Wenn der Uhrturm 13 schlägt…

Wie uns die Geschichte lehrt, nutzten schon unsere Vorfahren Höhlen vor allem zu kultischen Zwecken. So hat es sich auch beim diesjährigen „Rave in the Cave“ im Grazer Schlossberg angefühlt – denn diese Veranstaltung hat Kultfaktor.

Aufstieg


Hat man erst einmal die knapp 150 Meter Seehöhe, die der Hügel hoch ist, hinter sich gebracht, wurde man nicht nur mit einem tollen Ausblick belohnt, sondern eventuell sogar noch mit einem Eintrittsband für’s Rave in the Cave (sollten diese nicht bereits ausgegangen sein). Da sich die Bandausgabe am quasi höchsten Punkt des Austragungsortes befand, konnte man von der dortigen Kanonenbastei (3rd-Floor: House) über die Stallbastei (2nd-Floor: Techno) bis hin zur Uhrturmkasematte (Drum & Bass/ Neurofunk) systematisch das Gelände erkunden. Der 3rd Floor war gegen Mitternacht leider nur spärlich besucht, 2nd hingegen erfreute sich zu dieser Zeit zahlreicher Tanzwütiger. Um aber nun endlich dorthin zu gelangen, wo ich mich musikalisch wohl fühle, nämlich im DnB, musste ich mich direkt unters Grazer Wahrzeichen begeben.

Bums im Berg


Beim Betreten der Uhrturmkasematte sollte man in erster Linie damit beschäftigt sein, nicht über die Stufen zu fallen…das war beim ersten Eintauchen in die Cave jedoch nachrangig, sobald ich die bestechenden, neonfarbenen Objekte an der Decke sah und der Beat laut erklärte, dass ich wieder zu Hause sei.
Zur Zeit meines Erscheinens versuchte Grimetime (beatsupreme) die nahezu volle Höhle in Schach zu halten. Er mischte ein ausgewogenes Set zwischen altbekannten Nummern (z.B. Chase and Status), Remixes (z.B. Adele) und Üblichem. A-Cray (neodigital) aus Tschechien folgte. Härtere Beats stimmten nun den Ton an, waren aber leider nicht bestimmend, zumindest nicht für mich. Was ich damit sagen will: Es wurde monoton, ohne Abwechslung, ohne Pointen und mir wurde langweilig, ABER der Menge hat’s gefallen und das ist doch was zählt, oder?

Gibt’s noch Klopapier?


Gegen 02:00 Uhr und somit Richtung Hauptact wurde es schließlich schwierig zu entscheiden, ob man noch eine Pinkelpause einlegen sollte oder nicht. Die WCs oder besser gesagt „mobilen Toiletten“ befanden sich nämlich außerhalb der Uhrturmkasematte im Freien. Zuerst musste man also darum bangen, sich nicht in die Hose zu machen und danach, nicht zu erfrieren bzw. nicht mehr ins Geschehen zurückzukommen – weil die Bude schlicht und weg voll war. Das war aber auch schon das gruseligste in dieser Halloween-Nacht.

Ich erkämpfte mir erneut meinen Eintritt um rechtzeitig zum Set der „Zombie Cats“ (Rregula & Dementia, Eatbrain, AU/DE)zu kommen. Leider musste ich feststellen: So sehr ich es auch versuchte, Neurofunk wird wohl nie mein Freund werden. Oder bin ich etwa zu alt für diesen „Kram“? Ich brachte also meine Flaschen zurück, holte meinen Mantel und verschwand ins Dunkel der Nacht.

Rave in the Cave – Eine Retrospektive


Die Veranstaltungsorganisation durch das Team von Beat Supreme hatte kaum Mängel. Manche BesucherInnen klagten über zu wenig Kassenpersonal, andere über fehlendes Klopapier. Ob sich das Problem mit den Eintrittsbändern noch geregelt hat, weiß ich nicht. Die Idee, dass es keine Vorverkaufstickets gab, motivierte sicher Einige mehr, dieses Event zu besuchen. Abgesehen davon war ein Ticket um 10€ inkl. kostenloser Liftbenützung (Schlossberglift) durchaus leistbar, ebenso die Getränke. Der Sound in der Uhrturmkasematte war den Umständen entsprechend gut, auch wenn der MC manchmal kaum zu hören war. „Avi MC“ war für mich persönlich allerdings eine wahre MC-Überraschung, vor allem wenn man lediglich den Sprechschwall eines MC Daxta gewohnt ist. Das Line-Up war in Ordnung, schien jedoch vor allem bei den anderen Floors zu wenig Prominenz zu beinhalten. Das Publikum füllte nicht nur die Räumlichkeiten, sondern brachte Leben auf den ganzen Schlossberg. Die Altersgruppe war mit geschätzten 20 Jahren Durchschnitt allerdings sehr jung. Um zum Ende zu kommen schließe ich mit folgendem Satz: Meinen persönlichen Award für das beste Kostüm möchte ich zumindest in schriftlicher Form dem Typen verleihen, der sich als das „kiffende Handtuch von Southpark“ verkleidet hat. Thanks! You made my day!

Fotocredit: qphoto/F.S. Kugi

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