Am vergangenen Wochenende war es wieder so weit. Das fast schon legendäre Rockfest Fusch ging zum erst zweiten Mal in der 25-jährigen Historie ohne Regen über die Bühne, was aber der Stimmung trotzdem keinen Einbruch beschert hätte. So heizten die Headliner Ektomorf und Weissglut an zwei Tagen die Menge richtig auf.

Das Fest fand von 06. bis 07. Mai statt und wir waren natürlich beide Tage dabei. So machte ich mich am Freitag bereits bei strahlendem Sonnenschein auf den Weg in das kleine Örtchen Fusch an der Großglocknerstraße auf der Queste nach guter Musik. Wie bereits erwähnt gab es in den vergangenen 25 Jahren exakt zwei Wochenenden, an denen es nicht geregnet hat. Darum nahm ich das diesjährige Wetter als gutes Omen wahr und startete motiviert in den ersten Abend.

Tag 1 – Es geht los

Pünktlich zum Einlass war die Besucherzahl noch recht überschaubar und so durfte der erste Act des Abends vor einem recht kleinen Publikum spielen. Der einheimische Musiker Johnny Gass war aber trotzdem sichtlich motiviert und gab mit seiner Akustikgitarre eine Mischung von eigenen Songs und Covern von sich. Besonders seine Interpretation von Iron Maidens „Run to the Hills“ ließ jeden aufhorchen.

Während sich das Festzelt merklich füllte, folgte gleich darauf die erste große Überraschung, denn hinter der Band, die bis zur Stunde Null nur als t.b.a. („noch anzukündigen“) im Lineup stand, verbargen sich keine Geringeren als die Veranstalter selbst, die nach Jahren wieder ihr altes Band-Projekt Corrisive aufleben ließen. Mit Covern von bekannten Rock- und Metal-Songs bewaffnet gaben auch sie mächtig Gas. Sänger Dominik gab sich im Gespräch sehr zufrieden mit ihrem Auftritt und freute sich, dass so viele Leute ihren ersten Auftritt seit Jahren verfolgten.

Ab diesem Zeitpunkt war auch der letzte Musik-Fan motiviert und so starteten Across A Blackened Sky aus dem benachbarten Ort Saalfelden am Steinernen Meer bereits mit einer aufgeheizten Menschen-Menge vor der Bühne. Mit ihrer Mischung aus Thrash Metal, Melodic Death Metal und Metalcore sorgten sie dafür, dass die Stimmung keine Sekunde lang einbrach. Auf der Rockfest-Bühne sind die Jungs schon lange keine Unbekannten mehr und spielten über die Jahre hier bereits einige Gigs. So war für Sänger Christian der Auftritt auch stark mit Emotionen verbunden und er meinte, es sei immer geil, am Rockfest zu spielen, besonders wenn viel los ist, denn da wird es erst richtig zur Party.

Aber die Hölle brach erst richtig los, als die Headliner des Abends Ektomorf die Bühne betraten. Die Metal-Band aus Ungarn, die beinahe so lang im Geschäft ist, wie es das Rockfest gibt, zeigte dem Publikum, wie man richtig abgeht. Gerade frisch von ihrer US-Tour zu Hause, gaben sie in Fusch nochmal alles und spielten, als gäbe es kein Morgen mehr. Auch Sänger Zolán war mehr als zufrieden und war überrascht, dass sich so viele Leute in das überschaubare Festzelt zwängten (ca. 400 laut Schätzung) und war nach eigener Aussage hundert Prozent happy mit dem Gig. Auch zeigten sich die Jungs sehr Fan-treu und waren nach dem Auftritt im Bar-Bereich anzutreffen, wo sie für jeden Fan ein offenes Ohr oder eine offene Kamera-Linse bereit hatten.

Ektomorf

Ektomorf – © Gerald Hollin / Bastards Fusch (e.V.)

Tag 2 – Just a Tribute

Am Samstag ging es auch wieder bereits zeitig um 19:00 Uhr los, noch immer mit Genick-Schmerzen als Nachwehen des Vortages. Für Adisdead, die erste Band des Abends, war es aber leider auch wieder etwas zu früh und so spielten auch sie wieder vor einer minimalen Zuschauer-Masse. Die drei Jungs aus Wels ließen sich davon aber nicht abschrecken und gaben als einzige „Original“-Band des Abends voller Motivation ihre Werke zum Besten. Interessante und rhythmisch spannende Instrumentalarbeit gepaart mit einer super Stimme konnte die Anwesenden überzeugen und bei genauer Beobachtung sah man, dass keiner still stand und jeder Besucher voll auf die Bühne konzentriert war. Ich konnte mit dem Sänger der Band, Helmut „Budi“ Budaker, sprechen, der sich trotz der wenigen Zuschauer positiv gab: „Es war leider noch wenig los, aber der Sound war super und das Publikum war gut drauf. Auch ist es für uns ein spezieller Auftritt, da wir sehr selten mit Coverbands zusammen spielen.“

Mit einer Cover-Band ging es dann auch weiter. Motörblock, eine Motörhead Tribute-Band aus München, waren darauf bedacht, der Menge zu zeigen, was Rock n‘ Roll ist. Man betrachtet Tribute-Bands im ersten Moment immer etwas skeptisch, besonders, wenn man das Original bereits live gesehen hat. Doch die Bayern konnten jeden Zweifel zerstreuen und bewegten sich musikalisch ganz nah an Lemmy & Co. Besonders die Stimme des Sängers kam gespenstisch nah an Mr. Kilmister ran. Auch das Publikum war wohl dieser Meinung, denn vor der Bühne blieb bei dem Aufgebot an Hits kein Stein auf dem anderen.

Als dritte und letzte Band des Abends (und somit auch des Fests) spielten Weissglut, eine Rammstein Tribute-Band, die ebenfalls aus unserem Nachbarland kommt und seit zehn Jahren im Geschäft ist. So warteten bereits viele Fans des großen Originals auf die Weissglut-Interpretation der weltberühmten deutschen Gruppe. Natürlich ist es immer schwierig, die Show einer Band wie Rammstein genau zu imitieren, da einfach viel zu viel Pyrotechnik verwendet wird, um das im kleinen Rahmen und ohne einer Armee an Pyrotechnikern und Feuerwehrmännern zu kopieren. Weissglut pickten sich aber die Kern-Elemente der Show heraus und so konnte eine „light“-Version der Originale gesehen werden. Ob Flammenwerfer, Kochtopf, Schaumkanone (beziehungsweise „Kanönchen“) oder Engels-Flügel – alles, was das Fan-Herz begehrt, war da. Auch instrumental und gesanglich konnte die Gruppe überzeugen, obwohl man dem ein oder anderen Musiker gegen Ende hin die Erschöpfung schon etwas anmerken konnte.

Weissglut

Weissglut – © Gerald Hollin / Bastards Fusch (e.V.)

Fazit

Insgesamt war das diesjährige Rockfest für mich eines der besten, das ich erleben durfte. Alle Bands waren großartig, das Wetter passte und die Stimmung war bombastisch. Es ist zwar kein großes Festival, aber ein Fest mit Herz und Tradition. Darum empfehle ich dieses Fest jedem Musik-Fan gerne weiter, da hier einfach immer noch die Musik im Zentrum steht und man doch eher selten so nah auf Tuchfühlung mit Musikern und Veranstaltern gehen kann. Auch preislich hält sich das Rockfest schon seit Jahren im Zaum und so kann man die Karten sogar an der Abendkasse noch recht günstig erstehen und zahlt sich für Bier & Co kein Loch in die Geldbörse. Für mich ist das Rockfest schon seit über einer Dekade Tradition und wird jedes Jahr dick im Kalender angestrichen. Also vielleicht sieht man sich wieder im Jahre 2017 im schönen Fusch.

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