Bob Dylan in der Stadthalle Wien
Songwriting
Technik
Arrangement
Bühnenshow
3.7STERNE

Songwriterlegende Bob Dylan hat nach einigen Jahren wieder einmal Wien besucht und uns mit einem fast zweistündigen Set beehrt. Das Konzert vom 16. April 2018 im Detail.

Nun ist Bob Dylan seit über 30 Jahren auf seiner Neverending Tour und füllt immer noch die größten Hallen jeder Stadt, in der er ein Gastspiel gibt. So war auch die Halle F der Wiener Stadthalle gut gefüllt, als die Lichter ausgingen und die Band mitsamt dem Altmeister die Bühne betrat. Die Bühne war spartanisch mit Vintagescheinwerfern ausgestattet, bei den Instrumenten standen kleine Laternen, um scheinbar eine puristische Clubstimmung zu erzeugen. Dies wurde auch gut erreicht. Man hatte das Gefühl, dass sich die Bühne in einem kleinen Jazzclub befindet, an den eine Konzerthalle angebaut wurde. Dies machte es auch für die Tontechnik zu einem unlösbaren Problem, den Bandsound in die große Halle zu leiten.

His Bobness in Concert

Das Programm selbst überraschte wenig: Alte Hits wurden ungewöhnlich arrangiert, aber, zumindest im gestrigen Konzert, erkennbar aufgeführt. Neben seinen eigenen Songs interpretierte er Standards aus dem Great American Songbook, die auch auf dem aktuellsten Album „Triplicate“ zu finden sind. Gerade bei Jazzstandards wie „Autumn Leaves“ konnte man die große Musikalität der lebenden Legende erfahren. So wurde der Song wohl noch nie, wahrscheinlich auch von Dylan selbst nicht, performet. Neben dem Anneinanderreihen von zwanzig Songs verzichtete Dylan auf jegliches Wort an das Publikum, was auch wieder daran erinnerte, dass nun in einem Jazzclub zu sitzen und die Musik in Gesellschaft mit einem Gläschen Wein zu genießen, sicher die bessere Option gewesen wäre. Dass man in einer Halle mit rund 8.500 Besuchern saß, trübte den Genuss etwas.

Dem Alter von 76 Jahren ist es wohl geschuldet, dass sich der Meister auch bei diesem Konzert selten vom Flügel wegbewegte und die meisten Songs im Sitzen performte. Dadurch konnten sich auch die Bandmitglieder optisch nicht besonders in Szene setzen. Musikalisch hingegen war die Band natürlich der Traum jedes Singer/Songwriters. Stilmäßig konnten die Musiker von Jazz, Swing, Funk bis Folkrock alles abrufen, wie es gerade für das jeweilige Lied gewünscht war. Doch erinnerte die Szenerie trotzdem mehr an einen Jazzclubgig als an ein Stadthallenkonzert.

Fazit

Für alle Fans von Singer/Songwritern ist Bob Dylan ein Pflichttermin. Man sollte ihn schon einmal gesehen haben, doch ob man ihn dann in ein paar Jahren wieder sehen will, bleibt offen. Lebende Legenden haben den Nachteil, dass sie solange sie am Leben sind, und „His Bobness“ ist sowieso unsterblich und wird in einigen Jahren wieder nach Mitteleuropa kommen, trotz allem Ruhm und Genialität doch nur Menschen sind.

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