Hugh Laurie präsentiert auf der Grazer Kasematten-Bühne Lieder, die die Musik-Geschichte geprägt haben.

Es war ja schon länger zu spüren. Die drückende, sommerlich-schwüle Hitze machte sich in Graz breit wie ein unliebsamer Kinoplatz-Nachbar. Doch das, was sich da aufgestaut hatte, sollte sich in einer atemberaubenden Show aus Licht und Schall entladen. Das geschah allerdings nicht im Großraum des Grazer Beckens, sondern konzentriert im alten Mauerwerk der Kasematten über den Dächern von Graz.

Ich glaub ich sitz‘ im Jazz-Club

Es ist die Atmosphäre, die Jazz und Blues, live genossen, zu einem spektakulären Erlebnis machen. Keine Stadien oder anonyme Hallen. Der Blues, und alles was damit einhergeht, muss zelebriert werden und das wird hier auch gehörig getan. Schon das ‚Bühnenbild‘ bringt die Liebe zum Detail zum Ausdruck. Mit Hutständer, Hängeleuchte und anderen Requisiten dekoriert, erwecken die Gemäuer der Kasematten den Eindruck eines Jazz-Clubs der 20er Jahre, à la Cotton Club. Dieses Bild und die fabelhafte Copper Bottom Band versprühen von Anfang an einen Flair, dem nicht zu entkommen ist. Und zu diesem Zeitpunkt hat ‚er‘ noch nicht einmal die Bühne betreten.

„Er“ ist ganz klar ein wahrer Entertainer

Hugh Lauries Laufbahn führte ihn vom Theater über Film und Fernsehen zur Musik. Und den vollen Umfang dieser Erfahrung spielt er bei seinem Auftritt auch aus: Er spielt nicht nur Klavier und Gitarre, er spielt mit dem Publikum und der Copper Bottom Band. Hugh Laurie ist der Präsentator des Abends, drängt sich aber nie unangenehm in den Vordergrund; er gibt nicht den egomanischen Frontmann oder berühmten Fernsehstar, sondern ein vollkommen integriertes Mitglied der Kapelle. Das ganze Ensemble vermittelt gekonnt den Eindruck, dass die Leute auf der Bühne wirklich Spaß haben bei dem was sie machen, und es kommt keine Sekunde der Eindruck von trocken ‚runter gespielten‘ Songs auf. Zur Halbzeit wird noch zusätzlich mit einem Whiskey für alle der ‚Trockenheit‘ entgegen gewirkt.

Einen Abend lang quer durch die Musik-Geschichte

Bob Dylan hat es geschafft, sich einen schier unerschöpflichen Pool an Songs, die die Musik des 20. Jahrhunderts geprägt haben, selber zu schaffen und diese immer wieder neu zu arrangieren. Hugh Laurie bedient sich eines noch größeren Pools – nämlich der gesamten Bandbreite der Genres Blues und Jazz. Gleich zu Beginn wurde mit der Earl King Nummer Come On das ganze Publikum in die Performance miteinbezogen, was sich auch bis zum Grande Finale, bei dem es niemanden mehr auf seinem Platz hielt, durchzog.

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Dazwischen gab es ein herzzerreißendes Duett inklusive Tanz-Einlage von Hugh Laurie und der fantastischen Gaby Moreno von der Neuinterpretation des Tango-Klassikers El Choclo, Gospel in Form der Titel gebenden Nummer Didn’t it rain und einer atemberaubenden Performance von Jean McClain von Bessie Smith’s Send me to the ‚Lectric Chair, um nur einige zu nennen. Das ganze Programm ist kein Liederabend, sondern Unterhaltung auf höchstem musikalischen und entertainerischen Niveau, vorgetragen voller Enthusiasmus für die Sache, höchst sympathisch und vollkommen authentisch – und das Ganze aus Liebe zu der Musik, die das 20. Jahrhundert geprägt hat.

Foto: Michael Wilson, gaby-moreno.com

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