Chris Magerl beschließt den Montagabend als Support für die Downlovers, die das Molly Malone und meinen Cheeseburger bespielen.

Hundertachtzig Gramm irisches Rindfleisch, ein Blatt grüner Salat, zwei kleine Gürkchen, eine goldgelbe Scheibe Käse umrahmt von einem fluffigen Burgerbrötchen. Garniert wird diese wohlschmeckende Komposition mit den wohltuenden Klängen der Downlovers.

Spät aber doch

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Michael Down – Molly Malone Graz

Mit einiger Verspätung starten die Downlovers in ihr zehn Songs umfassendes Set. In dreier Formation – das Schlagzeug wurde für diesen Bar-Gig zuhause gelassen – legen sie mit „Downtown Wildcat“ los. Nach der Eigenkomposition, die nicht am aktuellen Album vertreten ist, folgt mit Cancer in Your Brain die erste Albumnummer des Abends. Jetzt fängt der Burger so richtig an zum Genuss zu werden.
Die veränderte Besetzung verleiht dem Song andere Facetten gegenüber der Albumversion. Natürlich nimmt das fehlende Schlagzeug nicht nur diesem, sondern auch einigen der folgenden Songs ihre eigentliche Energie. Es sind eben gemütlichere Versionen, die ihren Zweck in einem Pub aber durchaus erfüllen. Bevor sie Jethro Tulls „Locomotive Breath“ covern, lassen die drei Downlovers „Cancer in Your Brain“ zu Freestyler werden. Es war im Jahr 2000 als Boomfunk Mc’s mit dieser Nummer ihren großen Erfolg feierten. Als Cover hört man den Song eher selten, es war eine Überraschung. Eine gelungene Überraschung, das Cover funktioniert gut, die Downlovers geben ihr tolle Eigenheiten.
Doch dann ist es erstmal genug der Covers und es folgen einige Eigenkompositionen. Unter anderen „Mrs. Brown“ und „Parachutes“. Zweiteres fällt ruhiger als die Albumversion aus und klingt insgesamt bedachter. Leider fehlt dem Refrain ein wenig die Kraft die ihm sonst so gut tut. Die ganz besondere Stimmung kommt auf wenn Michael Downs und Steve Lovers zweistimmiger Gesang durch das Pub erschallt.

Musik zum kulinarischen Genuss

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Downlovers – Molly Malone Graz

Natürlich schafft es die Musik an so einem Abend nicht permanent im Vordergrund zu stehen, denn man genießt währenddessen einen Burger oder Rippchen, dazu ein Bier oder ein Glas Whiskey. Dass diese Dinge jedoch mehr als gut mit der Musik harmonieren ist das tolle an der Sache.
Zum Ende des rund vierzigminütigen Sets wird My New Sombrero, die Singleauskoppelung vom aktuellen Album, zum Besten gegeben. Der Song klingt weniger verspielt und insgesamt geradliniger als man ihn gewohnt ist. Auch wenn es nach wie vor ein tolles Stück ist, will das Ganze nicht so recht ins Schweben kommen. Der Gesang wirkt ganz ordentlich, instrumental würde das Schlagzeug und eine zweite Gitarre jedoch gut tun.
Als Finale wird Cindy Laupers Time After Time dargeboten. Trotz äußerst sympathischem gesanglichen Fehler im Refrain hinterlässt der Klassiker in diesem instrumentalen Gewand und mit dieser Stimme ganz viel Freude beim Hörer.
Das wars dann, der Burger ist verspeißt, der Teller bis auf ein paar einsame Brösel leer, der Magen viel zu voll und die Downlovers von der Bühne.
Gerne hätten sie mehr eigene Nummern von Undressed Clowns, dem aktuellen Album, spielen können, doch ich hätte auch auf die Covernummern nicht verzichten wollen. Das ist eben die Zwickmühle eines so kurzen Sets. Beim nächsten Mal muss ganz einfach länger gespielt werden.
Aber der Abend war schließlich noch nicht zu Ende, noch nicht ganz.

Chris Magerl zum Nachtisch

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Chris Magerl – Molly Malone Graz

Noch bevor das nächste Guinness seinen Weg über den Tresen findet, betritt Chris Magerl die Bühne.
Im Gegensatz zu seinen Vorgängern liefert er weniger Kreativität ab, bietet den Poppunk wie man ihn schon aus den Zeiten von Once Tasted Life gewohnt ist. Heutzutage eben alleine mit Akustikgitarre.
Gelegentlich streut er Balladen ins Publikum, bleibt jedoch meist bei schneller gespielten Akustik-Pop-Punk Nummern, in denen er sich bemerkenswert überzeugend in Rockstarposen gibt. Während „Old Man“ stellt der Mann sich wagemutig auf einen Barhocker, singt für einen Moment unverstärkt, bevor er wieder vors Mikrophon hüpft um einen Überschwall an geschriener Emotion ins Publikum zu entlassen. Abgesehen von diesen paar beachtenswerten Momenten ändert sich nicht viel, alles wirkt sehr monoton. Erst ein improvisiertes Duett mit einer Barbesucherin führt wieder zu gesteigerter Aufmerksamkeit. Doch wie soll man das, was hier passiert nun in Worte fassen? Das bedenkliche Gejaule der unbekannten Duettpartnerin droht den ganzen Auftritt zum Witz verkommen zu lassen. Auch wenn es großen Applaus gibt, der Hohn lässt sich nicht verbergen. Als die Dame sich wieder zurückzieht kann Chris Magerl den Abend langsam ausklingen lassen. Zu großen Höhepunkten kommt es jedoch nicht, bis zur allerletzten Nummer. Ein völlig unverstärktes Cover des Songs Royals bringt nochmal gute Stimmung in die Runde und ein versöhnliches Ende für Magerls Auftritt. Würde da nicht plötzlich wieder die Dame von vorhin hinterm Mikro stehen und ihr betäubendes Gejaule von sich geben. Da kann man mit dem dennoch freundlich gebliebenen Künstler schon ein wenig Mitleid bekommen. Aber schließlich ist der Spuk dann auch schon wieder vorbei.
Chris Magerl ist heute natürlich beinahe schon eine lokale Musikikone, seit Jahren zieht er zielstrebig sein Ding in der Musik durch. Für dieses Durchhaltevermögen gebührt ihm großer Respekt. Die Musik die diesem Prozess entspringt ist eben Geschmackssache.

Fotos: Georg Zsifkovits

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