Anfangs ist der Saal in der szene Wien noch äußerst schmächtig gefüllt. Die ersten Besucher tummeln sich vor dem Merchstand, auf dem Panta R&E und die vier Bands ihr ganzes Arsenal aufgefahren haben, einige weitere sitzen noch in der Bar oder ziehen eine letzte Zigarette bevor der Startschuss zur zweiten Labelnight des jungen Wiener Label Panta R&E fällt.

Grundsätzlich konzentriert man sich bei Panta R&E auf laute und innovative Gitarrenmusik. So auch unschwer zu erkennen beim Opener des Abends She and the Junkies.

jugendliche Spielfreude

Mit einem lauten Knall starten die vier Niederösterreicher in ihr Set und locken so die ersten Zuseher vor die Bühne. Während des Auftritts sollten es von Minute zu Minute mehr werden. She and the Junkies gehen indes relativ weit in den Indie Rock, was sie durchaus von den anderen Bands des Abends abhebt, ihre Songstrukturen bleiben dennoch innovativ und komplex. Nicht selten sorgen sie für Überraschung beim Hörer indem sie eine komplette Kehrtwendung im Song machen. Man weiß nie so recht, was einen als nächstes erwartet. Auch vor sozialkritischen Statements auf der Bühne scheut man sich in keinster Weise. So spricht man mit „Roger, Home“ den bedenklichen Umgang unsererseits mit dem Planeten an und verweist bei „No One Stops Me Loving You“ auf das Recht zu lieben, wen oder was man will.

She and the Junkies - (c) Georg Z.

She and the Junkies – (c) Georg Z.

Doch was die Band über alle Maße auszeichnet ist diese Gänsehaut-verursachende jugendliche Spielfreude, die diese vier Typen an den Tag legen. She and the Junkies sind mit aller Sicherheit ein großes Versprechen an die Zukunft.
Mit einer Crowdfunding Kampagne für ihr neues Video arbeitet die Band bereits an ihrer Zukunft. Das Projekt ist auf jeden Fall einen Augenblick unserer Aufmerksamkeit und den einen oder anderen Euro wert. Hier gehts zur Kampagne.

erfahrener Perfektionismus

Mit Lausch folgt ein krasser Kontrastpunkt – krass im Rahmen der sehr klaren musikalischen Ausrichtung von Panta R&E. Es geht weg vom jugendlichen Sturm und Drang von She and the Junkies, hin zu viel Erfahrung und zum ausgeprägten Hang zum Perfektionismus von Lausch.

Lausch - (c) Georg Z.

Lausch – (c) Georg Z.

Dieser Perfektionismus und ein fehlender Soundcheck sind vielleicht dafür ausschlaggebend, dass speziell am Anfang des Sets ein wenig die elektrisierende Energie fehlt, die man sich für den Start erhofft hat. Natürlich täuscht das nicht darüber hinweg, dass die drei Musiker von Lausch genau wissen was sie tun, mit „Glass Bones“ erst kürzlich ein herausragendes Album präsentiert haben und ihre Musik abartig gut ins Ohr geht. Lediglich ein wenig mehr Lockerheit während der ersten Songs hätte gut getan. Doch von Song zu Song löst sich auch dieses Problem in der rockgeschwängerte Luft der Szene auf. Lausch kommen immer besser rein und es wird klar: Lausch machen eben jene epische Rockmusik, die auf eine große Bühne mit einer großen Show gehört. Kein Zweifel, dass das mehr als sehenswert wäre.

niederländisches Retro-Feeling

DeWolff tanzen im Anschluss aus der Reihe: Die Niederländer sind die einzige Band bei den Panta R&E Labelnights, die nicht beim Label unter Vertrag sind. Da sie in den vergangenen Tagen jedoch einige Konzerte mit Mother’s Cake gespielt haben und ihre Musik nicht nur hörenswert ist, sondern auch gut ins musikalische Konzept passt, hat man sie auch für diesen Abend in der szene gebucht.

DeWolff - (c) Georg Zsifkovits

DeWolff – (c) Georg Zsifkovits

Bei ihrer Musik und ganz besonders ihren Outfits fahren DeWolff ganz bewusst die Restro-Schiene. Stiefel, Hemden, lange Haare und Fransenlederjacke zelebrieren den Hippie-Kult. Ihre Musik ist eine Fusion aus Hippie Sound a la CCR, ausgeprägten Southern Rock-Einflüssen und modernem Indie-Tum. Dazu bringen die drei Musiker eine mächtige Portion Energie mit, die das Publikum in Jubel und Geschrei verfallen lässt. Bei den ausgeprägten Instrumental-Parts kommt mehr als einmal Gänsehaut auf.

progressiver Superlativ

Mittlerweile ist der Saal sehr gut gefüllt. Natürlich würde das eine oder andere Dutzend noch Platz finden, doch die Stimmung ist auch so ausgelassen, als Mother’s Cake auf die Bühne gehen, um sich selbst ein Denkmal zu setzen.

Mother's Cake - (c) Georg Z.

Mother’s Cake – (c) Georg Z.

So viele Superlative würden hier nur noch als übertriebene Schleimerei rüberkommen, deshalb in aller Kürze: Mother’s Cake rauben dir den Atem, übertreffen deine ohnehin schon bedenklich hohen Erwartungen, die Band macht dich schlicht fertig. Am Ende des Abends warnt Sänger Yves Krismer das nach Zugaben lechzende Publikum: „Ihr werdet heute alle euren Zug verpassen“. Doch an diesem Abend, an dem selbst die Ich-finde-alles-scheiße-was-ihr-mögt-Journalisten ihre Argumente verlieren, verpasst man gerne seinen Zug.
Man kann sich wohl glücklich schätzen, diese Band noch einmal in einem so kleinen Wiener Club gesehen zu haben. Früher oder später müssen Mother’s Cake international durch die Decke gehen.
Bis dann endlich ein findiger Journalist sagen kann, Mother’s Cake seien überbewertet, weil Rihanna und Taylor Swift doch viel zeitgemäßere Popmusik machen und besser tanzen.

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