…denn sie haben Besseres zu tun. Nämlich den Rock’n’Roll des 21. Jahrhunderts zu zelebrieren.

Doch zurück an den Anfang. Bevor Danko Jones ihren rotzigen Rock auf das Publikum loslassen, brettern die britischen Hard Rocker The Admiral Sir Cloudesley Shovell über die Bühne der Wiener Arena. Die drei Kerle im langhaarigen 70er Look spielen ein geradliniges, authentisches Set, das genau das tut was es tun soll: Die Besucher in die richtige Stimmung für einen Abend zu bringen, an dem alles was nicht purer Rock’n’Roll ist aus den Gedanken und Körpern der Anwesenden verbannt wird. Nach einer knappen halben Stunde verlassen The Admiral Sir Cloudesley Shovell die Bühne und machen den Weg frei für die Danko Jones.

Do You Wanna Rock

Danko Jones Arena Wien

Danko Jones Live Arena Wien – John Calabrese

Superman ist Clark Kent, Batman ist Bruce Wayne. Der Rockstar Danko Jones ist der unauffällig aber sympathisch wirkende Radiomoderator Danko Jones. Dieser Tätigkeit geht der Frontman der nach ihm benannten Band nämlich nach, wenn er nicht gerade auf der Bühne die Welt vor schlechter Musik schützt. Und man will ihm einfach vertrauen, wenn er nun um Punkt neun Uhr sein Cape in Form einer weißen Gibson SG umhängt und mit seinen beiden Mitstreitern John Calabrese (Bass) und Rich Knox (Schlagzeug) die Bühne betritt.
Schnell machen Danko Jones klar worum es hier geht: „Play the Blues„! Es spritzt der Schweiß und die warmgelaufenen Körper im Publikum drängen sich dicht an die Bühne. Man ist von Anfang an von der Energie, die von den drei Kanadiern auf der Bühne ausgeht, mitgerissen. Will grölen und genießen.
Do You Wanna Rock?“ vom neuen Album ist eine Frage, die schon längst beantwortet wurde. Sollten doch noch Zweifel bestanden haben, werden diese mit durch die Luft fliegenden Bechern und auf das Publikum herabregnenden Bier ausgeräumt. Danko Jones übt sich in klassischen Rockstarposen. Ganz offensiv spielt er mit allen Klischees die der Rock’n’Roll zu bieten hat. An diesem Abend ist er der leuchtende Superheld des Comic-Universums.

Regular People

Der Frontman, der diesen Abend so sehr dominiert, ist nicht unbedingt ein Mann vieler Worte, viel mehr ist er ein Mann großer Worte. So versichert er, dass Bands, die behaupten es zu lieben hier zu spielen, lügen. Doch weist er darauf hin, dass Danko Jones im Gegensatz zu all den anderen nicht lügen, wenn sie das sagen. Schließlich spielte die Band schon 2001 in der Wiener Arena, damals noch im kleinen Arena Beisl nebenan.
Anschließend geht das Feurwerk großer Rocksongs weiter. „Had Enough„, „Code oft he Road„, „Full of Regrets“ und mehr sorgen dafür, dass die Körper, die die große Halle der Arena gut füllen, nicht auskühlen.
Doch dem Geschmeichel ist noch nicht genug: „You are no regular people. Regular People don’t go to a rock’n’roll show on a Wednesday.“ Bei aller rationalen Skepsis, man will ihm diese netten Worte einfach abkaufen, schließlich ist er ein Superheld. Und weder Superman, noch Batman würden ihre Bewunderer anlügen.
Von Dankos Stimmproblemen, die ihn am vergangenen Wochenende dazu zwangen zwei Konzerte abzusagen (auch Superhelden sind nur Menschen), ist nichts mehr merkbar, er scheint sich gut erholt zu haben.

Oder doch nicht?

Danko Jones Arena Wien

Danko Jones Live Arena Wien

Um Punkt zehn Uhr, also nach genau einer Stunde, verlässt die Band erstmals die Bühne, taucht jedoch schon nach wenigen Augenblicken zum obligatorischen Zugabenblock wieder auf. Während der folgenden drei Songs werden nochmal die Rockgötter vergangener Tage angebetet und die zuckersüßesten Rock-Klischees strapaziert: „Real rock’n’rollers are sweating their balls off!“
Bei all den abgedroschenen Sprüchen, peinlich wirkt das ganze nie, steht man schließlich vor einem Mann, der intelligent genug ist, um auf ironische Weise mit diesen Elementen aus dem Rocklehrbuch zu spielen.
Das große Manko des Abends ist das gar so frühe Ende. Wie ein Uhrwerk veschwindet die Band nach genau 75 Minuten endgültig von der Bühne. Sind das doch die Auswirkungen der vorangegangenen Stimmprobleme? Man weiß es nicht. Zurück bleibt das wohlig warme bis schwer verschwitzte Wissen im Inneren, ein großartiges Rockkonzert gesehen zu haben. Aber dann ist da eben auch ein Anflug von Ärger darüber, dass man bei der Kürze des Auftritts auf viele große Nummern, wie „I think bad thoughts“ oder „I will break your heart“, die wohl beste Nummer am neuen Album, verzichten musste.

Eine Antwort

  1. hirschi

    Muss diesem Review ziemlich widersprechen! Herrn Jones‘ Stimmproblematik war deutlich hörbar – viele der Songs hat er DEUTLICH tiefer gesungen! Der Rest klang wie mit angezogener Handbremse.

    Antworten

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.