Die Jigsaw Beggars parken ihren Opel im Blendend
Sound
Instrumental
Abwechslung
Gestaltung
4.5STERNE

Vergangenen Samstag beehrte die Psychadelic/Shoegaze Band Jigsaw Beggars ihre Heimatstadt Graz.

Finster, heimelig und bald beengend war‘s, als immer mehr Personen in den kleinen, jedoch gemütlichen Keller des Blendend in Graz drängten. Die Jigsaw Beggars, welche schon als musikalische Urgesteine angesehen werden können, veröffentlichten ihre neue EP mit dem blumigen Namen “Ascona“, der vom gleichnamigen Opel abgeleitet wurde. Mit Kraftfahrzeugen hat ihre Musik auf den ersten Blick wenig zu tun. Frontman Sigi besitzt jedoch ein solches Gefährt, das mit viel Hingabe wieder verkehrstauglich gemacht wurde und genau darauf zielt die Band ab – aus Alt mach anderes, frischeres Alt. Die Jigsaw Beggars haben sich in den letzten Jahren weiterentwickelt und verändert wie kaum eine andere Band der Steiermark. Im Laufe der Ascona-Tour wurden in zehn Tagen acht Konzerte in der Slowakei, Tschechien, Deutschland und Österreich gegeben. Die letzte Show wurde für die Landeshauptstadt aufgespart – und was für ein Abschluss das war.

Weiße Beats

Eröffnet wurde der Abend von “Other Worlds“ des disko404-Kollektives, welcher die Gangart des Abends gemächlich einleitete. Er entwickelte eine angenehme Stimmung und hob mit minimalen elektronischen Beats die Spannung ohne wirklich auf sich abzulenken. Dann enterten die Jigsaw Beggars die Bühne. Komplett in weiß gekleidet und zu sphärischen Klängen begannen sie mit ihrem Opener “Ain’t Got No Soul“ wie wiedererweckte Geister. Zuerst ruhig und behutsam, nur um in der zweiten Hälfte des Songs ihre gesamte Kraft zu bündeln. Die Stimmung war, wie über das ganze restliche Konzert elektrisierend. Das Publikum schwankte zwischen ausgelassenem Tanzen und gefesseltem Zuhören. Die Band spielte gekonnt mit den Emotionen ihrer Musik und übertrug diese makellos auf ihr eigenes Auftreten. Die gelassenen Teile hielten sich mit den rifflastigen in Waage und brachten genug Abwechslung in die Performance. Die Beleuchtung war zurückhaltend und dennoch treffsicher auf das Bühnengeschehen gerichtet. Der Sound war aufgrund des hervorragend arbeitenden Tom Zwanzger grandios. Man konnte jede einzelne Note fühlen und die Soundwände, welche aus den Boxen kamen, drückten einen fast einen Meter nach hinten. Beide Gitarren arbeiteten harmonisch zusammen und die eingesetzten Effekte überraschten oft. Der Bass schob einen ordentlichen Rhythmus, wusste aber auch mit verspielten Licks zu überzeugen, während die Drums das Klanggewitter tight untermalten.

Fazit

Die Psych-Szene wächst beständig, doch die Jigsaw Beggars sind eine der wenigen Bands, die es geschafft haben, ihren eigenen Sound über die Jahre zu entwickeln und zu perfektionieren. Alle Abläufe passen zueinander und man spürt eine gewisse Erhabenheit in ihrem Auftreten. Durch die vielen Sounds und den häufigen abwechslungsreichen Passagen reicht ein Konzert niemals aus, um alle Ideen und Feinheiten herauszuhören. Insgesamt war es ein hochqualitativer Auftritt, der vielen Besuchern noch lange im Gedächtnis bleiben wird.

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