Der Schweiß tropfte von der Decke, und das war gut so.

Nach wochenlanger Vorfreude war es gestern endlich soweit: Die US-Band letlive. gab sich in Graz die Ehre.

Als Support waren, wie schon im Preview erwähnt, Ancore und Rant aus der Steiermark da. Ancore eröffneten die Show, leider waren noch nicht sehr viele Leute anwesend. Mag auch an der Uhrzeit gelegen sein, das Ganze begann ja schon um 19:30. Ich war positiv überrascht. Die Stimmen des Sängers und des Gitarristen klangen bei den melodischen Parts richtig gut zusammen, die Screams (oder Shouts, wie auch immer man es bezeichnen möchte) sind allerdings noch ausbaufähig. Alles in Allem sind die Jungs wirklich gute Musiker, stechen aber leider nicht wahnsinnig aus der großen Menge an Bands raus. Ich hoffe, das ändert sich noch – Potential ist auf jeden Fall da! (Übrigens, es heißt „letlive“, nicht „letlife“ ;) )

Die zweite Band, Rant, über die ich im Vorfeld leider nicht wirklich was gefunden habe, konnte eher weniger überzeugen. Die einzelnen Musiker wirkten zwar schon so, als ob sie Ahnung von dem hätten, was sie tun, aber irgendwie sprang der Funke einfach nicht über. Ein Freund von mir formulierte es recht treffend: „Eine Band zum Bier holen – in der Bar nebenan.“

It’s an accessory, you know, fashion

Nach den Videos, die ich (vor allem von Jason Butler) gesehen habe, war ich dann bei letlive. auf einiges gefasst. Und dann der Schock – der sonst so aufgedrehte Sänger hinkt und quält sich auf die Bühne. Wir waren alle ziemlich perplex, vor allem, weil die Band auf den diversen Social-Network Seiten nicht wirklich was darüber gepostet hat. Allerdings waren nach den ersten zwei Minuten von 27 Club, dem ersten Song, alle Angst und Sorge verflogen – er brachte trotz Schiene und Tape am Knie Moves, die ich nicht mal mit gesunden Beinen hinbekommen hätte. Crazy und abgedreht, wie wir ihn kennen, ließ er sich während der Show absolut nichts anmerken. Auf die Schiene angesprochen, meinte er nur „It’s an accessory, you know, fashion“ und lachte.

In der ersten Reihe musste man damit rechnen, einiges abzukriegen – nicht nur in Sachen Moshen und Gedränge, sondern auch Spucke und Schweiß von Jason. Das gehört aber mittlerweile bei letlive. Shows dazu. Neben diesem Wahnsinnigen (positiv gemeint!) sieht der Rest der Band relativ alt aus, muss man ganz ehrlich sagen. Bassist Jeff ist der Einzige, der noch halbwegs auffällt – in den Gesichtern der anderen sind teilweise schon echt die Müdigkeit und die Strapazen der schlaflosen Nächte auf Tour zu sehen.

Bei Pheromone Cvlt singt dann das ganze Publikum mit, Gänsehaut-Feeling. Hier sei erwähnt, dass ich wirklich beeindruckt war, wie gut Jason’s Stimme klang und auch das ganze Set über durchhielt. Bei dieser körperlichen Anstrengung hätte man’s ihm auch verziehen, wenn mal ein paar Töne danebengegangen wären.

Muther, eines der bekanntesten Lieder der Band, rührt mich schon auf CD fast zu Tränen. Als Jason dann die Ansage machte, musste ich mich wirklich zusammenreißen. Man sieht, dass ihm das Lied nahe geht. Gegen Ende des Songs geht er von der Bühne, durch den gesamten Club nach hinten, und setzt sich zu Faraz an den Tisch, bleibt kurz bei ihm und singt das Lied zu Ende. Ziemlich cool.

letlive. ist eine unglaublich sympathische Band, die sich Zeit für ihre Fans nimmt und zeigt, wie dankbar sie für die Unterstützung ist. Auch die Crew gestern war super nett und man merkte, dass sie Spaß an ihrer Arbeit hatten und mit vollem Herzblut dabei waren.

Gestern war das Set leider für meinen Geschmack viel zu kurz (hauptsächlich wegen Jason’s Verletzung, denke ich), aber dafür habe ich jeden einzelnen der zehn Songs umso mehr genossen. Ungelogen war das gestern eine der besten Shows, auf der ich je war.

Herzlichen Dank nochmal an die Kulturwerkstatt Podium, die letlive. nach Graz geholt und die Show so toll organisiert haben!

Weitere Infos findet ihr wie immer auf www.music-news.at!

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