Softwarebeigabe hat genauso wie eben angesprochenes Mikro und Studiokopfhörer haben wir uns entschieden das Review zweiteilig zu gestalten. Hier und jetzt beschäftigen wir uns mit dem Interface – Micro, Kopfhörer sowie Software kommen zu einem späteren Zeitpunk in Teil 2.

Die Scarlett 2i2 kostet derzeit ca. 149,– Euro. Im Bundle mit den HP60 Studiokopfhörern und dem Großmembran Mikrophon kommt der Spaß auf 249,– inklusive des Softwarepaketes. Dieses besteht aus Addictive Keys mit einem von vier Instrumenten, The Red 2 & 3 Plug-In-Suite – das sind Dynamics, sowie eine Lite Version Ableton Live, Pro Tools First in der Focusrite Creative Pack Edition und Softube – das ist ein Plug in Effektpaket. Die Software steht aber nur zur Verfügung, wenn man das Produkt auf Focusrite registriert. Das alles um 100,– Euro zusätzlich. Wir bewegen uns hier also im eher unteren Preissegment, was Mikro und Kopfhörer angeht. Was man für wenig Geld hier bekommt, werden wir schon bald herausfinden.

Zu Beginn ist es ja nun immer wichtiger geworden, wie etwas Verpackt ist. Das Bundle ist in einem All-In-One Karton verpackt. Die Software ist zum Download mit Code gedacht. Alles hat seinen Platz. Jegliche Dokumentation ist software-seitig ausgerichtet. Das Micro und das Interface sind nochmal extra in Plastik gepackt. Ein schöner Anblick.

Das Interface ist optisch wirklich ansprechend und extrem kompakt. Verglichen mit Produkten von Behringer, Steinberg oder Presonus ist die Scarlett in Sachen Gehäuse und Style der haushohe Gewinner. Speziell gebürstetes Aluminiumgehäuse, das wie man es von einer Scarlett erwarten würde verführerisch rot schimmert. Zwei firmengebrandete Gummileisten am unteren Ende lassen es stabil und solide am Tisch Platz nehmen. Auch das Eigengewicht ist sympathisch und es fühlt sich nicht billig an. Das das USB-Kabel oder andere angesteckte externe Hardware das Interface in irgendeine Richtung zieht oder es gar vom Tisch reißt (was alles schon bei kleinen USB-Interfaces passiert ist), ist hier nicht der Fall. Auch mit zwei XLR-Kabeln für den Input, dem Kopfhörerkabel, dem USB Kabel und den beiden Klinkenkabeln für den Output steht das Teil gelassen auf der Arbeitsfläche. Sehr positiv zu erwähnen ist, dass auch voll besteckt jeder Knob und jeder Regler leicht zugänglich ist. Vor allem der Lautstärkeregler vom Kopfhörer und der Monitor-Poti sind groß und gut ausgeführt. Es gibt keine Plasik-Knobs, sie sind ebenfalls aus Aluminium mit einer interessanten Oberfläche.

Als Input dienen zwei Kombi-Buchsen der Firma Amphenol, die Instrumentenkabel im Klinke-Format aufnehmen und Stecker im XLR-Format.
Als Output sind zwei 6,35mm Klinkenbuchsen an Board, genauso wie ein TRS-Stereoklinkenoutput für die Kopfhörer am Frontend.

Testsituation 1: Songidee festhalten via Laptop „on the road“

Für den klassischen Test, die Aufnahme einer Songidee, verwende ich einen Acer Aspire Amd Quadcore Laptop mit 1800 Mhz 4 Kern und 4 GBit Ram auf Win10 mit 64Bit.

Weg vom Singer/Songwriter möchte ich hier mit einer externen Source via Line-Input und mit dem Mic-Preamp der Scarlett arbeiten. Die Beats und Sounds kommen zum Teil von einer Prerecordingsession, der Rest wird gerade live aufgenommen. Das Monitoring läuft über die Headphones – man möchte den Nachbarn ja nicht stören.

Im Cubase habe ich bei 192kHz 24 Bit eine Latenz von sagenhaften 2,0 mS hinbekommen. Das ist praktisch nichts. Sprich, auch wenn man softwareseitig effektierte Sachen einspielen möchte, ist das überhaupt kein Problem und das „Direct Monitoring“ wird fast obsolet.

Benutzt habe ich hier ein Samson Graphite Midi-Keyboard auf den Addictive Keys – Mark One und den Sampels die ich mit dem Groove Agent ONE in Cubase gebastelt habe.

Hier meine schnell zusammengeschusterten Testtrackideen, gemacht mit der in im Softwarepaket enthaltenen Dynamics. Danke Roman an dieser Stelle für den Support und den witzigen Vormittag! xoxoxox

[Link zum Testtrack]

Testsituation 2: Im Lets Play als Gamingsoundkarte und Vocalrecording

Das immer größer werdende Thema in der Unterhaltung ist, jemandem zuzusehen, wie er/sie Computerspiele spielt. In diesem Fall verwende ich aka Seifenboot das Interface für die Sprachaufnahme, während ich ein unterhaltsames Game aus meiner Steam-Bibliothek vorstelle – Luftrausers. Die Focusrite muss also Ingamesound und Mikrophonsound managen, während ich am Kopfhörer einen schönen Mix aus beiden hören möchte. Für die Stimme verwende ich die Direct-Monitoring-Funktion die Latenzfrei ohne Wandlung das analoge Stimmsignal auf die Kopfhörer schickt.
Als Software dient mir hierbei das aktuell sehr beliebte OBS Studio, das Bildschirmaufnahme und Audiorecording schön und sauber in „State of the Art“-Qualität vereint.
Aufpassen muss man mit dem Routing der Audio-Signalwege. Da wir hier den direkten Monitorweg der Stimme verwenden, muss die Wiedergabe dieser im OBS Broadcaster ausgeschaltet werden – sonst hört man sich doppelt und mit delay.

Ich verwende hierbei einen älteren Rechner mit Intel i5 3.30Ghz 4-Kerne-Prozessor und 8 GB Ram mit einer NVIDIA GeForce GTX750 auf Win7 Ultimate 64Bit – nichts aufregendes.

Beim einstecken des USB-Kables erkennt mein Rechner sofort, dass er ohne Treiber nichts machen kann – der erste Schritt ist also der Treiber-Download von der Homepage. Diese ist aber sehr einfach und kundenfreundlich aufgebaut, es ist easy und kein Problem, den gewünschten Treiber zu finden. Auch die Installation ist kinderleicht, einfach anklicken und einen Reboot später funktioniert das Interface auch schon.
Löblich zu erwähnen ist der Lichtring rund um den jeweiligen Eingangskanal, der, wenn ein Signal anliegt, auch schön grün leuchtet. Übersteuert das Signal, wird der Ring zuerst gelb dann rot. Rot ist böse wie wir wissen und das gilt es zu vermeiden.

Leider fehlt dem Bundle ein Poppschutz – den braucht man aber schon sehr dringlich, vor allem wenn man das Mikro nah bespricht wie im Falle einer Gamingrecord direkt zwischen Tastatur und Bildschirm. Die Halterung vom Mikro ist leider keine Spinne, sondern direkt ans Stativ geschraubt wie ein Clip. Das restliche Handling und die Qualität sind aber super – etwas zu leise habe ich gegaint, wie ihr in dieser Gamingaufnahme selber hören könnt…

Fazit

Alles in allem ist das Interface eine kleine Wundertüte, die jeder Anwendung gewachsen ist. Um diesen Preis ist es, auch im Bundle, eine absolute Kaufempfehlung.

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