Eine Party mit Wermutstropfen: Viech präsentieren ihr neues Album
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4.6STERNE

Die derzeit medial omnipräsenten Viech veranstalteten am Freitag die Release-Party ihres neuen Albums „YEAH“. Die Grazer Generalmusikdirektion diente den fünf Musikern mit Hang zu ausgefallenen deutschen Texten dabei als Veranstaltungsort.

Ein Heimspiel also für die Viecher. Und so viel kann verraten werden: Es war eine einzige große Party!

Den Abend eröffnete allerdings eine andere Band. Die zwei Alternative Popper von TheQuietNow lieferten eine solide Show ab, funktionierten aber trotz energetischer Drums nicht als optimale Anheizer, zu melancholisch waren ihre Songs, zu introvertiert die beiden Musiker. Da konnte auch ihre Coverversion von Polkovs Hit „Promised Land“ nichts daran ändern. Das Publikum kam nicht wirklich in Stimmung, was wohl an der recht düsteren Version des Liedes und den mangelnden Smalltalk-Künsten des Duos lag.

TheQuietNow eröffneten den Abend

TheQuietNow eröffneten den Abend

Da aber hauptsächlich Fans und Freunde der Grazer Band Viech das Konzert beehrten, war ein einleitender Motivationsschub gar nicht von Nöten. Unter frenetischen Jubel und zu den Klängen eines Mississippi-Blues-Songs betraten die Musiker mit lachendem Gesicht die Bühne. Man konnte aber bereits jetzt die erste Überraschung ausmachen, kam das nominelle Quintett doch nur zu viert auf die Bühne. Der fehlende Mann, Andreas Klinger-Krenn, Viech der ersten Stunde (ein Urviech?), verweilte im Publikum. Es war zwar bekannt, dass der Sänger, der mit seinem Soloprojekt KLINGER derzeit selbst in den FM4-Charts vertreten ist, seinen Wohnort von Graz nach Leipzig verlegt hatte, von einem Austritt wurde offiziell allerdings nichts verkündet.

Demokratie statt Leader

Die Band begann somit ihr Set zu viert und mit „Hudini“ einem äußerst tanzbaren Song des neuen Albums „Yeah“. Und von Anfang an wird klar, dass es sich hier um eine sehr demokratischen Band handelt, in der alle Musiker gleichberechtigt wirken. Sichtlich bzw. hörbar ist es unter anderem nur daran, dass nicht nur Gitarrist und Gründer Paul Plut den Gesang übernimmt, sondern Keyboarder David Reiterer Pluts verrauchte Bassstimme beinahe durchgehend doppelt. Doch auch Bassist Stephan Paulitsch, der an diesem Abend nicht nur seine beeindruckende Barttracht präsentierte, sondern auch ein weißes André Agassi-Gedächtnishemd der Marke Nike, darf permanent gesanglich glänzen. Schlagzeuger Christoph Lederhilger fehlt stimmlich ebenso wenig. Die vier Stimmen, die häufig zugleich ertönen, verleihen den ohnehin schon sehr flotten und druckvollen Songs noch mehr Punch, die Musiker singen aus voller Kehle um ihr Leben. Im Vorfeld verkündete die Band bereits, dass mit jedem neuen Mitglied nicht nur mehr Lautstärke zu dem ehemaligen Duo hinzukam, sondern pro Kopf auch noch 20 bpm. So spielen sich die vier Viecher mit hohem Tempo und viel Leidenschaft quer durch ihr neues Album und machen ordentlich Lust auf den Erwerb ihres neuen Tonträgers. Stücke wie die kraftklubartige Nummer mit clevererem Text „Bis du grau bist“ oder der Indie-Rock-Song „Fleischkrapfen“ kommen live noch eine Spur rockiger und härter rüber. Fans des ersten Albums kommen dennoch nicht zu kurz, da auch alte Hits wie „Laufgans“ von Viech voller Elan gespielt werden.

Temporäre Wiedervereinigung

Gegen Ende des Sets hin ist es dann doch soweit: Andreas Klinger-Krenn betritt für drei Songs unter tosendem Applaus die Bühne. Für den von Plut als „lieber Freund und Kupferstecher“ angekündigte Musiker war dies der letzte Auftritt mit der Band Viech. Und dieser Abschied schmerzt, nicht nur für die Bandmitglieder, sondern auch für die Hörer. Denn war der Auftritt der vier Grazer bis dahin ein sehr guter, wird er unter Mithilfe des mit starker Gesichtsbehaarung gesegneten Klinger-Krenn zu einem grandiosen. Zwar hatte man zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass der Band etwas abgehen würde, doch mit der musikalischen Unterstützung des nach Leipzig ausgewanderten Sängers und Gitarristen wirkte die Gruppe erst wirklich komplettiert. Mit Klinger-Krenn kam nicht nur eine zweite Gitarre, eine fünfte Stimme und eine Querflöte ins Spiel, sondern auch noch ein gesteigerter Esprit. Endgültig artet das Konzert in eine große familiär wirkende Party aus. Es wird gesungen, geschrien, getanzt, gegrinst und ganz viel umarmt. So macht Musik Spaß!

Nach der Verabschiedung von Klinger-Krenn stürzten sich Viech wieder als Quartett auf ihre restliche Songlist, die noch Perlen wie das kürzlich als Single veröffentlichte „Oh Elise“ beinhaltete. Als Viech für eine Zugabe abermals die Bühne betreten, lässt es sich auch Klinger-Krenn nicht nochmal nehmen spontan auf die Bühne zu hüpfen und seine Freunde mit stimmgewordener Leidenschaft zu unterstützen. Ein würdiger Abschluss, wenn auch ein leicht wehmütiger…

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