Am Donnerstag dem 02. Mai 2015 lud das Progressive-Rock Trio Mother’s Cake in das Grazer p.p.c. Mit an Bord waren dabei Songs von ihrem neuen Album und die großartige Stoner Rock-Band Witchrider.

Die drei Tiroler Jungs von Mother’s Cake bestreiten derzeit eine kleine Tour durch Österreich, um ihren am 06.05.2015 erschienenen Longplayer „Love the Filth“ zu promoten. Für ihre Show im p.p.c angelten sie sich die Grazer Truppe Witchrider als Unterstützung. Während einige Besucher noch die laue abendliche Frühlingsluft genossen, erklangen bereits die schweren Gitarrenriffs der Stoner Rocker im Inneren – der Startschuss für einen höchst aufregenden und rockigen Abend und für die Nikotinabhängigen die Aufforderung ihre Sucht kurz beiseite zu schieben und ins p.p.c zu stürmen. Witchrider, mittlerweile so etwas wie eine absolute Bank in der Grazer Rockszene, legten mit ihrem bewährten Opener „OCD“ los und bauten damit den Grundstein für eine 50-minütige Show voller doomigen Riffs, mystischen Klängen und ganz vielem Headgebange. Bei Songs wie „The Fog“, zu dem die Grazer auch ein Video veröffentlicht haben, konnte sich kaum einer der Besucher, die die Spielstätte bis dahin halb ausfüllten, einem ostinaten Kopfnicken verwehren.

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Brachten die Wüste ins p.p.c.: Witchrider

Das darauf folgende „I’m outta breathe“ kündigte Sänger Daniel Dorninger als „Song für alle Ladies“ an und zeigt Witchrider von ihrer „freundlichsten“ Seite, nur um mit „Shedevil“, bekannt von ihrer, von den Fans hochgeschätzten EP, wieder voll Gas zu geben. Als die Band zur ersten und einzigen Zugabe ansetzt, ist das p.p.c bereits sehr gut gefüllt. Trotz des absolut souveränen Auftritts der vier Stoner Rocker bleibt das Publikum jedoch merkwürdig reserviert, was sich während dem Auftritt des Hauptact anfangs auch nicht wirklich änderte. Es muss natürlich zugegeben werden, dass Witchrider nicht „Anheizer“ im klassischen Sinne sind sind und so auch nur spärlich mit den Menschen vor ihnen kommunizierten. Jedoch spricht ihr okkultisch angehauchter Wüstenrock ohnehin für sich selbst. Ein paar Dezibel mehr wären dem Grazer Quartett allerdings gut zu Gesicht gestanden. Wer sie schon mal gesehen hat weiß, dass sie ihre Amps am liebsten bis zum Anschlag aufdrehen. Doch an diesem Abend war es wohl das Los des Supportacts, das sie nicht in gewohnter Lautstärke musizieren ließ.

Bewährte Rezepte

Nach einer 20-minütigen Umbaupause betraten dann Mother’s Cake wortlos die Bühne. Lässig wurde erst mal vor sich hingejammt. Erst langsam kristallisierte sich aus dem stark Blues-angehauchten Intro ein Song heraus, der auch schon die Richtung des weiteren Konzertverlaufs vorgab. Die drei exzellenten Musiker aus Tirol feuerten von Beginn an extrem dynamische und groovige Songs in die Menge, die mit allerhand rhythmischen Raffinessen aufwarteten. Das lässt die Lieder zwar grundsätzlich etwas sperrig anmuten, jedoch fesseln sie den Hörer trotzdem sofort. Das liegt wohl auch daran, dass Mother’s Cake eine ausgezeichnete Live-Band ist, deren sich vom klassischen Songwriting losgelösten Lieder internationale Klasse besitzen. Das Selbe gilt für die musikalischen Fähigkeiten der drei Musiker. Schlagzeuger Jan Haußels wirbelt mit absoluter Präzision über sein Drumkit, dass es nur so eine wahre Freude ist und häufig staunende Augen hinterlässt, während sein Rhythmus-Partner Benedikt Trenkwalder den Bass so funkig und zugleich auch hart und melodiös spielt, dass wohl auch die Chilischote Flea anerkennende Worte finden würde. Sänger und Gitarrist Yves Krismer sorgt mit seiner Stratocaster und seiner fabelhaften Rockstimme für die Glanzmomente. Seien es flotte Funk-Passagen, Rage against the Machine-artige Riffs oder virtuose, häufig mit Wah Wah garnierte Sololäufe – Krismer braucht sich keineswegs vor der weltweiten Konkurrenz verstecken. Dass die Songs ihres neuen Albums denen ihres starken Debütwerks „Creation’s Finest“ in nichts nachstehen, wird von Anfang an klar. Dafür greifen die Herren mit dem gewöhnungsbedürftigen Namen auf bewährte Rezepte zurück. Auch in ihren neuen Songs springt die Tiroler Band fröhlich zwischen unterschiedlichen Taktarten hin und her, als wäre es das selbstverständlichste der Welt. Dass dabei innerhalb eines Liedes schon mal häufiger das Genre gewechselt wird, darf für den Mother’s Cake-Fan als gewiss angesehen werden.

Der Virtuositäts mühsamer Lohn

Noch extremer als Witchrider vermieden die Local Hero-Gewinner von 2010 die Kommunikation mit dem Publikum so gut es ging. Nach den ersten beiden Songs und bereits viel vergossenem Schweiß, lässt sich Sänger Krismer immerhin zu einem zaghaften „Hallo“ hinreißen. So boten Mother’s Cake zwar eine grandiose musikalische Darbietung, der Funke schien aber auf Anhieb nicht so recht auf die Zuhörerschaft überspringen zu wollen, was sich auch im manchmal spärlichen Applaus zwischen Songs widerspiegelt. Vermutlich waren einige Besucher mit dem musikalischen Variantenreichtum der Band schlichtweg überfordert. Die drei Prog-Funk-Rocker ließen sich allerdings dadurch nie irritieren. Eingetaucht in blaues Licht und leichte Nebelschwaden fiedelte sich Krismer regelrecht in einen Rausch und sprang auf der Bühne wie ein Flummi umher, während Trenkwalder mit seinem geslappten Bass nicht nur die Theke zum Vibrieren brachte. Die Spielfreude der drei perfekt abgestimmten Musiker sollte sich noch bezahlt machen. Immer mehr Leute ließen sich von der Energie anstecken, was zuerst in kollektivem Headbangen und anschließend in einem großen Moshpit direkt vor der Bühne mündete. Der Funke sprang also dann doch rechtzeitig über und so verwunderte es niemanden, dass die Band nach einer minutenlangen Klatscheinlage des Publikums wieder die Bühne betrat, um eine 15-minütige Zugabe zu geben. Bevor diese bestritten wurde, murmelte Krismer noch den im tiefsten Tirolerisch gehaltenen Satz „I bin a schlechta Entertainer“ ins Mikrophon. Damit hat er zwar nicht unrecht, doch war das am Ende jedem egal. Es gab nun kein Halten mehr und Band und Publikum drehten nochmal gemeinsam durch. Kurz nach 23 Uhr war Schluss und die Grazerinnen und Grazer wurden verschwitzt in die Nacht entlassen.

Fazit

Ein Konzert der besonderen Art! Mother’s Cake sind eine durchaus einzigartige Band. Und das in vielerlei Hinsicht. Musikalisch absolut top, benötigten die Musiker dennoch einige Zeit, das Publikum richtig zu fesseln. Was zugegebenermaßen auch kein leichtes Unterfangen ist, denn die Musik ist nicht für jedermann gemacht und auch die Songs vom neuen Album widersagen jedem Mainstream-Gedanken. Es fiel auch auf, dass die Band so gut wie kein Wort über ihr Neulingswerk verlor. Von Albumpromotion keine Spur. Ob man das für sympathisch oder schlichtweg dumm halten mag, sei dahin gestellt. Klar ist allerdings, dass Mother’s Cake eine äußerst feine Live-Band sind. Diese Stärke ist ihnen durchaus bewusst, haben sie den neuen Liedern doch genug Raum gegeben, um sie live so weit auszubauen, wie es ihnen beliebt. In den einzelnen Songs von „Love the Filth“ finden sich so viele Ideen, die andere Bands in zwei Alben verarbeiten.

Ein absolut gelungener Konzertabend also, mit zwei starken Bands, die man unbedingt zukünftig auf dem Radar haben muss. Wer auf anspruchsvolle, clevere und virtuos gespielte Rockmusik steht, wird sowieso nicht drum herum kommen Mother’s Cake auf einem ihrer Konzert die Ehre zu erweisen.

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