Seiler & Speer: Heimspiel auf der Kaiserwiese
Songwriting
Technik
Bühnensound
Arrangement
Bühnenshow
Support
4.2STERNE

Das derzeit beliebteste Austropopduo der Stadt stellte am Samstag dem 29. April ihr zweites Album „Und weida?“ vor. Vor Seiler und Speer zeigten Anti Cornettos, Freiraum5, Polkagott und die Dranglapunks Turbobier wie vielfältig das zeitgenössische Austropop/Rock-Genre derzeit in Wien ist.

Der letzte Samstag stand ganz im Zeichen des zeitgenössischen Wiener Austropop. Auch wenn man bei der Genrebezeichnung Austropop vielleicht an Wolfgang Ambros, Reinhard Fendrich oder Georg Danzer denkt, hat sich seit den 80er-Jahren in der Szene doch schon einiges getan. War früher der immer gleiche Popsound zu hören, der mit teils sozialkritischen Texten unterlegt war, um das Publikum zu begeistern, wurden dieser Mal auf der Kaiserwiese ganz unterschiedliche Töne angeschlagen.

Support: Anti Cornettos, Freiraum5, Polkagott und Turbobier

Das Open Air Konzert eröffneten die Anti Cornettos. Das Akkustikduo ist schon einige Jahre unterwegs und konnte das auf das Veranstaltungsareal hereinströmende Publikum mit einer Show, die Akustik-Gitarren mit Punk und Ska-Elementen kombiniert, erfreuen. Schon ein Auftakt, der zeigt, dass die jungen Musiker Wiens viel variantenreicher sind, als man ihnen oft zutraut. Freiraum5 setzen ebenfalls schon seit einiger Zeit auf harte Riffs und gefühlvolle deutsche Texte, und bildeten folgend auf Anti Cornettos einen interessanten Kontrapunkt. Ihr Album „Auf Kurs“ ist seit 3. März überall erhältlich.

Den Rock-Riffs von Freiraum5 folgten die World-Music-Klänge von Polkagott, der Band von und mit Mastermind Titus Vadon (Russkaja, Drahdiwaberl, Brunner&Brunner). Das Projekt erlebte seine Weltpremiere bei der Weihnachtsfeier von Mulatschag 2015, doch nicht nur nach den ersten Akkorden ist klar gewesen, dass die Protagonisten nicht mehr zu den „Nachwuchshoffnungen“ der Szene gehören. Nach einer Umbaupause ging es dann mit dem Konzert der Dranglapunks Turbobier weiter. Die Mannen um Marco Pogo sind gerade dabei im In- und Ausland ihr zweites Album das „Neue Festament“ zu promoten. Neben den neuen Songs durften aber auch die sich inzwischen schon als Gassenhauer etablierten Coverversionen der Helene Fischer und Taylor Swift Songs nicht fehlen. Die Turbobier-Show ist, auch wenn man sie nicht zum ersten Mal sieht, sehr abwechslungsreich. Wie immer war auch dieses Konzert der Simmeringer routiniert gespielt. Turbobier ist immer einen Konzertbesuch wert.

Seiler und Speer: „Und weida?“

Mit diesen Vorgruppen wurde die Latte für den gefeierten Hauptact Seiler und Speer sehr hoch gelegt. Eines ist vorweg zu schicken, die beiden gaben sich keinerlei Blöße, war auch nicht zu erwarten. Die Band, die hinter Seiler und Speer auf der Bühne stand, besteht bekanntermaßen aus absoluten Profimusikern, was soll da schon schief gehen. Publikum ist auch gekommen, die Nummern aus dem neuen Album wurden gespielt. Und weida? Man kann den Albumtitel von Seiler und Speer genauso wieder an den Absender zurückgeben. Eine sehr professionelle Show, absolviert von einem guten Schauspieler (Seiler), der glaubwürdig einen Austropopstar der 80er Jahre spielen kann. Das wars. Und weida?

Fazit

Ja, bei aller Professionalität und publikumsgeschmacksoptimierter Show war es das und nix weida. Vielleicht waren es auch die innovativen Shows der Supportbands, die einen zu starken Kontrast zu dem Konzert von Seiler und Speer bildeten, oder geht den durchwegs älteren Fans, die mit Ambros, Fendrich und Danzer aufgewachsen sind, bei Seiler und Speer nichts ab? Austropop war nie perfekt. Sicher, die Bandmusiker waren immer gut gebuchte Studio- und Tourmusiker, aber irgendwie war es immer ein gewisser Trash-Faktor, der den Austropop so sympathisch gemacht hat. Ein Act verliert immer, wenn er von professionellem Marketing optimiert wird. Er verliert die Ecken und Kanten, die das Individuelle und die ursprüngliche Musikalität eines Bandprojektes ausmacht. Wenn man die Wiener Musikszene schon länger betrachtet, wundert einen ja nichts mehr, aber für junge Musiker stellt sich die Frage, ob es das ist, mit dem sie als Musiker Geld verdienen wollen? Scheinbar funktioniert es.

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