Granada live – eh ok?
Stimmung
Gedränge
Schweiß
Granada
Onk Lou & The Better Life Inc
4.3Sterne

Seit Montagabend machen Granada die Bühnen des Landes im Zuge ihrer Headliner-Tour unsicher. Das sorgt zu allererst für immerwährende Ohrwürmer und schweißtreibende Konzertabende. Onk Lou leistet tatkräftige Unterstützung.

Mittlerweile sind Granada dem größten Teil der Leser und Leserinnen ein Begriff. Man muss sie natürlich nicht mögen, doch ein ausverkauftes Grazer ppc beweist, dass sie sich sehr großer Beliebtheit erfreuen. Granada haben in den vergangenen Monaten mit ihren Singles – allen voran „Palmen am Balkon“ – und der Veröffentlichung ihres Debütalbums „Granada“ mehr Fans gesammelt als Jay Leno Autos.

Onk Lou & The Better Life Inc

Nach mehreren Solo-Auftritten in Graz spielt Onk Lou zum ersten Mal mit seiner Band The Better Life Inc hier, und die verleiht seinen Songs nochmal mehr Energie und Tanzbarkeit, als es der Niederösterreicher alleine mit Gitarre und Gesang schon vermag.
In seinen Gebärden auf der Bühne, sogar ein wenig in seiner Stimme mag Onk Lou den einen oder anderen an Jack Black erinnern. Glücklicherweise gestaltet sich sein künstlerisches Schaffen aufregender und frischer als Blacks Ergüsse der letzten Jahre. Onk Lou gibt sich mit seiner beeindruckenden, rauen Stimme einem eingängigen, irisch angehauchten Folk Rock hin, Ohrwurmpotential inklusive. Das Publikum zeigt sich durchwegs begeistert. Eine gute Wahl, um diesen Konzertabend eröffnen zu lassen. Darüber hinaus fängt an Abenden wie diesem – oder wie auch beim Styiran Sounds Festival wenige Wochen zuvor – die heimische Musikszene richtig zu funktionieren an: Eine heimische Band füllt einen Konzertsaal und holt sich einen talentierten und aufstrebenden Act dazu, und bietet dem Publikum auf diesem Weg einen wirklich hochqualitativen Konzertabend. Denn auch Onk Lou wird vielens Besuchern im Kopf geblieben sein.

Es spielt Granada – endlich

Mit der Absage des Nuke Festivals Anfang September mussten alle hiesigen Granada-Fans eine herbe Enttäuschung erleiden. Schließlich hatten sich die Granada Hits „Ottakring“, Piña Colada“ und „Palmen am Balkon“ schon damals den Weg durch die Lautsprecher des ganzen Landes gebahnt. Und dann noch ein Festivalauftritt vor Heim-Publikum – was wäre das für ein Auftritt geworden?
Drei Monate später lüftet sich der Vorhang der ppc-Bühne und Granada holen alles nach, was sie und ihre Fans damals verpasst haben. „I sogs da glei“ erschallt, das Publikum ist begeistert und stimmt mit ein: „I sogs da glei. Oba zerst muss i amal lebn und muss bestehen und muss verstehen. I sogs da, für immer z’jung…“
In seine Liebesbekundungen an ihre „Herzensstadt“ Graz packt Thomas Petritsch seinen ganzen Charme und lässt das Publikum frohlocken. So wird „Wien wort auf di“ zu „Graz wort auf di“. Ein Texthänger erscheint da nur noch umso charmanter und lässt alle im Saal, auf und vor der Bühne, grinsen.
Ihre erfolgreichen Singles, die sich auch aufgrund der gewitzten Videos großer Beliebtheit erfreuen, halten Granada vorerst weitestgehend zurück. Umso stärker fällt auf, wie bemerkenswert textsicher das Publikum bei der Sache ist. Ihr Debütalbum gestaltet sich als derart knackig und schlagkräftig, dass jeder einzelne Song zur Single wird. Ja selbst bei drei neuen Nummern, die Granada an diesem Abend zum Besten geben, ist das Publikum aufmerksam dabei. Da wäre zum Beispiel „Liebesgrüße aus Graz“. Wohin diese Grüße gehen? Nach Berlin, wo die Exfreundin mit ihrem Neuen ihr Dasein fristet. Granada wissen, wie sie die Herzen ihres Publikums im Sturm erobern.
Dementsprechend intensiv sind die Emotionen beim Publikum als „Ottakring“, „Piña Colada“ und „Palmen am Balkon“ dem Abend die Krone aufsetzen.
Nach rund 75 Minuten ist die große Granada-Show zu Ende. Denn ähnlich knackig und durschlagkräftig wie ihr Album, gestalten sie ihren Auftritt. Nichts wird künstlich in die Länge gezogen, keine Intensität leichtfertig verspielt. Die Power-Pop-Songs der Band werden genau als solche auch auf die Bühne gebracht – hochenergetisch eben.

Ob Granada auf der Bühne halten, was sie auf ihrem Debütalbum versprechen?
Is jo eh ois, eh ok halt!

Mehr zu Granada

Ihr wollt mehr über Granada erfahren? In unserem ausführlichen Video-Interview, das für PARADOX 03 im Sommer 2016 entstanden ist, sprechen Thomas Petritsch und Gitarrist Lukacz Custos über die Entstehung der Band, das Songwritertum und ihr Album „Granada“.

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