Völlig losgelöst und trotzdem bodenständig!

Man kann sagen was man will, aber ein Event oder Konzert zu dem zu machen, was dem Publikum in Erinnerung bleibt, ist bei Weitem nicht einfach. Mit gemischten Gefühlen betrat ich gestern das Wakuum in Graz, hin und her gerissen was ich mir von dieser Veranstaltung erwarten kann. Immerhin geht das erste Event im Normalfall immer ein wenig schief. Natürlich habe ich mich schon von Beginn an unter die Bands gemischt um einen gewissen Eindruck, was das Event und die Darsteller betrifft, zu bekommen. Während in der Jukebox Sweet Home Alabama lief und man sich auf der Terrasse des Wakuum zusammensetzte, kamen die Bands unter sich ins Gespräch. Alles in allem fühlte ich mich wie in einer Familie, die nicht nur Begeisterung für diesen Auftritt ausstrahlte, sondern allgemein für die österreichische Musikszene. Ganz fern des eigentlichen Geschehens auf der Terrasse durfte meine Wenigkeit miterleben, wie sich die Bands untereinander austauschten und anfingen vom Serpe Noctem, dem Event, zu schwärmen. Sie berichten von der Herzlichkeit und den Empfang der Veranstalter, was ja heutzutage eher eine Seltenheit ist.

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KARMA KLUB

Und schlussendlich war es dann soweit. KARMA KLUB aus Graz sprangen nach einem erfolgreichen Soundcheck auf die Bühne und gaben einen rockigen Takt vor. Die Riffs der Grazer Band regten zum Mitbewegen an. Schon nach den ersten Liedern war mir klar, dass das Publikum, das nicht nur aus eingefleischten Fans bestand, nach einer Zugabe kreischen würde. Ungelogen – die Zugabe kitzelte noch mehr Begeisterung aus dem Publikum heraus. Die Menge tobte bei Tonight I’m a Rockstar – was die Show von KARMA KLUB ganz eindeutig auf den Punkt gebracht hat und dem Act einen würdigen und unvergesslichen Abschluss bescherte.

Musik auf den ersten Blick

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SOLAR BLAZE

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JIGSAW BEGGARS

Ganz unerwartet sprangen beim Bühnenaufbau die beiden Veranstalter des Serpe Noctem und nebenbei auch Moderatoren der Public Snake Show, Max beRunner und Mike Miller, auf die Bühne – eine spontane Moderation der Bands folgte. Und dann war es soweit: die Jigsaw Beggars starteten. Für die Grazer Band war es erst das zweite Event seit der erfolgreichen Neubesetzung. Wenn eine Bierflasche über eine Gitarrenseite gezogen wird, stehen nicht nur meine Nackenhärchen zu Berge – auch das Publikum war außer Rand und Band. Zu meiner Überraschung überschlugen sich die Cheer-Ausrufe der zahlreichen Fans, als die JIGSAW BEGGARS einen weiteren Song anspielten. Alle Nummern waren individuell und luden ein, sich über jeden einzelnen Ton, der gespielt wurde, Gedanken zu machen. Die Mitglieder der Jigsaw Beggars sind, alle für sich, einzigartige Persönlichkeiten, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Immerhin kommen sie aus jeweils unterschiedlichen Musikgenres und haben nebenher noch andere Projekte. Trotzdem spürte man eine Gesamtharmonie in der ganzen Band, besonders als die Rhythmen wechselten. Kurzum, die Jigsaw Beggars spielten für mich auf einer anderen Ebene des Bewusstseins.

Vor dem eigentlichen Beginn des Serpe Noctem konnte das Team von www.music-news.at die Mitglieder der Jigsaw Beggars noch abfangen, um ihnen ein paar Fragen zu stellen:

MUSIC-NEWS: Freut ihr euch schon auf euren Auftritt?

JIGSAW BEGGARS: „Durchaus, Vollgas… gemischte Gefühle…“
Sebastian Whyis, der Drummer der Jigsaw Beggars, meldete sich zu Wort:

SEBASTIAN WHYIS: „Müde… ich bin erst um 8 nach Hause gekommen.“

Davor hat der Drummer als DJ in der Räucherkammer der Postgarage in Graz beim Buena Onda hits Springfestival aufgelegt. Dort kennt man ihn als DJ Whyis.

MUSIC-NEWS: Was war der erste Song, den ihr gemeinsam in eurem Proberaum gespielt habt?

JIGSAW BEGGARS: „TEN… den Song Ten von den Jigsaw Beggars… Ein Song, der an sich noch ziemlich neu ist.“

MUSIC-NEWS: Was ist passiert, als ihr euch das erste Mal in eurem Bandraum zusammengesetzt habt ?

Kaum habe ich diese Frage gestellt, beginnen die Jigsaw Beggars zu lachen, während Mike, der Bassist der Crew, eindeutige Handbewegungen macht. Schlussendlich verlautbarte Siegfried Franz Ulrich, der alte Hase der Jigsaw Beggars:

SIEGFRIED FRANZ URLICH: „Eigentlich haben wir Anfangs nur Lärm gemacht.“

MIKE MILLER: „Ich würde behaupten, dass es Musik auf den ersten Blick war…“

MUSIC-NEWS: Wie schauen eure Pläne für die Zukunft aus?

JIGSAW BEGGARS: „Wir wollen uns jetzt erst einmal Zeit für uns als Band nehmen, um uns gegenseitig richtig kennenzulernen. Immerhin war die Umbesetzung recht kurzfristig. Wir wollen jetzt unseren gemeinsamen Stil finden. Jeder bringt Ideen, die einfach sofort irgendetwas zünden lassen, in den Proberaum. Gegen Ende des Jahres überlegen wir einige Nummern aufzunehmen.“

Ein kurzes aber sehr aufschlussreiches Interview, das einen kurzen Einblick in die Band gegeben hat. Die Jigsaw Beggars sind im Übrigen auch beim Buena Onda Festival vertreten.

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SOLAR BLAZE

Mit einem Schlag wurde es dunkel. Ein Raunen ging durch die Menge. Der letzte Act des Abends näherte sich ganz unscheinbar der Bühne. Auf einmal verstummte das Flüstern der Menge als die ersten Töne eines einzelnen Solar Blaze Musikers zu hören waren. Nacheinander und das im Dunkeln stoben die Mitglieder der Band auf die Bühne, griffen sich ihre Instrumente und setzten zu ihrem ersten Song an. Ein einmaliges Opening, dass mir schon nach wenigen Minuten eine Gänsehaut über den ganzen Körper gejagt hat. Die fliessende Überzeugung ihrer Songs, das spürbare Herzblut und das Entertainment das alle Mitglieder von Solar Blaze vermittelten, haben jede einzelne Minute dieses Live Auftritts verzaubert. Diese Wiener Band hat sich ganz eindeutig in mein Herz gespielt. Mit ihren zahlreichen improvisierten Effekten, den verschiedenen Klängen der Orgel und der Begeisterung, mit der sie auf der Bühne standen, erinnerten sie mich zeitweise an kleine Underground Bands aus dem 70er und 80er Jahren. Kaum war der erste Song zu Ende begrüsste der Sänger und Lead Gitarrist von Solar Blaze das Publikum und natürlich auch die Veranstalter: „Herzlich Willkommen auf unserer kleinen Reise…“

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SOLAR BLAZE

Das Wort Reise beschreibt das Zusammenspiel von Solar Blaze auf den Punkt genau: Man starb mit den Musikern und wurde in eine andere Dimension verlagert, in der es weder Zeit noch Alltag gibt. Ein Hörspiel der besonderen Art, das trotz vielen verschiedenen Effekten harmonisch und im Einklang mit sich selbst war. Der Spass, den die Members von SOLAR BLAZE auf der Bühne hatten, ging automatisch auf das Publikum über. Ich war fast schon etwas traurig, als der letzte Song des Abends angestimmt wurde: Doch die grandiose Performance, die freizügige Improvisation und das Leben dort auf der Bühne zauberten mir ein zufriedenes Lächeln aufs Gesicht.

Nach der Show traf ich Solar Blaze auf der Terrasse und kam mit der Gruppe ins Gespräch.

MUSIC-NEWS: „Was ist eigentlich eure Inspiration? Wie kommt man auf diesen kreativen Schei*?“

SOLAR BLAZE: Das hat viel mit der Energie zwischen Bandmitgliedern zu tun. Auf so etwas kommt man nicht… man kann so etwas nicht planen. So etwas muss entstehen. Klar gibt es ein Grundgerüst – aber es ist ein Prozess. Bei uns geht es darum die eigenen Limits auszureizen. Wir wollen kein bestimmtes Publikum oder ein Genre abdecken. Wir schauen einfach – was ist urabgefreakt… Wir kommen alle aus verschiedenen musikalischen Ecken und so entsteht eine komplett neue Richtung, die nicht alltäglich ist. Klar ist das psychodelische im Vordergrund – immerhin mögen einige von uns diesen Stil. Wir geben uns nichts vor. Wir ergänzen uns musikalisch. Wir reden auf jedenfall über das was wir tun, bevor wir es machen. Heute haben wir grösstenteils improvisiert. Unsere Musik soll frei wie ein Vogel sein, der sich über alles hinwegsetzt, wie bei seinem Flug. Unsere Musik entwickelt sich im Moment.

MUSIC-NEWS: „Euer Name… was hat es mit diesem auf sich? Er ist wirklich sehr kreativ…“

SOLAR BLAZE: „Ja wir haben ewig nach einem Passenden gesucht. Und schlussendlich haben wir dann die Worte übersetzt, da Sonne, also solar und blaze (dt. lodern/funkeln) ziemlich das beschrieben haben, wie wir uns sehen. Erst im Nachhinein ist uns aufgefallen, dass dieser Name eigentlich eine gute Wortkombination ist, die auch frei ausgesprochen wirklich gut klingt. Mit „HE MAN“ haben wir ehrlich gesagt nichts zu tun, auch wenn man das aufgrund des Namens assoziieren könnte. Das Gleiche gilt für diese Feuerponnys auf Youtube.“

MUSIC-NEWS: „Eure EP wird also am 12. Juni released?“

SOLAR BLAZE: „Ja und wir sind verdammt stolz darauf. Wir können mit unserer alten Musik abschliessen. Wir haben etwas erreicht und das muss man festhalten. Wir haben in den letzten zwei Jahren soviel Energie in diese Platte gesteckt um etwas für die Ewigkeit zu haben. So gross wollten wir das eigentlich nie aufziehen… trotzdem ist es jetzt passiert.“

Auf diese EP freue ich mich natürlich schon riesig. Auch darüber wird MUSIC-NEWS berichten.

Das Team der Public Snake Show hat mit dem Serpe Noctem an diesem Abend ein Stückchen Rockgeschichte geschrieben. Von abwechslungsreich bis experimentell war alles vertreten, sodass ich mir als Musik-Journalistin nur eines wünschen kann: Serpe Noctem komm wieder…

Weitere Informationen findest du wie immer auf www.music-news.at!

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