Heiß und stickig schlug es uns entgegen, als wir den winzigen Konzertraum im Wiener Shelter betraten. „Auf diese Bühne passen niemals fünf Menschen mit Instrumenten“, fuhr es mir durch den Kopf und ich malte mir schon aus, wie ein unschuldiger Keyboarder von einem Gitarrenhals durchbohrt werden würde.

Das Gedränge im Publikum war enorm. Der Schweiß der anderen KonzertbesucherInnen befeuchtete die Luft. Brillen beschlugen, das Bier wurde warm, bevor es die Kehle erreichte und die Spannung auf die bevorstehende Release-Show des Judo-Push Debüts „For The North“ war im Raum greifbar.

Die saunamäßigen Unannehmlichkeiten waren sofort vergessen, als Judo Push den ersten Song anstimmten. Der schottische Sänger Stuart Neville und seine  Wiener Kumpanen boten dem Publikum präzises Zusammenspiel, großartigen Sound und eine fesselnde Performance (trotz Mini-Bühne). Judo Push funktionieren nicht nur auf Platte, auch live sorgen sie für Gänsehaut.

Der Höhepunkt des Abends war die Single „Last Thing“, ein gnadenloser Ohrwurm, der zum Mithüpfen und Mitsingen anregte. Hitze und Sauerstoffmangel waren spätestens zu diesem Zeitpunkt vergessen. Zu den unbeschwerten, klaren Melodien der Band bietet Stuarts raue Whiskeystimme den perfekten Kontrast. So sind Judo Push davor bewahrt, im Indie-Einheitsbrei zu versinken, der sich sonst so durchs Radio schleppt.

Zum Review von „For The North“ geht’s hier.

Und als Video gibt’s Judo Push live im Wiener B72 mit „More I Talk“.

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