Ein lauer Abend mit Polkov und Plut
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3.9STERNE

Feine Klänge und poetische Texte erklangen letzte Woche in der Postgarage. Polkov und Plut schlossen das Jahr in gewohnter Manier ab.

Die Vorweihnachtszeit ist in vollem Gange, Menschen treiben emsig durch Graz und hauen ihr übriges Geld für gepanschten Glühwein raus. Indiepartment, ein Verein für alternative Musikförderung rückt diesem Gewimmel entgegen und veranstaltete am vergangenen Donnerstag ihre letzte Konzertreihe des Jahres. Besinnlich konnte man es ohne Übertreibung nennen. Das zur Zeit fünfköpfige Kollektiv Polkov gastierte mit seinem neuen Album „Closer“ in der Postgarage. Als Unterstützung konnte Paul Plut, Kopf der Band Viech, gewonnen werden.

Lieder vom Tanzen und Sterben

(c) Gert Kragol

Der Saal war schon recht ordentlich gefüllt als Plut die Bühne betrat. Er bildete von Anfang an eine Symbiose zwischen seinem Auftreten und seiner Musik. Nur mit Gitarre und Looper bewaffnet schmetterte er dem Publikum sehr intime Texte entgegen, konnte die ZuschauerInnen aber nie gänzlich auf seine Seite holen. Zu lang waren die Nummern; zu wenig Nachdruck herrschte bei den beschwingteren Passagen. Viel Potenzial wurde bei den Loops liegen gelassen, da kann er in Zukunft noch mehr an Rhythmus und Feinheiten herausholen. Nichtsdestotrotz hat Plut ein sehr herausstehendes Merkmal: Authentizität. Er kam durch und durch ehrlich und charakterstark rüber. Außerdem war es eine Freude, seinen perfekt gewachsenen Oberlippenbart beim Singen zu beobachten. Plut hat erst kürzlich einen Vertrag mit Wohnzimmer Records unterschrieben und wird in Zukunft bestimmt zu den besser gebuchten Solo-Künstlern Österreichs gehören.

Der Funke ist nicht übergesprungen

Dann waren Polkov an der Reihe. Es wird für eine Zeit das letzte Graz-Konzert werden und so präsentierten sie sich auch. Mit ihrem neuen Album „Closer“ im Gepäck legten sie von Beginn an alles in die Waagschale. Mit Witz und Charme gaben sie einen Querschnitt durch ihr gesamtes bisheriges Schaffen ab. Der Sound war voll und die musikalische Darbietung der Band extrem gut. Beim letzten Song des Sets kam Sänger Laurenz Jandl nicht um eine scharfsinnige Bemerkung herum: „Der Funke ist heut‘ nicht wirklich übergesprungen, oder?“ Ganz Unrecht hatte er damit nicht: Während Polkov auf der Bühne ein Lauffeuer entzündeten, blieb der nasse Waschlappen namens Publikum lauwarm daneben liegen. Erst bei der Zugabe, die sehr üppig ausfiel, wurde die Stimmung etwas besser. Auch das hat man nur Polkov zu verdanken, die noch mehr Herzblut und Motivation in die Abschlussnummern steckten.

Fazit

Erst als sich die letzten Schwaden der Nebelmaschinen verzogen, realisierte man, von welch guten Konzerten man heute Zeuge wurde. Die TechnikerInnen hatten den Sound immer im Griff, die Organisation war top. Einzig die Stimmung vor der Bühne ließ zu wünschen übrig. Insgesamt war es aber ein schöner Abend, voll gutem Songwriting und aufrichtigen Künstlern die, hoffentlich, nicht allzu lange auf eine Rückkehr nach Graz warten lassen.

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