Große Melodien im schroffen Gewand: Two Gallants rockten Graz
Songs
Sound
Publikum
Supportband
4.2Sterne

Die Vorfreude bei den heimischen Fans war groß als bekannt wurde, dass der sehr aktive Grazer Verein zur Förderung alternativer Musik und Popkultur indiepartment das San Franciscoer Duo Two Gallants in die postgarage bringen wird.

Am Mittwoch, den 04.11.2015 war es dann endlich soweit: Adam Stephens (Gesang, Gitarre) und Tyson Vogel (Schlagzeug) betraten um etwa 21:30 Uhr den kleinen dunklen Konzertsaal in der Dreihackengasse.

Eröffnet wurde der Abend allerdings von den ziemlich okayen Please The Trees. Den drei Herren aus der Tschechischen Republik wurde die Ehre zuteil, die Two Gallants bei einigen Auftritten ihrer Europa-Tournee zu supporten. So führte dieser Supportslot die Band auch nach Graz, wo gleich zwei Premieren auf sie warteten: zum ersten Mal in ihrer Karriere enterten sie eine österreichische Bühne und zum ersten Mal absolvierten sie ein Konzert ohne ihren Bassisten, der kurzfristig krankheitsbedingt die weiße Fahne schwenken musste. So waren es nur Václav Havelka (Gitarre, Gesang) und Jan Svačina (Drums), die die bis dahin wenigen anwesenden Grazer mit ihrem leicht mystisch anmutenden Rock beschallten. Havelka, mit langem Poncho bedeckt, lässt ob seiner Optik und seiner ungewöhnlichen roten Gitarre Ähnlichkeiten mit Dan Auerbach von den Black Keys aufkommen. Musikalisch stehen die Tschechen allerdings in einer anderen Tradition als das Duo aus Akron, Ohio. Sind auch sie Feedbackorgien und Fuzz-Pedalen nicht abgeneigt, erklingen die Songs des Trios um einiges düsterer, und wie es der Bandname bereits vermuten lässt, auf eine sonderbare Art naturverbundener. Auch spielen Please The Trees nicht so stark songorientierten Rock, sondern wiederholen Riffs gerne mantraartig und improvisieren dabei mit Klängen und Geräuschen aus dem Gitarrenverstärker.

Souveränität bei erschwerten Bedingungen

Mann weniger Worte, aber großer Emotionen: Adam Stephens

Mann weniger Worte, aber großer Emotionen: Adam Stephens (Fotocredits: FB Two Gallants)

Als die Two Gallants nach kurzer Umbauphase, die mit seltsam unpassender Chillout-Musik überbrückt wurde, anschließend die Bühne betreten, hat sich der Saal nur bis etwas über die Hälfte gefüllt. Das hatte zwar den nicht unwichtigen Vorteil, schneller an sein überteuertes Bier zu kommen, jedoch hätte sich das aufregende Duo mit den großen Melodien aber kleinen Gesten ein weit größeres Publikum verdient. Selbst viele der anwesenden Zuhörer wirkten nicht sonderlich euphorisiert, was keineswegs an der tadellosen und energiereichen Performance der Band liegen konnte. Eine komische Stimmung lag in der Luft. Der Auftritt versprach also kein Selbstläufer für Stephens und Vogel zu werden. Allerdings ließen die zwei Routiniers, die heuer ihr bereits fünftes Album veröffentlicht haben, keine Zweifel an ihrem Können und ihren großartigen Songs aufkommen. Als Opener wählten die zwei Mittdreißiger die Single vom selbstbetitelten 2007er Album „Despite What You’ve Been Told“, was die Kenner im Publikum in helle Freude versetzte. Nachgelegt wurde mit dem grandiosen Song „We are undone“ vom heuer erschienenen gleichnamigen Longplayer, das mit seinem grandiosen Gitarrenriff selbst die unmotivierten Hörer in der Menge zumindest zum zustimmenden Kopfnicken brachte. Ebenso beeindruckend wie der Song selbst ist Stephens Reibeisenstimme, die über hohen Wiedererkennungswert verfügt. Eigentlich kaum zu glauben, dass der Sänger jeden Tag mit dieser Inbrunst und Rauheit singen kann, ohne seine Stimme zu verlieren. Dass Stephens allerdings nicht nur Krächzen kann, beweist er in den Balladen, die an diesem Abend ebenfalls nicht zu kurz kommen. Stimmlich erinnert das manchmal an The Gaslight Anthems Brian Fallon und selten sogar an Brandon Flowers (The Killers), allerdings ohne den aufgesetzten Pathos. Apropos The Gaslight Anthem: einen Song wie „Steady Rollin`“ hätten die US (Punk-)Rocker auf ihrem letzten Werk wohl auch gerne gehabt.

No Talking, just rocking

Two Gallants servieren das ganze Paket: beinharten Rock, Ska-Ausflüge, exzellentes Folk-Rock-Fingerpicking, treibende Drums, leidenschaftliche Blues-Songs und zum einander in den Armen liegen schöne Schunkler. Dass das alles so hervorragend funktioniert und nahtlos ineinander greift, dafür sorgt die Spielfreude der beiden Musiker und die dadurch freigesetzte Energie. Was sie an Power in ihre Musik setzen, fehlt dem Duo allerdings auf kommunikativer Ebene. Bis auf ein paar wenig gemurmelte Sätze und ein „Cheers“ bekommt man nichts von ihnen zu hören. Und wenn einer spricht, ist es nicht der kurzhaarige Blonde an der Gitarre, sondern der mit Haaren zugewachsene Schlagzeuger Vogel, der seine beleuchtete Bass-Drum eineinhalb Stunden mit hoher Expressivität bearbeitet. Stephens beäugt die Menge währenddessen mit streng prüfenden, listigen Blick, den Mann sonst nur von Pink Floyd-Legende David Gilmour kennt. Dass der mangelnde kommunikative Aspekt allerdings nicht ins Gewicht fällt, dafür sorgen geniale Songs wie „Some Trouble“. Der mit Schlagzeugsolo eröffnete Stampfer vom neuen Album ist ein kraftvoller Blues-Song, der vor Kraft und Leidenschaft nur so strotzt. Überhaupt zünden alle Stücke vom im Februar erschienen Album „We are undone“ sofort. So auch der tragische Piano-Blues „Invitation to the Funeral“, das mit seinem Staccato-Riff an die Version der White Stripes des Blues-Klassikers „St. James Infirmary“ erinnert.

Nach einem recht kurzen Set werden die Herren nochmal auf die Bühne gebeten und lassen sich zu drei Zugaben überreden. Unter anderem beglücken sie die Fans mit dem Hank Williams-Klassiker „Settin‘ the woods on fire“, der der Band wie auf den Leib geschneidert anmutet, was nicht nur daran liegt, dass Stephens seinem Spezialgebiet, dem Fingerpicking bei stark angezerrter Gitarre, frönen kann. Da ist es beinahe verschmerzbar, dass die Band auf ihren potentiellen Indie-Rock-Hit „Fools like us“ verzichtet.

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