The Public Snake Show lässt Musik wieder Musik sein. The Painted Beehive, The Bongo Club und We Used To Be Emperors liefern rohe Indieklänge im Wakuum.

Graz bietet einige wunderschöne Konzertlocations. Da wären natürlich allen voran die Kasematten, auch das Orpheum wirkt festlich. Graz bietet aber auch den Club Wakuum. Das Besondere am Wakuum ist die herrschende Leichtigkeit und die Unbeschwertheit. Es geht eben einfach um die Musik und nicht um irgendeine Show rundherum. Eine Bühne und eine Bar, mehr braucht man hier nicht um einen tollen Abend zu haben. Da trifft man auf unscheinbare Typen, die wenig später auf der Bühne die Sau raus lassen oder einen mexikanischen Fotografen, der die Grazer Musikszene besser kennt, als die meisten Grazer es tun. Es herrscht eine freundliche Gelassenheit im „Saal“.

The Painted Beehive sind roh

Doch kurz vor 10 brachen die ersten Gitarrenklänge von The Painted Beehive durch die Ruhe des Clubs. Spätestens jetzt wurde klar, dass man sich an einem Ort befand, an dem die Musik jeden Abend neugeboren wird, wenn eine Band die Bühne betritt. Die Band wirkte schüchtern zwischen den Songs. Zaghaft richtete der Sänger einige Worte ans Publikum. Mit den ersten Tönen jedes neuen Songs verschwand aber die Schüchternheit der jungen Typen auf der Bühne. The Painted Beehive klingen erfrischend unverbraucht und begeisterten das Publikum mit ihrem sehr rohen Sound. Ihre Songs reichen von rau und punkig, hin zu ruhigeren, teils sehr sphärischen Klängen.

The Painted Beehive @ Serpe Noctem

The Painted Beehive @ Serpe Noctem

Wir kommen auf jeden Fall wieder hierher.

Mit „Idiot Generation“ haben sie das Publikum vollends auf ihre Seite gezogen. Auch wenn sich dieses leider nur aus wenigen Dutzenden zusammengesetzt hat, herrschte eine tolle Stimmung. Nach neun gut gespielten, kräftigen, lauten Songs, die stets den Mut zu ruhigen Tönen in sich trugen, überließen The Painted Beehive die Bühne „den Typen die extra aus Schweden angereist sind.“ Sie hinterließen ein begeistertes Publikum. Sie selbst waren nicht weniger begeistert von diesem Abend und waren zufrieden mit ihrer eigener Leistung.
Man darf gespannt sein was diese junge Band in Zukunft auf uns loslassen wird. Ich freue mich darauf es herauszufinden.

The Bongo Club sind Energie

Anschließend machte sich wieder diese so sympathische Einfachheit der Location bemerkbar. Die Umbaupause hielt sich kurz, gerade lang genug um sich ein neues Getränk zu besorgen und ein kurzes Gespräch zu führen. Dann ging es auch schon weiter … Laut, brachial, explosiv. The Bongo Club aus Schweden standen auf der Bühne und explodierten in Turn off the Lights. Anfangs waren die Soundeinstellungen noch schmerzhaft laut, das brachte der Tontechniker aber bald unter Kontrolle. Man wurde Zeuge/in eines selten gesehenen Energieausbruchs und umgehend wurde klar, dass das kein Konzert mit Passagen zum Ausruhen wird. The Hush Hush Song, es ging weiter wie es begonnen hat… schwedisch. Ja, schwedisch ist das richtige Adjektiv um diese Musik zu beschreiben. Man weiß nicht, was mit den Menschen dort oben passiert, vielleicht ist es der dunkle Winter, der es zulässt solche Energien zu sammeln. Auf der Bühne muss all das dann raus.

The Bongo Club @ Serpe Noctem

The Bongo Club @ Serpe Noctem

Jesper, der Sänger der Gruppe, hat meine These später im Gespräch bestätigt. Er war froh auf Tour zu sein, statt in der Dunkelheit Schwedens. Über die Strapazen des Tourlebens konnte er nicht viel sagen, die Tour hatte diese Woche erst gestartet und ist die erste große Europatour der Band. In einigen Wochen, wenn die Vier zurückkehren nach Schweden, werden sie viel erlebt und viele Fans gewonnen, viel Freude verbreitet haben. Mit „Be Careful Not To Stare“, ihrem ersten Album, das offiziell erst im Jänner erscheinen wird, doch schon jetzt exklusiv bei den Shows erhältlich ist, werden sie ihren Fans eine Erinnerung hinterlassen, die ihren Preis Wert ist. Das zeigten die nächsten Nummern, die die Band auf der Bühne dargeboten haben, denn sie sind allesamt vom Album. Zum Beispiel „High Horse“, bei dem die The Bongo Club dem kleingebliebenen Publikum zum Trotz eine tolle Bühnenpräsenz zeigten. Würden sie vor 10,000 Zuschauern spielen, würden sie es wohl nicht anders machen. Das ist beeindruckend, das ist sympathisch. In „Lucy“ watete der Sänger mit einer gewissen Oasis’schen Arroganz auf und Fabian, der Bassist, zeigte, dass auch er singen kann. Ohnehin gehört Fabian zu den agileren Bassisten, erinnert an Flea von Red Hot Chili Peppers. Sein Hemd trug Fabian zu diesem Zeitpunkt ohnehin nicht mehr, er hatte es ausgezogen, irgendwann nach dem er vom Barhocker, der im Publikum stand, zurück auf die Bühne gesprungen ist. Später, beim Gespräch in einem dunklen Eck des Clubs würde er mir erklären, dass es ihm zu langweilig wäre, auf der Bühne im Eck zu stehen und sich nur auf das Spielen zu konzentrieren.

Couldn’t have been a better night. It was great, man!

In der zweiten Hälfte des Sets folgten einige Songs, die nicht auf dem Album zu hören sind, aber in keinster Weise weniger energiegeladen und hörenswert. Die Schweden schlossen den Abend mit dem Cover „Rocket Scientist“ von Teddybears.
Was für ein Auftritt. Kein Schnickschnack, kein unnötiger Blödsinn. Die Einfachheit des Lebens und die Einfachheit der Musik funktionierten an diesem Abend gut. Da gab es auch keine Enttäuschung über das eher kleinere Publikum, sondern nur Begeisterung über die Leute, die da waren. The Bongo Club machen die Musik, die sich viele Fans schwedischer Rockmusik in einem Jahr wünschen, in dem Mando Diao stilistisch experimentieren und sich in Richtung Disco orientieren. The Bongo Club bringen ihren geradlinigen Indie-Rock auf den Punkt. Sie müssen das nächste große Ding aus Schweden werden, ich glaube fest daran und drücke ihnen die Daumen.

We used to be Emperors sind hitverdächtig

Kurz nach Mitternacht betrat die dritte und letzte Band des Abends die Bühne. Der Auftritt begann mit tontechnischen Ungereimtheiten und ausgiebigem Soundcheck. Die Anforderungen waren gewachsen, schließlich sind We used to be Emperors zu fünft und spielen auf zwei Schlagzeugen. Natürlich war die Verzögerung ein wenig unglücklich für Band, Tontechniker und Zuschauer – der Start in den Auftritt hätte überraschender und vor allem prägnanter sein können – aber eigentlich war das egal, wenn man ehrlich ist. Nach einigen Minuten ging es ohnehin los, mit einer kurzen Einleitung von Max und Mike, von der The Public Snake Show, den Veranstaltern des Abends.

We Used To Be Emperors @ Serpe Noctem

We Used To Be Emperors @ Serpe Noctem

Eines wurde sofort klar: We used to be Emperors lieferten den differenziertesten Sound des Abends. Insgesamt klangen sie nicht so straight, ein wenig verspielter als die beiden anderen Bands, gleichzeitig massentauglicher aufgrund ihrer durchwegs gelungenen Melodien. Die Besetzung mit zwei Schlagzeugen gibt den Rhythmen sehr viel Kraft. Als Gesamtpaket klingt das hitverdächtig.
Klarerweise fehlten in ihrem Set auch die Singles Good Old Days und Voodoo nicht. Zu Voodoo wurde erst im März ein äußerst gelungenes und sehenswertes Video präsentiert. Geschminkt wie im Video waren die fünf Musiker auf der Bühne jedoch nicht.

Es ist immer schön im Wakuum.

Gegen Ende des Sets heizte die Band der kleinen aber motivierten Menge nochmal richtig ein. Es wurde getanzt und gehüpft, mitgesungen und applaudiert. Lustlosigkeit aufgrund der wenigen BesucherInnen im Saal konnte man der Band jedenfalls nicht vorwerfen. Auch wenn keine zwei Dutzend Personen vor der Bühne standen, wurde Alles gegeben. Die allgemeine Begeisterung tröstete darüber hinweg.
Kurz nach 1 Uhr und elf gespielten Nummern verließen We used to be Emperors die Bühne, im Wakuum kehrte Ruhe ein.

Ein Abend mit Erinnerungspotential

Was für ein Abend, auf jeden Fall einer der sich im Gedächtnis der Besucher festgesetzt hat. Das waren Bands, die man sehen will, motiviert und geradeheraus. Indie-Rock pur …
Dass das Publikum eher klein ausgefallen ist, ist unglücklich, kann man aber niemandem zum Vorwurf machen. Die Bands haben großartiges geleistet und den Veranstaltern gebührt ein Lob für die musikalische Gestaltung des Abends. Vielen Dank dafür, weiter so!

P.S.: Wie in der Preview schon erwähnt, werden die heimischen Bands des Abends auch in der Radioshow „The Public Snake Show“ einen Slot einnehmen. The Painted Beehive werden am 10.11. und We Use To Be Emperors am 24.11. um jeweils 21:00 auf Radio Helsinki zu hören sein!

Fotocredit: Julia C. Pirkenau

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