Dead Lord mit Feuer und Flamme im Viper Room
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4.7Sterne

Am Montag, dem 10.Oktober, startete die Woche mit einem Konzertabend der Extraklasse. Dead Lord aus Stockholm ließen es sich nicht nehmen, auf ihrer „Melt Your Face“ European Tour 2016 dem Viper Room wieder einmal einen Besuch abzustatten. Support kam von Night Viper aus Götheburg und den Lizzies aus Madrid.

Der Montagabend stand ganz im Zeichen von klassischen Hard Rock und Heavy Metal Klängen. Freunde melodiöser Rockmusik und offensiver Live-Shows kamen voll und ganz auf ihre Kosten und wurden bis in die Zehenspitzen motiviert. Genau das Richtige für die düstere, kalte Jahreszeit, um die müden Knochen wieder aufzuwärmen.

Lizzies

Pünktlich um 20 Uhr standen die Lizzies aus Madrid auf der Bühne des Wiener Viper Rooms. Mit geballter Frauenpower stimmten sie das Publikum auf einen rockigen Montagabend ein.
Vor allem Frontfrau und Sängerin Elena Zodiac war eine besondere Erscheinung und brillierte mit einer Performance wie frisch aus den Achtziger Jahren. Dabei schwang sie geschickt den Mikrophonständer über die Köpfe ihrer Mitstreiterinnen. Die Live-Soundmischung überzeugte leider nicht zur Gänze und ließ die sonst sehr eigenständig erklingenden Instrumente miteinander verschwimmen. Dennoch überraschten die Lizzies mit einem Sound, der zeitweise verdächtig nach Motörhead klang.

Nach dem Konzert enttäuschten mich einige Publikumsstimmen, die die Lizzies „für eine Frauenband“ als „ganz okay“ befanden. Allgemein schien noch Skepsis gegenüber musikalischer Kompetenz von Frauen in der Luft zu liegen – aus technischer Sicht war dies vollkommen unbegründet.
Nach ihrem Gig standen die vier Damen übrigens auch fleißig im Publikum und bejubelten ihre Tour-Kolleginnen und Kollegen von Night Viper und Dead Lord.

Night Viper

Um 21 Uhr schallte dann bald das diabolische Gelächter von Night Viper Sängerin Sofie Lee Johansson durch den Viper Room. Trotz ihres teilweise sehr düsteren, okkulten Sounds, brauchte man sich keinesfalls vor dem Quartett aus Götheburg zu fürchten. Denn die breiten, freundlichen Grinser der Fünf strotzten nur so vor Motivation und Lebensfreude und steckten das Publikum an. Überrascht von der Ausgelassenheit der Konzertbesucherinnen und -besucher an einem Montagabend, merkte Johansson an:„If you’re planning to go to work tomorrow, forget about your plans.“

Rücksichtslos, hingebungsvoll und offensiv überzeugte auch der Rest der Band auf ganzer Linie. Mit einer unglaublichen musikalischen Routine – und keiner Spur von Langeweile – war sofort spürbar, dass sie alle bereits jahrelange Band- und Bühnenerfahrung mitbringen. Eingehende, vor klassischem Heavy Metal strotzende Riffs und virtuose Gitarrensoli der Gitarristen Tom Sutton und Emil Ridderstolpe, die geraden und tragenden Basslines von Ruben Åhlander Persson und die vorantreibenden Drums der Schlagzeugerin Jonna Karlson, sorgten für einen Konzertmoment, der zurück in die frühe Heavy Metal Ära der Siebziger führte.

Dead Lord

Den krönenden Abschluss dieses Abends bildeten Dead Lord aus Stockholm. Die vier Schweden glänzten – ohne jeglicher Spur von Arroganz – im fulminanten Licht der Selbstinszenierung.
Sie zeigten sich einmal mehr als technisch perfektes, choreographisch komplett eingespieltes Team. Dabei verschmolzen die Vier zur ultimativen Rock Einheit und zogen das komplette Publikum in ihren Bann. „We try to play as often and as much as we can and you are the reason why we can do this“ wandte sich Sänger und Gitarrist Hakim Krim voller Wertschätzung an die Fans. Dead Lord schaffen es auf ihren Konzerten immer wieder, den Zuschauerinnen und Zuschauern das Gefühl zu geben, Teil dieser Einheit zu sein – dabei breiten sie einen Stimmungsteppich aus, in den das Publikum voll und ganz eintauchen kann.

Während sich die Gitarristen Hakim Krim und Olle Hedenströmein ein freundschaftliches Gitarrenbattle lieferten und ihre Instrumente sogar verkehrt hinter ihren Rücken bespielten, überblickte Bassist Martin Nordin das Publikum mit seinem durchdringenden Blick und sorgte dafür, dass die Aufmerksamkeit aller auf die Bühne gerichtet blieb. Auch Schlagzeuger Adam Lindmark, der seinen Namen als glänzenden Schriftzug auf der Bass Drum trägt, zog am Montagabend viele Blicke auf sich – mit Sternensprühern versehenen Drumsticks drosch der junge Schwede voller Enthusiasmus auf seine Becken, sodass es vor Funken nur so sprühte.

Während der Show schmeichelten die Bandmitglieder auch einander mit Komplimenten – so waren spätestens nach dem zweiten Song alle Anwesenden davon überzeugt, dass es sich bei Dead Lord wohl um die beste, schönste und talentierteste Band und den leuchtendsten Stern am aktuellen Rockfirmament handeln musste.
Auch die Gitarren-Picks, die es an diesem Abend mehrere Male über das Publikum regnete, waren ein Hingucker. Diese erglänzten in schillernden Farben und portraitierten teilweise die Künstler.
Nach Rufen des Publikums gab es dann noch eine berauschende Zugabe mit drei Songs. Als bei der vorletzten Nummer dann die E-Saite von Hakim riss, ließ er sich davon keineswegs verunsichern und sang bis zum Schluss weiter – Gesichtsakrobatik inklusive. Nebenbei stimmte er ganz locker seine Gitarre und ließ sich dabei nichts anmerken. Zum krönenden Abschluss gab es dann noch ein besonderes Zuckerl für die Fans: Mit den Worten „We love you Vienna – but we also love Kiss“ verabschiedete sich Hakim und stimmte den Kiss-Klassiker „Deuce“ an. Gleich nach Ende der Show war bereits die Vorfreude auf den nächsten Live-Abend mit Dead Lord spürbar.

Fazit

Der ultimative Rock Montag erhielt durch die heimelige Atmosphäre des Viper Rooms eine besonders persönliche Note. Die Qualität der Veranstaltung steigerte sich von Act zu Act – alle Bands lieferten solide, anheizende Live-Performances. Vor allem Dead Lord zeichnete sich wieder einmal als eine Band aus, die man unbedingt im Auge und im Ohr behalten sollte.

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