Poetin Julia Engelmann erntet Standing Ovations im ausverkauften Kammermusiksaal des Grazer Congress

Der Auftritt von Julia Engelmann am 21. April 2016 war schon seit Anfang Jänner restlos ausverkauft.
Eingestimmt wurde der Abend damit, dass das Lied „One Day / Reckoning Song“ von Asaf Avidan aus den Boxen dröhnte. Dann betrat Julia Engelmann die Bühne, warf eine Handvoll Konfetti durch die Luft und sagte, „Hallo Graz! Schön, dass ihr da seid, mein Name ist Julia und ich schreibe Gedichte.“ – Dass ihr Name Julia ist und sie Gedichte schreibt, weiß man spätestens seit dem Zeitpunkt, als die Klicks des Youtubevideos ihres Auftritts beim 5. Bielefelder Hörsaalslam die Millionengrenze überschritten hatten, was nun schon gut drei Jahre her ist.

Die Stimme einer Generation

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© Denise Denkmair

Julia Engelmann ist mittlerweile 23 Jahre alt und hat es schon jetzt zur Stimme einer ganzen Generation geschafft. Sie bezeichnet sich selbst als „melankomisch“ und dieser Ausdruck trifft den Nagel auf den Kopf: Sie begann den Abend mit „Stille Wasser sind attraktiv“, ein Text, der von inneren Werten spricht und zum Nachdenken anregt. Gleich danach geht sie über zu „AKA BTW CU“, wo sie schlicht Anglizismen aneinander reiht, um darzustellen wie sehr sich das Englische in das Deutsche eingeschlichen hat. Den ständigen Wechsel zwischen nachdenklichen und humoristischen Inhalten hielt sie während ihrer ganzen Vorstellung gekonnt aufrecht.
Im Laufe des Abends gab es auch eine Fragerunde, in der ihre Mutter mit einem Mikrophon durch die Reihen ging und das Publikum die Chance hatte, Julia Fragen zu stellen. Sie erzählte, dass sie mit 15 Jahren begann Gedichte zu schreiben, von ihrem vergangenen Psychologiestudium, das sie zwischenzeitlich auf Eis gelegt hat, und offenbarte, was sie sich für ihre Zukunft wünscht: Sie möchte alt und weise und glücklich sein.

Im Laufe des Abends stellte sie nicht nur ihre Gedichte vor, sondern gab auch Musikalisches zum Besten: Und obwohl Julia Engelmann nur vier Akkorde auf ihrer Gitarre beherrscht und nicht als Sängerin sondern als Poetin auf dieser Bühne stand, kann sich der eine oder andere Musiker noch etwas von ihr abschauen. Sie coverte „Just A Boy“ von Angus & Julia Stone, „Viva La Vida“ von Coldplay und „One Day / Reckoning Song“ von Asaf Avidan. Auch ein eigenes Lied, das sie mit ihrer ehemaligen Mitbewohnerin gemeinsam geschrieben hat und davon handelt, dass das Leben ein Taxistand ist, präsentierte sie in dem gefüllten Kammermusiksaal des Grazer Congress.
Am Ende des Auftritts folgten lauter Beifall und Standing Ovations des ganzen Saals. Nicht ein einziger, anwesender Zuseher blieb sitzen.

„Wir können alles sein, Baby“

In Österreich wird man die Möglichkeit Julia Engelmann live zu sehen in nächster Zeit zwar nicht bekommen, als Trost kann man sich dafür ihre beiden Bücher kaufen. Neben ihrem ersten Buch „Eines Tages, Baby“, gibt es seit Oktober 2015 eine weitere Sammlung ihrer Gedichte. „Wir können alles sein, Baby“ nennt sich diese und enthält viel neues Material. Beide Werke sind ebenfalls als Hörbuch erhältlich.

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