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Katatonia - Düsterklänge live in der Arena Wien
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Stimmung
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4.3Sterne

Katatonia gastierten am vergangenen Freitag in der Wiener Arena und sorgten für einen melancholischen Einstieg ins Wochenende.

Passend zum Herbstanfang kam mit den Schweden Katatonia am Freitag eine weitere Band nach Wien, die das düsterer werdende Wetter musikalisch passend untermalte. Vor dem großen Auftritt der Melancholie-Meister selbst sorgten allerdings noch die beiden Support-Bands Agent Fresco und Vola für einen prog-tastischen Einstieg in den Abend.

Vola

Die Klänge des Openers Vola konnten viele zunächst leider nur aus etwas weiterer Entfernung genießen. Aufgrund der diesmal immens langen Schlange am Einlass schaffte ich es erst knapp vor der Halbzeit des Gigs in die große Halle. Die verbliebenen 20 Minuten konnte ich die Band dann endlich aus nächster Nähe begutachten und kostete diese umso mehr aus. Frontmann und Gitarrist Asger Mygind richtete zwar stellenweise dankbare Worte an das bereits brechend volle Auditorium, größtenteils blieb die Band jedoch eher zurückhaltend und ließ die Musik für sich sprechen. Und die hatte es wahrlich in sich: Sämtliche Genre-Grenzen außer Acht lassend, vereint die Band aus Kopenhagen von 70er inspiriertem Progressive Rock über modernen Electro bis hin zu Metal-Passagen gekonnt den ein oder anderen Stil und macht daraus ihre ganz eigene Musikrichtung, die sich wunderbar mit der Stimme von Frontmann Asger zusammenfügt. Songs wie „Stray The Skies“, „Starburn“ oder „Your Mind Is A Helpless Dreamer“, das auf dieser Tour zum ersten Mal live gespielt wurde, sorgten für eine wundervolle Atmosphäre. Auch das Publikum gab sich eher bedeckt (oder war es lediglich in den Bann der betörenden Vola-Klängen gezogen worden?), verabschiedet wurde das Quartett jedoch lautstark. Den Forderungen einer Zugabe konnte leider nicht nachgekommen werden. Bleibt nur zu hoffen, dass es die Dänen bald erneut in die heimischen Gefilde verschlägt.

Agent Fresco

Agent Fresco im Anschluss durften da schon eine deutlich höhere Fanquote für sich verzeichnen – zur Stagetime um 21:00 Uhr wurde die Band lautstark in Empfang genommen. Die Band sprühte nur so vor Motivation und vor allem Frontmann Arnór Dan Arnarson legte so viel Elan an den Tag, dass kurz nach Konzertbeginn seine Hose im Schritt riss. Von einer Unterbrechung wurde jedoch abgesehen und so verzauberte die Band ihr Publikum immer weiter. Mit Melancholie und einem Hauch Düsternis kennen sich auch Agent Fresco bestens aus – kein Wunder, immerhin stammt das Quartett aus Island. Eine Herkunft, deren Einflüsse sich auch in ihrer Musik nicht verleugnen lassen. Ungezähmt, anmutig und unergründlich – Adjektive, die sowohl auf Island, als auch auf das Quartett selbst zutreffen. Auch in stimmlicher Hinsicht wurde das begeisterte Publikum während des Konzerts Zeuge eines Wechselbades der Tonlagen. Von hohen Tönen bis zu den Untiefen des gutturalen Stimmspektrums und wieder zurück, hatte Frontmann Arnór einiges zu bieten. Dieser konnte sich gar nicht oft genug beim Publikum für die durchweg positive Stimmung bedanken, das nach Ende des Auftritts gar nicht aufhören wollte zu klatschen.

Katatonia

Donnernden Applaus ernteten dann natürlich auch die Melancholie-Könige, wegen derer man vorrangig gekommen war: Katatonia. Vor knapp 30 Jahren ins Leben gerufen, gelten die Schweden als Meister ihres Fachs und wissen mittlerweile ganz genau, wie man mit stimmig zusammengesetzten Setlists auch live für die perfekte Atmosphäre und Gänsehaut-Flair sorgt. Das Konzert in der Arena Wien bildete da keine Ausnahme: Obwohl die Tour zumindest namenstechnisch im Zeichen des vergangenen Mai erschienenen Albums „The Fall Of Hearts“ steht, wurde wie gewohnt eher auf ältere Werke zurückgegriffen. Songs wie der Opener „Last Song Before The Fade“, „Dead Letters“, „Saw You Drown“ – das zum ersten Mal seit fünf Jahren wieder live gespielt wurde – oder „In The White“ waren Träger der Düster-Klänge für Fortgeschrittene, die für eine ganz besondere Stimmung im Saal sorgten. Auch bei Katatonia lag der Fokus eher auf Musik denn auf Kommunikation, wodurch der atmosphärisch dargebotene Weltschmerz jedoch nur noch besser zur Geltung kam. Nach „Forsaker“ aus dem 2009er-Album „Night Is The New Day“ sollte scheinbar Schluss sein, doch nachdem Zugabe-Forderungen schnell laut wurden, wollte die Band das Publikum offenbar nicht zu lange auf die Folter spannen und enterte die Bühne schnell wieder, um noch mit einer vierteiligen Zugabe, die die unabkömmlichen Hits „My Twin“ und „July“ enthielt, nachzulegen. Dann war aber wirklich Schluss und das Publikum wurde, beflügelt von den wunderbaren Melancholie-Klängen, in die kalte Herbstnacht entlassen.

Fazit

Auch nach fast 30 Jahren Bandbestehen wissen Katatonia immer noch, ihren Fans atmosphärische und emotionale Live-Erlebnisse zu bescheren, obgleich es doch etwas schade ist, dass aktuelle Werke oftmals nahezu außer Acht gelassen werden. Die Support-Bands Agent Fresco und Vola sorgten für einen stimmigen Einstieg in den Abend und konnten aufgrund ihrer tadellosen Performances sicher einige Fans hinzu gewinnen.

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