Ein Abend mit Drohnen, Raumschiffen und Muse
Musikalische Performance
Show
Publikum
Location
4.7Sterne

Im Rahmen ihrer „Drones World Tour“ gastierten Muse am 9. Mai 2016 in der Wiener Stadthalle. Neben einer glatten musikalischen Performance gab es jede Menge fürs Auge.

Wieder einmal hat das britische Dreiergespann Muse eine Show auf die Bühne – und in diesem Fall auch in die gesamte Wiener Stadthalle – gezaubert, die sich definitiv sehen lassen konnte. Auch wenn die Alternative Rock Künstler zunehmend Abstand von ausgedehnten Soli und Queen-Anleihen nehmen, ließen sie mit einer beeindruckenden Lichtshow, Specialeffects und einer berauschenden Setlist so manche Fan-Herzen höher schlagen. Kurz gesagt: Muse präsentierten eine durchdachte und atmosphärische 360 Grad Experience, die ihr aktuelles Album „Drones“ sowie ihre ganze bisherige Laufbahn an einem Abend zusammenfasste.

Schleppender Anfang

De Staat Wiener Stadthalle

De Staat (c) thegiordano

Nicht ganz so spannend und begeisternd gestaltete sich jedoch der Anfang des Abends. Als ihren Begleiter für einen Großteil der Europa-Shows wählten Muse die holländische Alternative Rock Band De Staat. Sind die fünf Jungs aus den Niederlanden in ihrer Heimat auch sehr bekannt und wurden erst kürzlich zu den Top 11 der niederländischen Bands gezählt, stießen sie in der Wiener Stadthalle auf eher wenig Zuspruch. Ihr experimenteller Sound gepaart mit Sprechgesang schien das Publikum nicht so wirklich zu überzeugen. Das dürfte auch die Band um Vokalisten Jop van Summeren bemerkt haben, gab sich zugleich aber professionell und nahm es auf die leichte Schulter. Zu Buh-Rufen oder dergleichen ist es ja immerhin nicht gekommen.

Als die letzten Töne von De Staat verstummt waren, brach eine lange Wartezeit herein. Nun rückten auch die letzten Konzertbesucher immer näher an die runde Bühne heran und nahmen den vor Technik strotzenden Aufbau in Augenschein. Eine Plattform in der Mitte, zwei Flügel nach rechts und links, Bildschirme rund um das Konstrukt und seltsame Flugobjekte auf Scheinwerferhöhe – die Spannung stieg. Die Wartezeit wurde genutzt, um alle Besucher zu bitten, ihre Blitzlichter der Smartphones und Kameras abzuschalten, damit sich die Lichtshow wie geplant entfalten könne. Dieser Bitte wurde sogar einigermaßen nachgegangen, ein paar Spezialfälle gibt es aber doch immer.

Drohnen im Anflug

Dann wurde es dunkel in der Halle und Matt Bellamys Stimme ertönte: Als Intro der Show hatte man sich für den titelgebenden Song des aktuellen Albums „Drones“ entschieden. Tatsächlich dauerte es nicht lange, bis sich die wahrhaftigen Drohnen-Flugobjekte in Bewegung setzten und in beleuchteter Form von der ersten Sekunde an eine großartige Atmosphäre in die Wiener Stadthalle brachten. Die ausgetüftelte Choreografie der Drohnen war bis ins letzte Detail auf das Geschehen auf der Bühne und auf den Bildschirmen oberhalb der Bühne abgestimmt, sodass sich die ganze Halle in einen riesigen Schauplatz verwandelte. Der Auftrag „360 Grad Experience“ wurde vom ersten Song an erfüllt.

Muse Wiener Stadthalle

360 Grad Muse (c) Muse Fan Images

Ein gutes Konzert beginnt meistens mit einem Knaller und so war es auch bei Muse: Der zweite Opener des Abends hört auf den Namen „Psycho“ und das Publikum war sofort voll dabei. Grundsätzlich war die gesamte Setlist des Abends sehr gut angelegt worden. Es wurde auf eine gesunde Mischung von neuen als auch älteren Songs gesetzt, was wohl alle Fans zu freuen schien. Spätestens bei „Supermassive Black Hole“ brachte die Band auch den letzten Stillstehenden zum Tanzen, Abfeiern und lauthals Mitsingen.

Matt Bellamy, Christopher Wolstenholme und Dominic Howard zeigten auch, dass sie ihre Instrumente und ihre Stimme bis ins Detail beherrschen. Mit seiner Performance von „Feeling Good“, ihrer bekannten Coverversion, die auch auf ihrem 2001 erschienen Werk „Origin of Symmetry“ zu hören ist, beeindruckte Matt Bellamy sowohl gesanglich als auch am Klavier. Der Bassist und der Schlagzeuger lieferten sich hingegen vereinzelte Duos und Duelle und brachten die instrumentale Facette der Alternative Rock Band zum Vorschein.

Lichteffekte und Raumschiffe

Zu der musikalischen Performance gesellten sich nicht nur beleuchtete Drohnen, sondern auch riesige Luftballons gefüllt mit Konfetti, die das Publikum sogleich zum Knallen brachte – Muse warteten bis auf den letzten geplatzten Ballon, ehe sie mit dem nächsten Song begannen. Auch ein ferngesteuertes Raumschiff ganz in schwarz durchquerte einmal die Stadthalle und zu guter Letzt gab es einen Regen aus Papierschlangen und Konfettis in Form von „Drones“-Menschlein. Die Bildschirme bekamen ebenfalls Unterstützung in Form von halbdurchsichtigen Leinwänden. Explosionen, Flüge durchs All und eine Welt voller Klone – es krachte in allen Farben und den sozialkritischen Input gab es gleich obendrauf.

Abruptes Ende mit Stil

Nach einem kurzweiligen ruhigeren Teil ging es gegen Ende des Konzertes noch einmal rund: Die so gut wie mangellose Songabfolge von „Hysteria“, „Time Is Running Out“, „Uprising“ und „The Globalist“ setzte dem Abend noch eines oben drauf, bis langsam das Outro „Drones“ einsetzte. Doch noch mussten die Besucher nicht die Köpfe hängen lassen. Es gab noch drei Songs im Anschluss und der Klassiker „Knights of Cydonia“ vom Album „Black Holes and Revelations“ beendete das 360 Grad Spektakel. Eine Zugabe gab es nicht, was aber nicht weiter störte, denn die Show war dermaßen durchgeplant gewesen, dass jeder weitere Song ohne Lichtshow vermutlich ein Störfaktor gewesen wäre.

Muse haben demnach erneut bewiesen, dass eine Band mit nur drei Mitgliedern eine fast bis zur Gänze ausverkaufte Wiener Stadthalle zum Beben bringen kann. Die gelungene Mischung aus neuen Songs und Klassikern erfüllte ihren Zweck und sorgte für einen ausgeglichenen, spannungsvollen und atmosphärischen Abend. Am Ende waren dann nur noch die zum Ausgang strömenden Menschenmassen zu überwinden und der Heimweg anzutreten – natürlich mit einem Papierschnipsel als Erinnerung in der Tasche.

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