Mashup zweier Giganten im Gasometer.

Nachdem ich in letzter Zeit eigentlich fast nur auf kleinere Shows gegangen bin, war ich am Sonntag wieder einmal im Wiener Gasometer, diesmal bei der „Tour of the Year“, ein Co-Headliner von Parkway Drive und Heaven Shall Burn. Ein kleiner Kulturschock ist es ja immer wieder, wenn man gemütliche, kleine Venues mit niedriger (oder keiner) Bühne gewohnt ist. Im Gasometer ist alles durchorganisiert und bis auf die Minute geplant. So sollte es zumindest den Anschein machen. Aber fangen wir mal von vorne an.

Um 17:30 war Einlass, das klappte auch alles ganz gut, wie immer wurden den Leuten Deos und Getränke weggenommen – allerdings auch leere Becher, was ich nicht ganz verstanden habe, aber okay. Als ich dann meine Presse-Karte genauer angeschaut habe, die Ernüchterung: Sitzplatzkarte. Bis dahin hab‘ ich nicht mal wirklich gewusst, dass es im Gaso überhaupt Sitzplätze gibt. Ich dachte mir, gut, dann machen wir das Beste daraus. Nach ein paar Gesprächen mit Freunden und den Leuten am Sea Shepherd Stand (die Organisation war am Konzert vertreten um über die aktuellen Kampagnen aufzuklären und hatte auch eine kleine Auswahl an Merch dabei) ging ich dann rauf in die Galerie und war erstmal ziemlich beeindruckt von der Aussicht, aus dieser Perspektive habe ich die Halle noch nie gesehen.

Enttäuschung gleich zu Anfang

Die erste Band, Northlane, hatte zu diesem Zeitpunkt (es war 18:20 Uhr, offizieller Beginn 18:30 Uhr), gerade angefangen (glaubte ich zumindest) – und spielte sage und schreibe drei Songs. Den Grund für das kurze Set erfuhr ich nachher: Eigentlich hatten sie sieben Lieder im Set, allerdings begann dieses schon um 18:00. Die Leute darüber zu informieren, haben die Organisatoren versäumt. Das Resultat: Ziemlich viele angepisste Northlane-Fans, die teilweise nur wegen dieser einen Band da waren. Ich finde es eine bodenlose Frechheit, den Beginn einfach mal um eine halbe Stunde vorzuverlegen, ohne auch nur irgendeine Information von Seiten des Veranstalters, der Securities oder sonst jemandem.

Mittlerweile hat sich der Veranstalter Skalar Music via Facebook zu Wort gemeldet:

Skalar Facebook Post

Facebook-Posting von Skalar Music

Objektiv ist der Bericht ja sowieso nicht, also werde ich mal meine Meinung zu dem Post äußern: Das alles klingt sehr nach faulen Ausreden. Die Bands wussten lange vorher, wo sie am nächsten Tag hin müssen und haben das sicher in ihrer Zeitplanung bedacht. Außerdem könnte man bei so einer gravierenden Änderung zumindest ein Posting in der Veranstaltung auf Facebook erwarten, das dauert nicht länger als 20 Sekunden. Nicht einmal auf den Video Walls im Gasometer wurde die Änderung angezeigt. Daher: Die „Entschuldigung“ zählt für mich definitiv nicht.

Carnifex begannen um ca. 18:45 Uhr, die Stimmung war schon ganz gut – im Gegensatz zum Sound. Das ist im Gasometer aber nichts Neues. Klassiker wie „Lie To My Face“ und „Hell Chose Me“ wurden von den Leuten trotzdem mitgegrölt und es gab schon die erste Pit-Action.

Dann ging’s richtig los…

Kurz vor 20 Uhr ging’s dann mit dem Hauptteil der Show los. Die durch Stoff bedeckte Kulisse wurde enthüllt und es kamen zwei Drum Sets auf einem sicher drei Meter hohen Podest zum Vorschein. Die Halle füllte sich bis kein Fleckchen Boden mehr zu sehen war und ich war ziemlich froh, meinen Platz in der Galerie zu haben.

Den Anfang machten Parkway Drive mit „Wild Eyes“ und die Leute sind komplett durchgedreht. Auf den Moment haben alle gewartet und Parkway Drive enttäuschten nicht. Die Energie war förmlich spürbar und es ging richtig ab. Im ersten Block des Sets waren auch noch Songs wie „Karma“ und „Sleepwalker“, beendet wurde der erste Teil mit dem Cover eines Heaven Shall Burn Songs, und zwar „The Weapon They Fear“. Auch das meisterten die Australier mit Brillianz. Nahtlos ging die Show anschließend in das erste Set von Heaven Shall Burn über, die das Publikum mit „Voice Of The Voiceless“ begrüßten. Natürlich war der Vibe bei Heaven Shall Burn etwas anders als bei Parkway Drive, aber genau das machte die Show so interessant. Geendet hat der erste HSB-Block wiederum mit einem Cover, dem Parkway Drive Song „Unrest“.

Der zweite Teil der Show begann ohne Pause. Die Bands tauschten erneut die Plätze und weiter ging’s mit dem zweiten Set von Parkway Drive. Wie zu erwarten, wurden die Klassiker und allseits beliebten Songs rausgehauen. Bei „Deliver Me“ hielt es mich auch nicht mehr auf meinem Platz und ich musste einfach aufstehen und herumhüpfen, auch wenn das die (sehr unentspannten) Securities sicher nicht gerne gesehen haben. Es folgten „Romance Is Dead“ und „Home Is For The Heartless“, abgeschlossen wurde natürlich mit “Carrion”.


(Ist jetzt nicht das beste Video, aber vielleicht hilft’s ein bisschen, die Stimmung und Energie zu veranschaulichen.)

Der finale Wechsel folgte und Heaven Shall Burn heizten dem Publikum nochmal richtig ein, mit „Counterweight“ und „Like Gods Among Mortals“. Von Müdigkeit war weder von Seiten der Band noch des Publikums etwas zu spüren. Was allerdings in der Galerie sehr wohl bemerkbar war, war die aufsteigende Hitze und der zunehmende Schweißgeruch. Gehört auch dazu. Bei der Zugabe (muss ich es überhaupt erwähnen? „Endzeit“ mit dem Intro „Awoken“) wurde eine der größten Wall Of Deaths angezettelt, die ich in meinem Konzertgeher-Leben gesehen habe. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war ich unglaublich dankbar für die beeindruckende (und sichere) Perspektive von oben.

Fazit

Alles in allem war es eine wirklich beeindruckende Show und mal was Neues – das Konzept, dass sich beide Bands abwechseln, funktionierte super und machte das Ganze um einiges interessanter. Ich muss allerdings trotzdem erwähnen, dass sich der Veranstalter auf jeden Fall Gedanken machen sollte, wie er den Fans, die aufgrund der geänderten Beginnzeit Northlane verpasst haben, entgegenkommen kann.

Fotocredit: Alex

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