Die Kölner Pop-Rock-Band gastierte im ausverkauften Grazer PPC und konnte ganz ohne Schnickschnack überzeugen. Ihr Weg führt stetig steil nach oben.

Da hat jemand Weitsicht bewiesen – als Dietmar Tschmelak AnnenMayKantereit für das PPC buchte, war ihr Bekanntheitsstatus noch längst nicht auf dem heutigen Level. Doch Graz war bereit für das nächste große Ding aus Deutschland, und so war der Auftritt von Christopher Annen, Henning May, Severin Kantereit und Malte Huck bereits seit Wochen ausverkauft. Am Freitagabend wurde die Band dann von einem gutgelaunten Publikum erwartet, in dem sich überraschend viele männliche Zuseher fanden. Nur wenige von ihnen machten den Eindruck, von ihren Freundinnen zu diesem Konzert zwangsverpflichtet worden zu sein. Und so zeigte sich selbst Hennig May, der Sänger mit der Reibeeisenstimme, positiv überrascht davon, wie viele männliche Fans den Text der Trennungshymne „Nicht nichts“ mitsingen konnten.

Klare Worte ohne Pathos

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Henning May: Ein Mann und seine Melodica (c) Patrick Klampfl

Das liegt wohl daran, dass es die Poprocker ungeheuer gut schaffen, die Dinge beim Namen zu nennen, ohne pathetisch oder über die Maßen rührselig zu werden. Die Texte beschreiben ein Leben, wie es das Publikum, das sich großteils in den Zwanzigern befindet, kennt. Da geht es um das WG-Leben, um Trennungen und Fernbeziehungen und um den Blick in eine ungewisse Zukunft. Die musikalische Umsetzung davon ist klassisch: Schlagzeug, Gitarre, Bass und ein bisschen Klavier oder Melodica. Die Songs dazu sind eingängig, aber niemals platt. Ein erstes Highlight wird mit „Oft gefragt“ aufgeboten. Darin geht es um eine Vater-Sohn-Beziehung, deren schwierige Phasen fein nuanciert beschrieben werden. Die ganz großen Mitreißer wie „Barfuß am Klavier“ und „21, 22, 23“ behält sich AnnenMayKantereit aber schön bis zum Schluss auf. Da wird die Stimmung dann auch so ausgelassen, dass man das Gefühl hat, irgendwie doch für immer 21 bleiben zu können, zumindest solange man zu AnnenMayKantereit tanzt.

Große Schritte

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Gute Laune vor und auf der Bühne (c) Patrick Klampfl

Momentan wird heftig durch Österreich und Deutschland getourt, einige Konzerte mussten aufgrund einer Erkrankung von Henning May verschoben werden. Neben einer weiteren Tour im nächsten Frühling gibt es auch Pläne für ein Album, das abgesehen vom 2013 in Eigenregie aufgenommenen und längst restlos ausverkauften „Draußen-Album“ der erste Longplayer sein wird. Erst vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass Universal Music die Kölner unter Vertrag genommen hat. Damit scheint der Weg in die großen Hallen und in die großen Radiostationen endgültig frei zu sein. AnnenMayKantereit sei für Deutschland ebenso die Band der Stunde, wie für Österreich momentan Bilderbuch und Wanda, wird momentan gerne spekuliert. Zumindest den Deal mit dem größten Major-Label haben sie mit Wanda jetzt tatsächlich gemeinsam. Wobei AnnenMayKantereit ganz ohne das Maulheldentum und die Arroganz ihrer österreichischen Kollegen auskommen. Das sind einfach nur vier junge Männer, die ohne jegliches Klimbim auf der Bühne stehen und Geschichten erzählen, die deswegen so bewegend sind, weil sie sich niemals anbiedern oder zu wichtig nehmen.

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