Düstere Schönheit, glasklar auf den Punkt gebracht: die Musik von Lausch ist sphärisch-nostalgisch, aber auch determiniert-hart, komplex aber zugänglich.

Die besten Konzerte sind oft die, die ‘passieren’ – so war ich vor Kurzem, wie so oft, auf ein spontanes Bier im Wakuum und erfuhr an der Bar, dass es heute „Math Rock“ zu hören gibt. Konstruktionen die das Wort „Math“ beinhalten, lösen bei mir reflexartig schlechte Assoziationen aus – klingt nach Mathe, klingt nach zu vielen Taktwechseln um noch Spaß zu machen, klingt nach dickem Headbanger, klingt nach technisch perfekt aber seelenlos.

Weit gefehlt. Die Wiener Band Lausch macht Rockmusik, die ihresgleichen sucht und ich kann eigentlich nicht glauben, dass diese Band nicht viel bekannter ist.

Hart, sphärisch, melodiös, zugänglich

Genauso wie die besten Wissenschaftler diejenigen sind, die komplizierte Dinge einfach ausdrücken können, schaffen es Lausch, Songs zu schreiben, die komplex aufgebaut, rhythmisch perfekt durchdacht und technisch anspruchsvoll sind, aber dennoch melodiös und zugänglich. Das Ganze ist erfrischend hart und brachial, aber glasklar. Und, im Gegensatz zu vielen Bands, deren musikalisches Spektrum relativ eingeschränkt ist und deren Songs dann doch irgendwie alle aus dem gleichen Holz geschnitzt sind, trauen sich Lausch, verschiedene Stilelemente einzubauen, sodass kein Song dem anderen gleicht, sich aber trotzdem ein roter Faden durch das Gesamtwerk zieht. Da treffen gefühlvolle, teilweise durchaus ‚balladenartige‘ Melodien auf unerwartete Taktwechsel auf fette Gitarrenriffs auf Endzeitstimmung auf Wutausbruch. Ein gutes Beispiel dafür ist finde ich „Safe in the Rain“ (vielleicht mein momentaner Liebling von Lausch): beginnt grungig-rockig und klingt im Refrain ein bisschen nach Porcupine Tree, dazu Lyrics, die nicht nur musikalisch passend, sondern auch überlegt, melancholisch-schön und memorabel sind („I can’t get rid of myself/that burning rain ain’t hurting me/although it’s breaking my shell“).

Lausch‘ Lausch unbedingt live

Die Herren von Lausch wissen jede Sekunde was sie tun (und sie tun das auf ganz hohem Niveau) aber dennoch – oder wahrscheinlich genau deshalb – lassen sie sich auf der Bühne fallen und genießen sichtlich jeden Moment ihrer Musik. Aus Publikumsperspektive hat sich das angefühlt, als würden sie einen mitnehmen auf einen Wellenritt auf hoher, stürmischer See, der nicht von der sanften Sorte ist aber abenteuerlich, energetisch, und jede Welle ein neuer Höhepunkt.

Dafür, dass mit Lausch eine selten gute Band auf der Bühne stand, waren eigentlich viel zu wenig Leute da – gleichzeitig machte genau das einen Teil der guten Vibes aus, denn so wurde das Ganze persönlicher und die Band nahbarer. Besonders sympathisch war, dass Lausch auch für ein überschaubares Publikum alles gaben – ich glaube, mich an drei wahnsinns Zugaben erinnern zu können. Habe schlussendlich mein letztes Geld zusammengekratzt und ihr neues Album mit dem düsteren Titel „Canada is falling“ erworben. Eine Investition, die sich wirklich ausgezahlt hat. Die Sorte Album, die man sich schon ein paar Mal in Ruhe anhören muss, um seine Schönheit voll schätzen zu können, und die man – wenn man erst einmal Feuer gefangen hat – zu seinen Favourites zählen wird. Hier noch für euch die Titelnummer ihres aktuellen Albums:

Fotocredits: Lausch

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.