A King without a Crown im Orpheum Extra
Abwechslung
Stimmung
Location
Fun Faktor
4.5Sterne

Am 7. April stellte Stefan Wedam sein neues Album “A King without a Crown” im Orpheum vor. Mit super Stimmung, einem abwechslungsreichen Musikmix und viel Charme und Humor sorgte Stefan für eine eindrucksvolle Release Show.

Wenn Stefan Wedam sein Album präsentiert, dann läuft das ganz stressfrei ab. Der Beginn war am 7. April im Orpheum Extra eigentlich für 20 Uhr angesetzt, doch um diese Zeit fühlt sich noch niemand für die Abendkasse zuständig. Das ist aber alles halb so schlimm – und außerdem muss noch auf die Security gewartet werden. Mit einem kühlen Radler lässt sich die Zeit aber gemütlich vertreiben. Etwas im Verzug füllt sich das Orpheum Extra allmählich und obwohl der Großteil Stehpublikum ist, werden für einige Gäste noch Sessel hereingetragen.

Napaea

Mit einer vornehmen Verspätung macht Stefans ehemalige Gitarrenschülerin den Auftakt. Von der jungen Anglistikstudentin Katharina Milchrahm sind zu Beginn gleich drei ihrer eigenen Songs zu hören. Sie stellt sich mit einem kurzen, sympathischen „Hallo“ vor. Als Singer/Songwriterin Napaea steht sie nur mit ihrer akustischen Gitarre auf der Bühne und wie sie uns kurz davor verraten hat, war sie deswegen schon etwas aufgeregt. Immerhin ist sie es gewohnt, mit ihrer Band, die sie normalerweise begleitet, aufzutreten. Als sie die Bühne betritt, muss erst einmal die Gitarre hergerichtet werden: „Das dauert leider etwas länger als geplant“, schmunzelt Katharina. Spätestens als sie die ersten Töne von „England“ singt, ist auch von der Nervosität nichts mehr zu spüren.

Souverän überzeugt sie schon mit den ersten Lauten und ihrer kraftvollen Stimme das Publikum. Bevor es mit der zweiten Nummer weitergehen kann, muss die Gitarre umgestimmt werden – eine Geste, die die Gäste an diesem Abend noch öfters zu sehen bekommen werden. Sie entschuldigt sich charmant, dass es so lange dauert, und bittet die Konzertbesucher, doch währenddessen beispielsweise über das Wochenende zu reden. Beim nächsten Song, den es ja eigentlich noch nicht gibt und mit dem sie „auf volles Risiko“ geht, haut sie in die Saiten und bringt das Publikum zum Jubeln. Dann wird wieder gestimmt und Napaea spielt ihre letzte Nummer, mit der sie ihre Gitarrenkünste unter Beweis stellt. Das hat ihr ja auch Stefan beigebracht.

King without a Crown

Um 20:54 Uhr ist endlich auch Stefan an der Reihe. Er präsentiert sich mit einer bunt zusammengewürfelten vierköpfigen Band und nimmt mit seiner Gitarre in der Mitte Platz. Schon bei der ersten Nummer stellt er sein Können unter Beweis. Folk, Country, Jazz und Soul und weitere Elemente werden bunt gemixt. Begleitet wird er dabei von Napaea an den backing vocals und der Gitarre, von seinem Bruder Jakob mit Schellen, einem Bassisten aus Gran Canaria und einem Kumpel aus Sizilien an den Drums. Für den zweiten Song greift Stefan zum Cello und sein Bruder zur Geige. Während das Cello gekonnt gezupft wird, weiß Stefan auch, wie er seine Stimme einsetzen kann. Mit Crazy-Piepsstimme sorgt er im richtigen Moment für ein Highlight und punktet mit viel Sympathie.

Als er dann wieder zur Gitarre wechselt, muss diese erst einmal wieder gestimmt werden. Zum nächsten Song erklärt er, dass er auf einer Reise einfach etwas auf der Gitarre geklimpert hat, was seine Tochter zum Einschlafen gebracht hat. Den Text hat er mit einer Freundin geschrieben und das Lied ist seiner Meinung nach sehr hippie-mäßig, wie das ganze Album. Weiter geht es mit einem Song, den er anlässlich der Geburt seiner Tochter geschrieben hat. Gefühlvoll singt er Zeilen, die das Lächeln des Kindes und seine Liebe zu ihm beschreiben. Dazu schließt er die Augen und es scheint so, als ob er in diesem Augenblick seine Tochter vor sich sehen könnte. Er verzieht sein Gesicht, ein Lächeln huscht darüber und sein Gefühl für die Musik, für jeden Ton und jedes Wort wird spürbar. Ein Musiker aus Leidenschaft.

Mit „Let your monkey out of your cage“ wird es nach der gefühlvollen Nummer wieder etwas lauter. Napaea singt eine Solo-Passage und ihre Stimme passt perfekt dazu und kommt wundervoll zur Geltung. Den darauffolgenden Song hat er mit einer Freundin in deren Garten geschrieben; passend dazu und sehr einfallsreich heißt der Song auch „In her garden“. Der englischsprachige Text gestaltet sich sehr einfach und man kann der witzigen Geschichte gut folgen. Nachdem abermals die Gitarre gestimmt wurde, wird es spanisch. Das folgende Lied wurde in Spanien mit seinem Freund José aufgenommen und heißt „los ladrones“, was übersetzt „die Diebe“ bedeutet. Es geht um den Konsumwahn, um Diebe, die unsere ganze Energie aufsaugen. Auch dieser Text ist wieder sehr humorvoll und zur spanischen Musik gibt es bei Stefan kein Halten mehr. Er springt vom Hocker und lässt die Hüften schwingen; das Publikum ist natürlich begeistert und singt mit.

Hoher Besuch und Marmorkuchen

Für seine Fans hat Stephan ein besonderes Zuckerl vorbereitet. Zum Song „Millions of Fishes“ packt er nicht nur seine Ukulele aus, sondern holt Werner von den Uptown Monotones auf die Bühne. Dieser sorgt für Meeresrauschen und gute Stimmung, während Stefan auf der Ukulele sein Bestes gibt. Mit Werner verbrachte er zwei Tage auf einer Hütte, um den Song aufzunehmen. Nach eigenen Aussagen wurde es angeblich auch intimer. Für einen Schmäh sind Werner und Stefan also immer zu haben.

Bevor sich das Konzert dem Ende zuneigt, muss Stefan noch seinen Hass über Marmorkuchen zum Ausdruck bringen. In „Marble Cake“ erzählt er von seiner Abneigung zu diesem Kuchen, doch wenn er von einer schönen Frau angeboten wird, kann er einfach nicht nein sagen. Mit diesem humorvollen Song präsentiert sich Stefan abermals als Scherzkeks und steckt mit seiner lustigen Art das Publikum einfach an. Danach ist man sich unsicher, ob einem Marmorkuchen wirklich noch schmeckt.

Cover King without a Crown (c) Stefan Wedam

Cover King without a Crown (c) Stefan Wedam

Ganz nach dem Motto „Ohne Cello stimmen geht nix“, präsentiert Stefan seinen letzten Song „King without a Crown“. Zuvor bedankt er sich aber bei allen, die die Veröffentlichung seines Albums ermöglicht haben. Es steckt viel Arbeit und Leidenschaft dahinter, was in seinen Songs definitiv zu hören ist.

Als Zugabe zeigt Stefan mit zwei Nummern noch einmal, was seine Gitarre hergibt. Der letzte Song ist ein Instrumental, das er in Spanien aufgenommen hat und das an schöne Orte erinnern soll. Mit diesen Bildern vor den Augen beendet Stefan die Release Show.

Fazit

Langweilig wird es mit Stefan Wedam sicher nicht. Mit Humor, Charme und seiner Leidenschaft zur Musik schafft er es, das Publikum mit zu reißen. Seine englischsprachigen Texte sind leicht verständlich und dadurch kann man sofort mitlachen, ohne weiter darüber nachzudenken. Dabei sind einige Songs auch tiefgründiger und regen zum Grübeln an. Musikalisch bleibt nach dieser Show nicht viel zu sagen. Selten sieht man einen Musiker, bei dem das Cellospielen so leicht und lässig aussieht. Wenn er singt, dann sieht man in seiner Mimik, wie er die Musik fühlt und wie viel Herzblut darin steckt. Stefan Wedam ist ein außergewöhnlicher Musiker mit vielen Talenten, den man sich unbedingt anhören sollte.

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