Assaia und Inigo McCoy – Funk Rock Meets New Irish “Hard” Folk
Assaia
Inigo McCoy
Stimmung
3.4STERNE

Wenn Assaia und Inigo McCoy zu einem Konzert in die Brücke in Graz laden, kann man davon ausgehen, einen Abend voller guter Musik – von Funk Rock zu Irish Folk – geliefert zu bekommen. Dass die Bude gedroschen voll ist, heißt das leider noch lange nicht.

Wo sind sie nur, all die musikliebenden Menschen der Stadt Graz? Wo sind sie nur, wenn Assaia und Inigo McCoy zum Fest rufen? Leider nicht vor der Bühne.

Assaia funktionieren als Trio

So herrscht an diesem Samstagabend des vergangenen Wochenendes eine eher familiäre, gemütliche Atmosphäre als Assaia die Bühne betreten und ihr Set mit „Lost in her Eyes“ eröffnen. Für die Grazer Band ist der Auftritt ein Experiment. Zum ersten Mal treten sie als Trio auf, ohne ihren Saxofonisten Felix Martl. Martl wartet indessen auf die Geburt seines ersten Kindes. Relativ schnell fällt auf, dass das Saxofon die Band zwar ungemein bereichert, die Musik aber auch in dieser Instrumentierung blendend funktioniert. Im Laufe des Konzerts wird zwar immer wieder auffallen, dass hier und da Raum für das Saxofon wäre, doch auch für die Zukunft sind die übrigen Drei mehr als gewappnet, wenn Martl sich um den Nachwuchs kümmern muss. Trotzdem, umso mehr wird man sich freuen, wenn sie wieder in der kompletten Besetzung auf der Bühne stehen.

Die großen Entertainerqualitäten fehlen den drei Jungs noch, meist herrscht betretenes Schweigen bevor sie einen neuen Song anstimmen, doch das ist verschmerzbar, bei dem was sie uns während der Songs bieten. Doch zugleich merkt man, dass es sie selbst sind, die ihren Saxofonisten am meisten vermissen. Mehrmals weist der höchst talentierte Sänger und Gitarrist Sandro Jaklitsch mit ein wenig Wehmut in der Stimme auf die veränderte Ausgangssituation hin: „Auch der nächste Song ohne Saxofon, wir machen das Beste daraus,“ und das ist ihnen gelungen. In ihrem großen Finale feuert das Neo-Trio noch einmal aus all ihren pazifistischen Kanonen und spielt einen neuen, bislang unveröffentlichten Song. Auch bei der geringen Zahl an Zuschauern sind ihnen einige neue Fans gewiss.

Inigo McCoy – Von traditionell bis modern

Inigo McCoy spielen laut Eigendefinition New Folk. So „new“ ist ihr Folk am Anfang dann doch nicht. Das Set fängt weit traditioneller an, als man es aufgrund der Genre-Klassifizierung vermuten hätte können. Wirklich stören tut das ohnehin nicht. Dass irische Tradition diese Band zu dem macht, was sie ist, ist offensichtlich. Schon die Kleidung lässt erahnen wohin die Reise führt, noch bevor der erste Ton erklungen ist. Dem Publikum gefällt‘s. Man munkelt an der Bar, dass irische Musik zum Trinken einlädt. Es freut also auch die Barbetreiber.

Die Band bringt ein ausgiebiges Best Of Set mit „Castemere“, „Dear Sarah“, „Final Act“ und der sehr ruhigen Ballade „Snow Child“, bei der Flötistin Marion Marach den Lead-Gesang übernimmt. Gleichzeitig stellt die Band für Ende des Jahres ein Studioalbum in Aussicht und gibt einige Einblicke in ihr kommendes Projekt, das man auch mittels einer Crowdfunding Kampagne unterstützen wird können.

InigoMcCoy_by_ManuelaJung

Inigo McCoy in der Brück (c) Manuela Jung

Dass ihre Songs mit viel Popappeal versehen sind, verleiht dem Set dann doch noch das versprochene Neue. Innovation kommt hinzu, wenn Marachs Flötenspiel einen Hauch arabisches Flair unter die sonst keltischen Sounds streut. Markant ist auch Frontman, Sänger und Gitarrist Markus-Peter Gössler. Als Sänger erinnert er an Paul Simon mit einem Hauch von Brad Paisley, was der Musik gelegentlich einen unerwarteten Country Touch gibt. Beobachtet man sein Gitarrenspiel möchte man meinen, der Mann habe eine Vergangenheit im härteren Rock und im Punk hinter sich. Immer wieder steigern sich die grundsätzlich stimmungsvoll gemächlichen Songs in eine Raserei aus „Irish Speed Hard Folk Rock“. Treffen zudem die harten Schuhabsätze rhythmisch auf das Holz des Bühnenbodens sind das die Momente, in denen man ein Grinsen nicht mehr zu unterdrücken vermag und man sich freut hier zu sein.
Das letzte Grinsen zieht auf, wenn die Band Iggy Pops „The Passenger“ anspielt und einem Abend, dessen einziges großes Manko die Stimmung und die Menschen sind, die unvernünftiger Weise zuhause geblieben sind, mit Flogging Mollys „Devil’s Dancefloor“ ein würdiges Ende setzt.

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