Über Techno, Tanz und die Grazer Oper

Denkt man an Kuba, so werden wahrscheinlich die ersten drei Assoziationen Che Guevara, Zigarren und vielleicht auch noch Rum sein. Dass die Insel Kuba allerdings auch Mutter vieler Tänze ist, wie etwa Mambo, Salsa, Rumba und Cha-Cha-Cha, ist eine nicht so verbreitete Geschichte.

Umso verwunderlicher, dass sich die Grazer Oper gestern eines (nahezu?) vollen Hauses erfreuen durfte, denn die Premiere des kubanischen Exports namens Ballet Revolución füllte die Sitz- und Stehplätze.

Ballett ist…


…nicht so meins, auch nicht das von Charlie Harper und auch nicht das von Homer Simpson – aber man kann’s ja mal versuchen, und siehe da – man war doch erstaunt, wie belustigend und unterhaltsam so eine Vorstellung sein kann.
Die zierlich gebauten, aber unglaublich durchtrainierten, Damen und Herren hopsten, schwebten, räkelten und schlängelten sich mit Leichtigkeit zweieinhalb Stunden (mit Pause) auf der Bühne und gaben vermutlich ihr Bestes. Vor allem überraschten sie das, zunächst etwas starre, Publikum durch Elemente aus der Akrobatik, dem Streetdance und auch teilweise aus dem HipHop. Allerdings wurden nur die klassichen Figuren des Balletts, wie die ewig andauernde Pirouette eines Tänzers, mit Applaus honoriert.

(Anm.: Und da war ich dann glaub ich an dem Punkt, an dem ich wusste, dass ich in der Oper sitze und mich fragte, wie es z.B. Moderne Kunst überhaupt geschafft hat, Anerkennung zu finden?! Wie auch immer…)

„Das ist doch Discomusik,“


meinte ein etwas betagterer Herr, der in der Pause zufällig neben mir stand. Und er hatte recht! Das Konzept von Ballet Revolución versucht, verschiedene Tanzstile zu vermischen und diese mit der Hilfe von zeitgenössischer Charts-Musik wie etwa David Guetta, Bruno Mars und Rihanna zu verstärken. Es werden aber auch eigens für das Ballett komponierte Stücke vorgetragen, die mitunter sehr Fusion-lastig sind, und durch ein eindringliches Trommeln des Percussionisten in den Bann ziehen.

Aber jetzt mal ganz ehrlich: Oper und Disco, geht das denn?
Schei*e, ja! Obwohl man bedenken muss, dass so ehrwürdige Hallen wie die der Grazer Oper doch auch einen wesentlichen Effekt zum Gesamterlebnis beitragen, so ist zu sagen: Ein Hoch auf die Band! Ein Hoch auf die Musiker, denn sie machen diese Veranstaltung erst zu etwas Besonderem. Die achtköpfige Live-Band unter der Leitung von Osmar Salazar Hernandez, der gleichzeitig auch ihr Bassist ist, arrangiert sowohl Klassiker wie „It’s a mans world“ von James Brown, wie auch „Blurred Lines“ von Robin Thicke und Beyoncés „Halo“ neu und lässt kubanische Rhythmen mit einfließen.

Bekannte Gesichter


Ich rate mal, dass viele gar nicht wissen, welche bekannten Gesichter sich so rund um und hinter Balett Revolución verbergen.
Zum Einen wäre da etwa ein gewisser Herr Aaron Cash. Mr. Cash hat nicht nur einen coolen Namen, sondern ist auch der Choreograph der Tanzshow. Woher wir ihn kennen? – Er ist unter anderem ein Kampagnengesicht der Marke Johnny Walker und wirkte in den Filmen Titanic und Der seltsame Fall des Benjamin Button und in der Serie Scrubs mit.
Zum anderen gibt es da auch den durch Germany’s Next Topmodel bekannt gewordenen Publikumsliebling Jorge Gonzalez, der für das Ballett sein Talent als Kostümdesigner zur Verfügung stellt.

Die Moral von der Geschicht‘


Das Ballett Revolución ist sicher ein Hingucker und ein Aha-Erlebnis, nicht nur für Kenner sondern auch für der Materie fremde Neulinge. Tanz und Musik begeisterten Jung und Alt, leider waren jedoch die meiste Zeit starke Asynchronitäten der Tänzerinnen und Tänzer zu erkennen. Je kleiner die Gruppe der Beteiligten war, desto präziser wurde die Choreographie ausgeführt. Aber wie sagte F. Alborino so schön: „Beim Tanzen gibt es keine Fehler, nur Variationen!“ Wer sich aus rein musikalischen Gründen etwas leisten möchte (und in diesem Fall sind das rund 60€ pro Karte), die/der wird ihr/sein Geld durchaus gut investieren. Für all jene, deren Interesse nun geweckt wurde: Das Ballet Revolución gastiert bis 13. Juli in der Grazer Oper.

Fotocredit: www.allegria.at

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