Hier steppt der (Matthäus) Bär
Band
Sound
Stimmung
Location
3.8Sterne

Vor ein paar Tagen verwandelte sich das wunderbar ausgestattete und technisch auf hohem Niveau arbeitende Radio Helsinki in der Grazer Jakoministraße in eine Manege der besonderen Art.

Matthäus Bär besuchte den Sender für ein öffentliches Gratis-Konzert. Was man über den erfolgreichen Musiker wissen sollte? Er macht seine Musik für Kinder – aber das nicht ausschließlich. Dass er ganz nebenbei das schlechte Image des 0815-Kinderliedes aufpoliert, gelingt ihm ganz einfach durch einen erheblichen Unterschied zu anderen Musikern seines Genres. Seine Musik ist im Instrumental sowie im Text ernst gemeint und qualitativ ein Hochgenuss.

Obwohl Matthäus Bär gerne den Vergleich zum Schlager zieht, habe ich eher Dinge wie Element of Crime im Kopf, was das Instrumental und die Stimmung in den Songs angeht. Verspielte Arrangements mit viel Platz für jedes Instrument in hervorragender Harmonie zum Song. Aus diesem Konzept heraus kreiert der Bär die unglaublichsten Ohrwürmer – nicht nur für den Fortpflanz. Die Texte sind für Groß und Klein mit feiner Klinge geführt und mit einer Zweideutigkeit die Raffinesse und Kreativität verlangt – gar nie plump und oft unverblümt ehrlich.

Der Bär inszeniert sich als Dandy im blauen Anzug mit goldenen Schuhen und silbernem Tom Jones Mikrofon auf den Spuren von Bryan Ferry. Die Kids singen dabei jede Textzeile laut mit. In seinen leider bisher wenigen aber sehr gut umgesetzten Musikvideos setzt Matthäus ebenfalls auf Klasse und Stil – so auch in dem aktuellen Video zu „Kohle“:

Schon eine Stunde vor Konzertbeginn erschien ich mit meiner 3-jährigen Tochter und meiner Freundin am Ort des Geschehens – das letzte Mal, als wir den Bären in Wien sehen wollten, kamen wir nicht mehr rein – die Location war zu voll. Aber diesmal hat´s geklappt und es war wieder voll – ein paar mehr Menschen hätten noch reingepasst, aber so konnten die Kinder wenigstens ordentlich zu den bekannten Songs abgehen.

Matthäus Bär ist kein Kasper – wer bei seinem Konzert Polonaise und Animationsgedöns a la Malle-Club-for-Kids sucht, ist hier an der falschen Adresse. Mitsingen und Klatschen ist natürlich erwünscht und die Kinder werden auch aktiv in das Konzert eingebunden. So kenne ich nun auch die Lieblings-Eissorte von gefühlten 70 fremden Kindern und durfte ein paar trocken erzählte und unfassbar lustige Einblicke in des Bärens Privatleben genießen.

Dass der Herr ein Profi ist merkt man sofort – er hat auf alles eine Antwort oder eine Geste und versteht es, die Aufmerksamkeit der Kinder vom ersten bis zum letzten Ton zu halten.
Seine Band, die sich die “Little Hipster Band” nennt, ist tip top und der Pfleger Pauli hat als “Special Guest” die Rassel geschwungen wie ein junger Gott. Sein altes Roland Stage-Piano hat er auch mitgebracht sowie seine orange Brille – ein Markenzeichen.

Das ganze Ding ist großartig live umgesetzt und es geht via Midi sogar das Licht mit. Drums spielen auf Click und ein paar Samples hat man auch im Gepäck, weshalb man auch ohne Bassman auskommt. Teilweise spielt der Bär den Bass am Keyboard oder spielt Gitarre – eine Squire Strat Mini in babyrosa. Ein absolutes Zuckerl.

Zum Schluss nimmt sich der Musiker noch ganz ausgiebig Zeit für seine Fans und signiert die Rosa-Ramsch-Gitarre meiner Tochter, ihr Shirt, ihre neue und ihre alte CD – Autogrammkarten hat er auch. Sie ist eben ein echtes Fangirl und der Bär genießt die Anerkennung seiner Fans.
Ein super Konzert für alle Altersklassen, in der richtigen Lautstärke im Freien Radio Helsinki, verpackt in eine Sendung, moderiert von David Künstner.
Musste ich meiner Tochter früher eine bizarre Vogelhochzeit auf der Gitarre vorspielen muss ich mir heute die Tabs vom “Arbeitslied” aus dem Ärmel ziehen oder besser noch – ihre signierte Matthäus Bär CD auflegen.

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