Lederhosen, Kuhglocken und Metalklänge im Frei:Raum St. Pölten
Organisation
Stimmung
Musik
Preis
4.5STERNE

Beim 60. „Tales from the Moshpit“ gaben sich Chaos Inside, Daze Affect und die Lederhosen-Metaller von Tuxedoo die Ehre.

Freunde der metallischen Genres kamen am vergangenen Samstag wieder einmal auf ihre Kosten. Im Frei:Raum St. Pölten ging die beliebte Metal-Reihe Tales from the Moshpit in die nächste Runde. Das diesmalige Motto: „Elevate the Earth“. Organisator war auch dieses Mal Epsilon-Bassisten und Frei:Raum-Urgestein Christian Dörr (Spitzname „Mecki“).

Eine gehörige Portion Theatralik

Um 21.00 Uhr ging es los. Das Trio Chaos Inside aus dem südlichen Niederösterreich eröffnete den Abend mit seiner eindrucksvollen Show. Vor circa 35 Zusehern gab die Band ihre elektrisierende Spielart des Progressive Metals zum Besten. Harte, groovige und poppige Elemente gehen bei Chaos Inside eine stimmige Verbindung ein. Für die tiefen Töne sorgt eine 7-Saiter-Gitarre mit reichlich Verzerrung. Frontmann Andreas Gammaufs einprägsamer Gesang würde sich auch in einem Bon-Jovi-Setting gut machen. Gemeinsam mit atmosphärisch-elektronischen Einspielungen im Hintergrund sorgte er für eine gehörige Portion mitreißende Theatralik.

Unterstützt wurde er dabei durch Schlagzeuger Stephan Clarks. Er lieferte dynamische Rhythmen samt sparsam und akzentuiert eingesetzter Double-Bass. Solide Begleitung an der Bassgitarre gab es vom dienstjüngsten Bandmitglied Petra „Grooves“ Schuhmayer. Sie stieß 2017 zu Chaos Inside. Außerdem greift sie auch für die 2005 gegründeten Ecliptica in die dicken Saiten. Neben den tieftönigen Parts rundete sie den Sound durch stellenweisen Hintergrundgesang ab. Mit eingängigen Nummern wie „Set the World on Fire“ und „King in my own World“ sicherten sich Chaos Inside die Gunst des Publikums.

Daze Affect statt Proll Guns

Als zweite Gruppe des Abends waren ursprünglich die Western-Rocker der Salzburger Band Proll Guns eingeplant. Aufgrund bandinterner Probleme kam es allerdings zur kurzfristigen Absage. Doch halb so wild, denn ein würdiger Ersatz-Act war schnell gefunden: die ebenfalls aus Salzburg stammende Gruppe Daze Affect. Die Truppe zählt zu den prononciertesten Vertreterinnen des Hardcore-Genres in Westösterreich. In erster Linie bezeichnet sich die Band als „Melodic Hardcore“. Nach Genuss ihrer Live-Show ist allerdings klar, dass deren Zweitbezeichnung „IN-YOUR-FACE-Core“ musikalisch wesentlich zutreffender ist. Pfauchende Distorted-Vocals, reichliche Rap-Passagen und tiefergestimmter, basslastiger Gitarrenklang prägen Daze Affects geradlinigen Sound. Man konnte sich dem „Mitschädeln“ kaum entziehen.

Reichlich Bewegung gab es nicht nur auf, sondern auch vor der Bühne. Wie es bei Hardcore-Shows nicht unüblich ist, stattete Frontmann Andreas Herzberger dem Publikum mehrere „Besuche“ ab und feuerte die Leute an. Funfact am Rande: die andächtig auf der rechten Bühnenseite platzierte Bassgitarre ließ erahnen, dass jemand fehlte. Die normalerweise vierköpfige Band trat ohne Bassist Philipp Minar auf, der diesmal nicht dabei sein konnte. Doch eine gute Live-Band zeichnet sich nicht zuletzt durch Improvisationskunst aus. So holten die Salzburger für zwei Nummern einfach spontan Freiwillige zum „Luftbass-Spielen“ auf die Bühne. Als Dankeschön gab es Gratis-Shirts der Band.

„Hoamatlich und hoat“

Gegen 23.00 Uhr wurde es dann Zeit für Tuxedoo, die Headliner des Abends. Mit ihrem „Alpencore“ ist die 2005 gegründete Band aus Mattighofen (OÖ) ein Unikat in der österreichischen Metallandschaft. Zumindest der Bühnenauftritt der sechs Mann starken Truppe hat absoluten Wiedererkennungswert. Lederhosen und Kuhglocken treffen hier auf stark vom Metal-Core beeinflussten Sound. Am linken und rechten Bühnenrand wurden Percussions aufgebaut. Während der Show wurden diese immer wieder exzessiv von den beiden Main-Vocalists Christoph Kiebe und Johannes Frauenhuber bearbeitet. Obwohl die Bühne platzmäßig schon eng bewirtschaftet war, bekam die Band während des Songs „Perchtenzeit“ noch Besuch im Perchtengewand – Stage Diving inklusive.

Das Konzept „Tuxedoo“ funktioniert – nicht nur in Österreich. Auch beim deutschen Metalpublikum kommt die Mischung aus österreichisch-folkloristischem Auftritt und Metalcore an. Letztes Jahr trumpften die „Tuxnbuam“ etwa am Wacken Festival vor zig Tausenden auf. Diesen Sommer zieht es sie unter anderem zum Rockavaria (München), zum Summernight Open Air (Mechernich) und zum Metal United Festival (Regensburg).

Fazit

Trotz absagebedingter Komplikationen gelang es Organisator Christian Dörr, ein abwechslungsreiches und dynamisches Line-Up auf die Beine zu stellen. Bis auf den kurzweiligen Ausfall eines Drum-Monitors kam es zu keinen gröberen technischen Problemen. Das circa 50-köpfe zählende Publikum durfte zufrieden gewesen – und einige am nächsten Morgen mit Genickschmerzen aufgewacht – sein.

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