Can I nick it? Yes you can!

Zum vierten Mal fand der Beatbox Shootout im Rahmen des internationalen A Cappella Wettbewerbs vokal.total im Grazer Dom im Berg statt. Beatboxer aus aller Welt versammelten sich zur frühen Abendstunde mitten unter dem Grazer Wahrzeichen. Darunter auch der Gewinner des letztjährigen ShootOuts, Babeli (Deutschland). Natürlich galt er für alt eingesessene Beatboxer als einer der Favoriten, umso erstaunlicher war es, dass dieser gleich in der ersten Runde vom spanischen Beatboxer und „Emperor of the Mic“ Lytos ausgestochen wurde. Schon zu Beginn war eines offensichtlich – das Beatboxen an sich steckt immer noch in den Kinderschuhen, was die Fangemeinde in Graz und Umgebung deutlich zeigte. Doch trotz dieses Larvenstadiums, in dem sich dieses Genre befindet, überraschte die Veranstaltung mit auffällig witziger Moderation, toller Aufmachung und einer wahnsinnigen Stimmung. Bei den dargebotenen Sounds der jeweils 90-sekündigen Battles, war für jeden Gast sicherlich das ein oder andere Schmankerl dabei. Abgerundet wurde der Abend durch die frenetische Darbietung der Jurymitglieder, neXor (Ivory Parker), Bee Low (Organisator des Beatbox Battle World Championship) und Zede (Weltmeister im Beatboxen 2009).

Wenn Fels auf knallharte Bässe trifft.

Die Atmosphäre des Dom im Berg harmonierte hervorragend mit der bombastischen Darbietung der Teilnehmer, als auch der teils witzig spritzigen Zwischenacts, angefangen beim unverwechselbar gerappten Openings des Moderators mithilfe des Beatboxers Inky. So wurde mit Hilfe des Publikums bzw. dessen „Tascheninhalt“ ein „Can I nick it?“-Impro-Rap über Krücken, Geldtaschen, Teddybären etc. zum sanften Einstieg in den Abend dargeboten.

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Alexinho battlet B-Art

Direkt nach dem Battle zwischen Babeli und Lytos, stürmten die beiden nächsten Kandidaten die Bühne: Timmeh (Niederlande) versus Villain (USA). Die beiden Künstler überraschten, genauso wie die Teilnehmer des ersten Battle, durch Sinnlichkeit, Liebe zum Beatboxen, Talent und Leichtigkeit was die Klangvielfalt anging. Timmeh zog nach dieser Runde in das Semifinale ein.

Kaum hatten die Teilnehmer die Bühne geräumt, wurde die Stage auch schon für den Beatbox-Weltmeister 2009 freigemacht: Zede. Die wabernden Bässe und der rohe, dreckige Sound formierten sich zu einem wundervollen Klangteppich.

Die zweite Runde wurde sprichwörtlich eingeläutet und mit einem Mal fanden sich B-Art (Niederlande) und Alexinho (Frankreich) auf der Bühne. Jetzt wurde dem Publikum auch was für die Augen geboten: eine Show der Extraklasse. Die beiden Beatboxer verstanden es, sich ganz in Harmonie und intensiven wie ehrlichen Emotionen zu battlen. Die Jury war sich schnell einig und Alexinho entschied das wilde Duell für sich.

Die vierte Runde stand an und der blonde Beatbox Angel, eine elegant gekleidete Showdame, geleitete Cosmin Agache (Rumänien), den wohl jüngsten Teilnehmer der Veranstaltung, und Sid FX (Großbritannien) auf die Bühne. Sid FX battlete Cosmin Agache in Grund und Boden und zog als Sieger in die Semifinals ein.

There is too much bass for the soundsystem.

Ein bekanntes Gesicht betrat die Bühne: Fii. Er sorgte für eine witzige Halbzeitshow und Entertainment der Spitzenklasse, was aber auch dank seiner Bühnenerfahrung zu erwarten war. Neben gekonnten Basseinlagen und gesanglich einwandfreien Loops präsentierte sich der Beatboxer und das Publikum erhob sich endlich, um zusammen mit ihm zwei Songs zu performen: Humus und ein britisches Trinklied. Fiis musikalisches Talent ist einmalig, genauso wie seine Bühnenpräsenz. Seine Unberührtheit und seine Hingabe zum Beatboxen selbst ließen seine ganze Performance in einen originellen Kontrast aufscheinen.

Die Glocken ertönten, das Semifinale wurde somit eingeläutet. Wieder trafen die Beatboxer in 2 Runden aufeinander. Lytos traf auf Timmeh und Alexinho traf auf Sin FX. Die Entscheidung wurde schnell getroffen: Alexinho und Lytos zogen ins Finale ein.

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Die Uptown Monotones

Kurz vor dem Finale betrat Ivory Parker alias neXor zusammen mit seiner Band Uptown Monotones die Bühne. Er selbst kümmert sich um die Bässe, während sich Werner Posekany um die Vocals sowie die Effekte kümmert, und Heli Markfelder ist nicht nur der Gitarrist der Truppe, sondern ebenfalls Sänger. Jedes Mal wenn ich diesen Mix aus Leidenschaft, Musik und Euphorie auf der Bühne sehe, wird mir warm ums Herz. Dieses Trio sprengt immer wieder aufs Neue die Erwartungen, die man für diesen Auftritt hat. Ein atmosphärisches Spektakel für die Ohren, die Augen und die Hüften. Die Uptown Monotones bedienen sich vieler musikalischer Elemente und sprechen jene Hirnregionen an, die dazu anregen, die Hüften kreisen und das Becken shaken zu lassen. 100% real emotion, die einem eine Gänsehaut verpasste. Dieser Band ist es auch dieses Mal gelungen, den Spagat zwischen entwaffnetem Rhythmus, brandheißen Effekten, wabernden Bässen und einer tollen Bühnenshow auf die Beine zu stellen. Der Applaus bestätigte mein Urteil, das ich mit einem absolut befriedigten Lächeln notierte.

The last battle.

Wieder ertönten die Glocken nach einer angenehmen 15-minütigen Pause. Jetzt wurde es spannend. Das ehemalige Jurymitglied des letzten Beatbox Shootouts und erster Finalist Lytos wurde zusammen mit dem weiteren Finalisten Alexinho auf die Bühne gebracht. Eine spürbare Spannung lag in der Luft, konnte man doch aus den Battles davor das jeweilige Können der beiden Kontrahenten sehen. Einen Battle-Durchlauf später stand der Sieger des Beatbox Shootouts 2014 fest: Lytos.

Eine wirklich gelungene Veranstaltung, was man nicht nur bei Teilen der Gäste bemerkte, sondern auch bei der Jury und den Teilnehmern des Battles. Der Contest wurde gerade auf der Bühne umjubelt.

Abschließend ist nur mehr zu sagen, dass das Team von www.music-news.at dem nächsten Beatbox Event schon entgegenfiebert. Bis dahin – Achtung, fertig BEATBOX!

Fotocredit: Music-News (Lucas Nestler)

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