Prinz Pi bringt Gänsehaut-Feeling nach Wien
Beats
Stimmung
Rap
Entertainment
Gefühl
4.3STERNE

Der Berliner Rapper Prinz Pi erobert die Herzen seiner Fans mit viel gefühlvollen Worten, Charme, Spaß und Humor.

Samstag Abend vor dem Gasometer in der heimischen Bundeshauptstadt – verhaltene Gäste strömen nach und nach in die Konzerthalle. Die Stimmung ist zu Beginn sehr gelassen, fast schon ruhig. Die Vorfreude ist dennoch spürbar. Man freut sich heute auf den Berliner Rapper Prinz Pi, alias Friedrich Kautz, der sich mit seinen berührenden, kritischen Worten schon vor Jahren einen Namen in der Hip-Hop-Szene gemacht hat.

Das Konzert

Pre-Act BRKN

Der Pre-Act BRKN (© Christain Messner)

Pünktlich um 20:00 Uhr steht der Pre-Act auf der Matte: BRKN. Man kennt ihn hierzulande kaum, was eigentlich ziemlich schade ist, bedenkt man das musikalische Talent dieses jungen Herren. Seine einfachen, soliden Texte werden begleitet von einem standhaften Beat gepaart mit den Klängen von Klavier oder Saxophon. Sein Rap, sowie seine Singstimme sind absolut hörenswert. Seine Musik mischt sich aus vielen Richtungen zusammen: Jazz, Hip-Hop, Rap und ein bisschen Pop. Außerdem fühlt er sich offenkundig ziemlich wohl dabei vor vielen Leuten aufzutreten, hat Spaß auf der Bühne und hat die zuerst noch zurückhaltende Menge perfekt auf den Hauptact vorbereitet.

Dieser erscheint nahezu pünktlich vor dem obligaten weißen Tuch, das vor die Bühne gespannt wurde. Darauf projiziert ist ein Mond, der sich in langsamen Intervallen dreht. Prinz Pi beginnt das Konzert mit den ersten Zeilen des Liedes „Sandstrand“, welches er ohne Band und Musik vorträgt:

Ganz am Anfang war das Wort – Ich sage „Sandstrand“
Und sofort bist du an ei’m anderen Ort
Die Macht der Sprache ist so groß wie nie
Was wären die Machthaber nur ohne sie
Von Poesie und Promo-Beef zu Zeitung, die auch Oma liest
Das meiste was sich rasend schnell verbreitet ist nicht positiv
Gerüchte reisen schneller als das Licht um den Globus hier
Der Pazifist lädt den schwarzen Stift mit seinen Patronen und zielt
Zurück zum Wort, ich sprech nur „Sandstrand“ aus
Und schon schält er sich aus dei’m Verstand heraus
Denn nichts ist stärker als Visionen
Was in deinem Kopf drin ist kann man nicht klonen
Wir alle sind zusammengesetzt aus den gleichen Atomen
Doch keiner hat deine Kombination
Es gibt kein Duplikat.
Du bist ein Einzelstück
Jeder ist eins von eins.
Es gibt kein Vergleich.
Die meiste Zeit leiden wir an uns’rer Einsamkeit.
Aber wir sind ja nicht einsam.

Als der Vorhang fällt, erkennt man ein einfaches, aber schönes Bühnenbild. Inmitten der Bühne erscheint die Münze, mit Prinz Pi im Profil, die auch das Cover des Albums „Nichts ist umsonst“ prägt. Das Publikum nun auf seine tiefgründige Art eingestimmt, legt der Prinz richtig los und gibt sowohl Lieder des neuen Albums, als auch viele Songs älterer Albumproduktionen zum Besten.

Die Menge wird durch nahezu alle Gefühlslagen geführt. So sah man Menschen jubeln und tanzen, aber auch vor Berührung ganz ruhig und still werden. Mit „Letzte Liebe“, „1,40m“, „Kompass Ohne Norden“ oder „Glück“, begeistert er alle Anwesenden und zeigt auch auf der Bühne große Freude an seiner Musik. Das Lied „Laura“ berührt aufgrund seines herzzereißenden Kontexts, sowie aufgrund der ehrlichen Zeilen das Publikum und es wird für kurze Zeit sehr still im Gasometer. Plötzlich ist die Bühne leer.

Doch jedem ist klar, dass das noch lange nicht alles war. Prinz Pi scheint auch keinen Hehl daraus zu machen, dass noch eine Zugabe folgt und läuft nach nur wenigen Minuten wieder auf die Bühne. Die Zugabe ist, wie das gesamte Konzert selbst, zusammengestellt aus alten und neuen Tracks („letzte Liebe“ „Hellrot“, „Der neue iGod“). Prinz Pi verlässt das Gasometer und die ausgelassene Menge mit Pauken und Granaten – „Gib dem Affen Zucker“ ist das letzte Lied des Abends.

Prinz Pi (© Christian Messner)

Fazit

Ein Konzert durchwachsen von viel Emotion und Gefühl. Prinz Pi ist ein absoluter Entertainer, der nach anfänglichen, kleinen Schwierigkeiten, den Takt zu finden, einen unvergesslichen Abend geschaffen hat. Dem Rapper gelingt es mit wenigen Worten, emotionale Barrieren zu durchbrechen und Menschen scheinbar mühelos mit seiner Musik zu erreichen und zu berühren.

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