Neue Deutsche Härte und Gothic Rock treffen auf Psycho Teen Trash’n’Billy Rock’n’Roll

Die Wiener Band Amandas Nadel beehrte im Zuge ihrer aktuellen Tour am Samstag, den 12.09.2015, auch den Club WakUum.

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Amandas Nadel – (c) Club WakUum

„Hallo Graz! Wir sinds, die scheiß Wiener!“, begrüßt der Frontmann Amandas Nadel grinsend das Publikum im eindeutig wienerischen Dialekt. Und das, obwohl er 1975 selbst in Graz geboren wurde. Also doch kein „scheiß“ Wiener.
Sobald er zu singen anfängt, verfliegt das Wienerische sofort aus seinen Worten. Seine Sprache erinnert an Till Lindemann: hochdeutsch, bestimmend und mit rollendem „R“.
Wobei man zugeben muss, dass sein Aussehen ein wenig von seinem Gesang ablenkt: Er trägt Leggings, die auf der einen Seite schwarz weiß kariert sind, hat einen perfekt gezogenen Eyelinerstrich um seine Augen, um dessen Präzision ihn wohl jede Frau beneidet und abgesehen davon noch makellos nachgezeichnete Augenbrauen. Wenn wir gerade von dem Aussehen dieser Band sprechen, dann darf man den gewagten Rock des Bassisten und die endlos langen Haare des Gitarristen nicht vergessen. – An dieser Stelle habe ich eine Frage: Wie schafft man es richtig Gitarre zu spielen, während man ununterbrochen headbangt? Das ist ein Mysterium.

Zwischen Neuer Deutscher Härte und Gothic Rock

Die Musik von Amandas Nadel bietet dem Publikum etwas zwischen Neuer Deutscher Härte und Gothic Rock, aber um ehrlich zu sein ist es schwer zu definieren.
Von der düsteren Aura, die sie in ihren Musikvideos beinahe zu erzwingen scheinen, ist auf der Bühne nicht die Spur zu bemerken. In Wirklichkeit wirken sie sehr sympathisch und einnehmend.
Das Lied mit dem Titel „Vampir“ ist wohl eines ihrer bekanntesten, hierzu gibt es auch ein Musikvideo:

Ihre Tour führen sie am 24.10. im 8111 in Judendorf fort. Danach geht es am 25.10 beim Schattenweltfestival in Wien – Schwechat weiter, am 13.11 nach Amsterdam ins Volta und am 25.11 sind sie im Mulatschag TV im Weberknecht in Wien zu sehen.
Ihr Debütalbum „Sticht“ erschien übrigens am 12.06.2015 und ist ein Muss für alle Fans von Neuer Deutscher Härte und Gothic Rock.

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Psychos On The Run – (c) Club WakUum

Amandas Nadel war aber nicht die einzige Band des Abends, die mit ihrem Auftreten für Aufmerksamkeit sorgte: Die Vorband Psychos On The Run, bestehend aus vier Männern, die dank ihres schauspielerischen Talents tatsächlich an Psychopathen erinnern, war ebenfalls präsent.
Da gibt es den bedrohlich lächelnden Frontsänger, „Rick Rascal“, dessen optisches Vorbild eindeutig Joker ist. Da wäre der Gitarrist, „Ron D. Woo, the Cowboy from Hell“, in der weißen Schürze, die dank der Bandattitüde an einen Schlächter erinnert, wobei er zu diesem Outfit meinte: „Die hab ich an, damit ich nach dem halben Set zur Bar rennen und schreien kann: Lasst mich durch, ich bin Arzt. – So komme ich schneller zu meinem Bier!“
Dann gibt es noch den schwarz gekleideten Bassisten, „Bob Soap, Earl von Loxely“ mit dem weiß geschminkten Gesicht und den Schlagzeuger, „Luke, le Puke“, mit den wahrscheinlich tollsten Locken der Welt in einem orangen Bademantel und einem Zylinder auf dem Kopf.

Alter, guter Horrorpunk

Der Auftritt dieser Band sorgt für besonders viele Lacher, nicht etwa, weil sie schlecht wären, sondern weil sie genau wissen, welche Aussagen das Publikum hören will.
Eine Konversation blieb mir besonders im Gedächtnis:
Frontmann: „Jetzt kommt: Darkness is rising, `cause I killed a unicorn!“
Gitarrist: „Was ist das eigentlich für ein scheiß Name?“
Bassist: „Da kommst a bissi spät drauf!“
Psychos On The Run ordnen sich selbst dem Genre „Psycho Teen Trash’n’Billy Rock’n’Roll“ zu, wobei ich nach Gesprächen mit den Bandmitgliedern zum Entschluss kam, dass sie selbst nicht genau wissen, was dieses Genre definiert. Eine außerordentlich passende Beschreibung findet man meiner Meinung nach im alten, guten Horrorpunk.
Psychos On The Run ist eine Showband mit Texten über die man besser nur schmunzeln sollte als sie genauer Infrage zu stellen.

Vor kurzem haben sie ein kreatives Musikvideo zu ihrem Song „Let Me Take You Home“ veröffentlicht, das mit sehr vielen Wendungen oder zumindest Drehungen für Abwechslung sorgt. Das Video ist ein heißer Tipp für alle, die auf Pizza stehen. Und immerhin steht jeder auf Pizza.

Ihr nächstes Konzert in Graz lässt nicht allzu lange auf sich warten: Am 29.10.2015 spielen sie genau eine Etage unter dem Club WakUum im Bunker als Support der Wiener Punkband Turbobier.

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