Nena gastierte im Zuge ihrer Oldschoolclubtour am 22.3.2015 in der Arena Wien und legte eine phänomenale Show hin. Keine Spur von einer „RockOMA“

„ Macht was ihr wollt, aber freut euch des Lebens!“

Um kurz nach 20 Uhr betritt Nena die Bühne, doch anfangs sieht man nur ihre Silhouette, weil es fast zur Gänze dunkel ist auf der Bühne. Nach ein paar Sekunden, beginnt ihre Gitarre plötzlich zu leuchten und sie fetzt in die Seiten ihres ersten Songs. Das Publikum, das die Arena beinahe zur Gänze ausfüllt, ist eine bunte Mischung, wie man es nur selten sieht. Von braven Kirchengehern, die am Sonntag die Kirchenbank wärmen bis hin zu ganz durchgeknallt gestylten Typen, ist alles vertreten. Als Nena mit ihrem zweiten Song, „Lieder von früher“, loslegt, erkennt man sie auch schon besser und sie erstrahlt im roten Bühnenlicht. Eine enge, rote Hose, ein schwarzes Top und eine rote Lederjacke. So sieht das erwählte Outfit des Abends aus.

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Nena Live – Oldschool Tournee 2015

Total oldschool

Zu zehnt stehen Nena und Band auf der Bühne und vier von ihnen sind verwandt. Nenas Sohn spielt am Keyboard, und zwei ihrer anderen Kinder sind als Unterstützung als Backing Vocals mit von der Partie. Mit „Ja das wars“ geht es auch gleich weiter und sie schafft es wie immer mit wenig Worten, viel zu sagen. Sie rockt die Bühne, als ob sie erst 20 wäre und lässt sich von ihrem Alter so gut wie nichts anmerken. Kaum ist ein Lied vorbei, klingen auch schon die ersten Töne des nächsten Songs an. Mit „Betonblock“ übt Nena Kritik an der heutigen Zeit. Betonblöcke überall, in unseren Köpfen und in unseren Städten. Es wäre nicht Nena, wenn sie nicht mit kritischen Texten ihr Publikum auffordern würde, nachzudenken. Scheinbar ist ihr dies auch gelungen und die Message bei ihren Zuhörern angekommen. Fast ohne Verschnaufpause leitet sie auch schon zum nächsten Titel über, nämlich „Kreis“. Man sollte das Album Oldschool aber auf jeden Fall vor dem Konzert schon mal gehört haben, weil man ihren Texten sonst gar nicht immer ganz aufmerksam folgen kann. Dies liegt auch teilweise an der Tontechnik, da die Musik, vor allem das Schlagzeug und der Bass unheimlich laut und präsent sind und Nenas Stimme im Verhältnis dazu, eher leise.

Old and new

„ That’s the shit! That’s Wien!“

Oldschool schön und gut, aber auch ihre früheren Lieder dürfen nicht zu kurz kommen. Bei „Zaubertrick“, das ja schon etwas älter ist, schwingt Nena wieder ihre Gitarre und bietet so eine echt rockige Bühnendarbietung. Nach Zaubertrick sieht sie kurz in die Publikumsmenge und meint ganz relaxed: „ That’s the shit! That’s Wien!“ Das ist mal ’ne Ansage und dem Publikum scheint’s zu gefallen. Dann erzählt sie von ihrer ersten Band, die 1978 gegründet wurde und wie sie damals „Ecstasy“ sangen. Wieder schnappt sie sich ihre Gitarre und trällert bei „Ecstasy“ voll in die Seiten. Eines muss man ihr lassen, shaken kann sie noch gleich wie früher. Auch ihr ganzer Auftritt wirkt sehr gechillt und so, als ob sie die Zeit auf der Bühne wirklich genießt und Freude daran hat für uns zu singen. Bevor das siebte Lied beginnt, merkt man ihr aber schon an, dass ihr ziemlich heiß ist. Auch kein Wunder, wenn man in so einem Outfit auf der Bühne steht und so abrockt wie sie, da wird einem alleine beim Zuschauen schon heiß.

Hier träumt aber keiner

Mit „Nur geträumt“, einem fantastischen alten Schinken, geht’s auch schon weiter im Programm und zu diesem Song fordert sie nun auch noch die Banksitzer in den hintersten Reihen auf aufzustehen und mitzushaken. Anscheinend wird es Nena auf der Bühne doch zu heiß, denn nun fallen auch die Kleidungsstücke. Unter ihrer roten Lederjacke trägt sie auch noch ein Jeansgilet mit einer Aufschrift auf der Rückseite, so wie in alten Zeiten. Alle auf der Bühne starten head zu bangen und stecken so das Publikum an mitzumachen. Die Lichtershow bei Nur geträumt ist einfach nur geil! Man fühlt sich wie in den 80ern. Im Pinguinwalk leitet sie auch schon zu ihrem nächsten Song über: „Willst du mit mir gehen“. Anscheinend wollen das alle im Publikum, denn keiner kann stillstehen, alle im Saal wippen und tanzen mit.

Irgendwann braucht jeder eine Verschnaufpause

Mit „Ein Wort“ legt Nena eine kleine Verschnaufpause ein und spielt so den ersten ruhigen Song des Abends. Diese Ruhe im Saal hält jedoch nicht lange an, denn mit Sonnenmond“ sind alle schon wieder motivierter und aus dem melancholischen Nebel von Ein Wort, herausgetreten. Auch der nächste Track des Albums Oldschool, Jeden Tag“ lässt keine Kritik zu, denn auch hier posiert Nena mit ihrer Gitarre und zeigt uns wie man im Oldschoolstyle rockt. Fast jeder im Saal hat wahrscheinlich auf dieses Lied gewartet. Als Nena Leuchtturm“ anstimmt, ist das Publikum nicht mehr einzubremsen. Jeder springt, jeder singt und jeder im Raum fühlt sich selber wie ein Rockstar, als Nena das Mikrofon ins Publikum hält. Fast greifbar erlebt man Nena in der Arena und so sind die Fans in der ersten Reihe überglücklich, als Nena ihre Hände durch die Reihe streift.

Berufsjugendlich

So kann man nicht nur Nena bezeichnen, sondern auch ihre Lieder. Man merkt dem Rockstar ihr Alter keineswegs an, aber sie versucht nicht zwanghaft jugendlich zu wirken, sondern ist einfach in ihrer Art total authentisch. So sieht man Nena auf der Bühne, wie ein junges lebendiges Küken und dann beginnt sie plötzlich von ihren Enkelkindern zu erzählen. Das nächste Lied, Magie“, will sie nun nämlich ihren Enkelkindern widmen. Sie setzt sich auf einen Hocker und die Magie beginnt. Auch bei dem nächsten Titel, „Genau Jetzt“, geht sie voll zur Sache. Aber das was als nächstes kommt hätte sich wahrscheinlich niemand erwartet.

Der Megaballon

Als die ersten paar Takte erklingen, hört man aufgeregtes Gekreische aus dem Publikum. Was kommt jetzt wohl? Es kann nichts anderes sein als Nenas Erfolgshit Nummer eins: 99 Luftballons“! Nena wirft einen riesigen Luftballon mit der Aufschrift LOVE ins Publikum und versetzt so alle Fans in Aufregung. Jeder will unbedingt diesen Megaluftballon berühren. Als sie einen zweiten in die Menge werfen will, zerplatzt er ihr selber auf der Bühne und machte einen lauten Knall. Nena ließ sich dadurch aber keineswegs aus ihrem Konzept bringen und singt nach einem kurzen Lacher weiter, als ob nichts passiert wäre. Aber nach dem 17. Song darf man sich dann auch mal eine Pause gönnen. Nena fordert das Publikum auf ein Bierchen trinken zu gehen und eine kurze Pause zu machen.

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Keine zehn Minuten

Es dauert keine zehn Minuten und die Band ist wieder zurück auf der Bühne. Nena in einem neuen Outfit: schwarze Hose, schwarze Lederjacke und ein oranges Nena Oldschool T-shirt. Bei Oldschool“ beginnt Nena auf der Bühne zu rappen und geht dabei voll ab. Wer hätte sich das gedacht, aber anscheinend hat sie auch in dieser Musikrichtung großes Talent. Hut ab! Dann geht’s auch gleich weiter mit „Ich rechne mit allem“ und gleich darauf singt sie Peter Pan“ gemeinsam mit ihrem Sohn. Jetzt kommt das wohl melancholischste Lied des ganzen Abends, und es wird ganz still im Publikum. Bruder“! Das Lied berührt sichtlich alle Zuhörer und manche bekommen sogar glasige Augen. Sie singt von ihrem Sohn, den sie verloren hatte. Samy Deluxe schrieb den Großteil des Liedes und er scheint genau die richtigen Worte gefunden zu haben, denn im Saal herrschte plötzlich eine ganz andere Atmosphäre.

Wunder

„ Und weil’s so schön ist, würd ich gern noch eins machen.“

In Bruder singt sie schon von Wundern, nämlich, dass jeder Tag ist ein Wunder ist! Und mit ihrer nächsten Nummer knüpft sie da auch direkt an. Wunder geschehen“, ich hab’s gesehen, es gibt so vieles was wir nicht verstehen…. so wahr! Auch das Publikum stimmt harmonisch in den Chorus mit ein und singt ihn acapella. Jetzt scheint die Phase zu beginnen, wo sie ihre älteren Songs auspackt, denn als nächstes stimmt sie „Irgendwo, Irgendwie, Irgendwann“ an. Auch hier sind ihre Fans fast nicht zu bremsen und würden am liebsten die Bühne stürmen. Am Ende des Songs steigen sie auf eine Reggae- Version um und bieten so eine etwas ausgeflippte neue Version des altbekannten Klassikers. Echt cool! Mit Schicksal beenden sie ihr Konzert und verabschiedet sich von Wien. Aber wie könnte es auch anders sein, die Österreicher wollen sie nicht so einfach gehen lassen und klatschen sie so zurück auf die Bühne. Nena kommt zurück, stellt sich hin und sagt nur: „ Da bin ich aber froh, weil ich kann nicht ohne die „Fragezeichen“ nach Hause gehen.“ Anscheinend hat’s ihr so gut gefallen, dass sie nun selber nicht mehr aufhören will, denn als Fragezeichen zum Ende kommt sagt sie noch: „ Und weil’s so schön ist, würd ich gern noch eins machen.“ Da freuen sich natürlich alle und zum Abschluss singt Nena noch Zusammen und beendet ihr Konzert mit den Worten: „ Macht was ihr wollt, aber freut euch des Lebens!“

Das werden sich wahrscheinlich alle Besucher zu Herzen nehmen, denn alle waren begeistert von ihrem Auftritt.

Bildquellen: Titelbild © Michaela Kuch, Fotogalerie © Vera Schmidt

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