Freitagabend spielten die Broilers anlässlich ihrer Tour zum 20 jährigen Banddasein ein klassisches Broilers Konzert im Grazer Orpheum.

Um 20 Uhr erstreckt sich der Zuschauerraum noch größtenteils menschenleer vor der Bühnen des Orpheums. Erst langsam erheben sich die Wenigen, die sich schon im Saal befinden, von den Orpheum-charakteristischen Stufen, als Northcote die Bühne betreten um den Abend zu eröffnen. Schnell bekommt man das Gefühl, dass die Kanadier an diesem Abend nur auf der Bühne stehen können, weil sie ihre Holzfälleräxte für einen kurzen Moment beiseite gelegt, ihre Flanellhemden in den Schrank gehängt und ihre Bärte gekämmt haben.

Northcote eröffnen für Broilers

Northcote eröffnen für Broilers

Das hat sich durchaus ausgezahlt, denn wie sie ihre Gitarren und Drumsticks anstatt ihrer Äxte schwingen vermag ganz gut zu gefallen. Für eine Vorband, von der man zuvor noch nicht gehört hat, von der man sich dementsprechend auch nichts erwartet hat, außer vielleicht die Möglichkeit nochmal in Ruhe die Toilette aufzusuchen und ein frisches Getränk zu holen, allemal.
Grob erinnern die vier Kerle aus Vancouver mit ihrem punkbeeinflussten Folk an Bryan Adams, klingen insgesamt aber nicht so abgedroschen und aalglatt wie Adams. Und sind wir doch mal ehrlich, mit so einem Bart wie ihn diese vier Herren tragen, wäre Bryan Adams sogar heute noch cool.

Mehr Bärte braucht die Musik

Ohnehin gewinnt man den Eindruck, dass die Mindestlänge der Gesichtsbehaarung Teil der Bandstatuten ist. Drei von ihnen, hatten mit den Auflagen wohl keine großen Probleme, beim Bassist könnte die Erfüllung womöglich „haarig“ geworden sein.
Insgesamt bieten Northcote einen netten Einstieg, spielen solide, auf Dauer klingen die Nummern jedoch ein wenig zu gleichförmig, zumindest für jemanden der ihrer CD nicht voller Enthusiasmus beim Fällen des diesjährigen Weihnachtsbaumes gelauscht hat.
Nach einer guten halben Stunde geben Northcote die Bühne frei, vorerst für eine Hundertschaft an Bühnenarbeitern die Equipment wegbringen, anderes Equipment herbringen, bevor sie dem, im Laufe des Northcote Gastspiels zu anständiger Größe angewachsenen Publikum den Blick auf die Bühne mit einem Sichtschutz verwehren.

20 Jahre Vollgas

Broilers_orpheum_02

Ines Maybaum am Bass

Ein weißer Vorhang hüllt die Welt (das Orpheum) in Schweigen (ziemlich lautes Geplapper aus den Mündern einiger hundert Zuschauer). Ein meterhohes Video erstrahlt in der Dunkelheit auf dem zur Leinwand gewordenen Vorhang. Zu den Klängen von Sham 69’s „If the Kids are United“ flimmern Bilder aus den letzen 20 Jahren Broilers durch den Raum. Wenig später zeichnen sich hinter dem Vorhang die Silhouetten der Musik ab. Der Vorhang fällt und die Düsseldorfer schmettern Zurück zum Beton in den Saal. Jetzt offenbart sich auch das äußerst gelungene Bühnenbild. Grundsätzlich dezent, ein bühnenfüllendes Broilers-Banner im Hintergrund und stimmungsvolles, auf eine edle Art und Weise aufgeräumt wirkendes Bühnenlicht. Auf Nebel verzichtet man, dadurch bekommt das Publikum einen sehr viel klareren Blick auf die Band, das gibt ein Gefühl von Nähe. Dass Broilers ohnehin eine sehr publikumsnahe Band sind, wird schon während der ersten Songs klar. Bekommt Sänger Sammy Amara einen Bierbecher auf den Kopf, gibt es einen anerkennenden Blick ins Publikum. Wird es für die enthusiastisch tanzenden Zuschauer irgendwann zu gefährlich, läuft jemand Gefahr zu Boden zu gehen und nicht wieder hoch zu kommen scheut man sich nicht davor den Song zu unterbrechen und das Publikum dazu aufzurufen aufeinander Acht zu geben. So geschehen nach den ersten Takten von „Harter Weg“.

Altes und Neues

Broilers_Orpheum_03

Ron Hübner an der Gitarre

Die Setlist des Abends setzte sich aus altem und neuem Material zusammen. Man spielt u. a. „Ich will hier nicht sein“ und „Nur nach vorne gehen“ vom diesjährigen Album Noir, „Tanzt du noch einmal mit mir?“ und „Wie weit wir gehen“ vom Vorgänger Santa Muerte. Aber auch alte Songs wie „In 80 Tagen um die Welt“ vom 1997 erschienenen Debütalbum Fackeln im Sturm. Die Nummern klingen gut, werden solide gespielt, klingen den Albumversionen größtenteils sehr ähnlich – ganz die Broilers eben. Und damit kommen wir zurück zum Titel dieses Artikels – „Ein Broilers Konzert wie ein Lachsfrühstück“. Ich mag Lachs, erfreue mich regelmäßig an seiner Anwesenheit am Frühstückstisch. Lachs geht eben immer, bei Lachs weiß man was man bekommt. Aber ein Lachsfrühstück bietet keine Überraschungen. Aus dem Lachs wird eben nicht plötzlich ein Frühstückssteak (ein Steak zum Frühstück klingt doch verlockend). Ebenso verhält es sich mit einem Broilers Konzert – man weiß was einen erwartet, es ist sein Geld wert, liefert aber keine großen Überraschungen. Gleichzeitig genießt man ein Broilers Konzert jedesmal aufs Neue.
Eine kleine Ausnahme gab es bei diesem Konzert aber dennoch. Dass Van Halens „Jump“ angespielt wird, darauf hätte ich vor dem Abend nicht gewettet.

Broilers_Orpheum_04

Sammy Amara

Doch bevor der Auftritt zu Ende ist, wird es nochmal heiß. Der Zugabenblock wird mit Ruby Light and Dark eröffnet, dieser Song ist eine Herzensangelegenheit und der Grund wieso ich niemals aufhören werde Lachs zu essen. Natürlich fehlt auch der zweite große Klassiker von Vanitas nicht – Meine Sache. Im Finale gibt’s noch „Singe, Seufze und Saufe“ und „Blume“, dann lösen sich die verschwitzten, nach Bier stinkenden Zuschauer voneinander um ihre Lungen mit frischer Luft zu füllen. Der Abend ist gelungen…

Fotocredits: Georg Zsifkovits

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.