The Unguided und Eyes Wide Open live im Viper Room Wien
Bands
Stimmung
Location
Sound
4.5Sterne

Seit Mitte April sind die schwedischen Melodic Death Metaller The Unguided mit ihren Landsleuten, Genrekollegen und Co-Headlinern Eyes Wide Open im Rahmen der „Lust & Loathing“-Tour in ganz Europa unterwegs, Support kommt von den deutschen Thrashern Hopelezz. Am vergangenen Samstag gastierten sie im Wiener Viper Room.

Tales Of A Novelist

Rückblickend betrachtet handelte es sich bei besagtem Samstag nicht nur um den Tag des Buches, sondern auch um den Tag des Breakdowns – zumindest, wenn man dem Wiener Viper Room einen Besuch abstattete. Die erste von gleich fünf Bands an diesem Abend, die Wiener Tales Of A Novelist, begannen diese Zelebrierung gleich mit einem Sturm Metalcore und einer Extraportion an Breakdowns. Die Besonderheit von Tales Of A Novelist ist wohl die Tatsache, dass hier gleich zwei Frontmänner am Werk sind: Marc ist für starke Screams und Shouts zuständig, während Dejan hauptsächlich cleanen Gesang zum Besten gibt, sich aber auch stellenweise an Shouts probierte. Trotz mit 19:15 Uhr früh angesetzter Stagetime konnte das Sextett schon einige Interessierte vor die Bühne locken und begeisterte vor allem den mitgebrachten Fanclub, der die Band lautstark unterstützte. Nicht zuletzt davon angestachelt, zeigten sich die Wiener mit viel Herz bei der Sache und machten sich aus der rund 30-minütigen Spielzeit einen Heidenspaß. So muss das sein.

Fear Comes In Waves

Mit kleiner Verspätung und weniger Breakdowns, dafür aber mit mehr Power wurde es Zeit für den zweiten Local Support: Fear Comes In Waves. Bereits der Opener „Life Cycle“ machte ordentlich Stimmung. Besonders Frontmann Thomas und Bassist Flo hielten es kaum auf der kleinen Bühne des Viper Rooms aus und flitzten durch das begeisterte Publikum. Die Band wusste mit druckvollem Sound, eingängigen Riffs sowie einer starken stimmlichen Darbietung seitens Frontmann Thomas sofort zu überzeugen und die ersten Violent Dancer auf den Plan zu rufen. Die Melodik ging ihnen hierbei allerdings nie verloren und gegen Ende zeigten sich Fear Comes In Waves mit „It Breaks My Heart“ sogar noch von ihrer gefühlvollen Seite. Alles in allem ein sehr starker und durchweg gelungener Auftritt einer jungen, aufstrebenden Band.

Hopelezz

Bevor der Metalcore- zum Melodic Death Metal-Teil überging, brachten Hopelezz aus Wuppertal, Deutschland, noch eine gehörige Portion Thrash in die Katakomben des Viper Room. Doch selbst hier war man zwischen komplexen Soli, zwei- bis sogar vereinzelt dreistimmigen Vocalparts und schnellem Thrash á la Slayer vor vereinzelten Breakdowns nicht sicher. Das tat der Show allerdings selbstverständlich keinen Abbruch und das sympathische Quartett lieferte einen sehr gelungenen Auftritt hin.

Eyes Wide Open

Eyes Wide Open im Anschluss läuteten schließlich die Melo Death-Etappe des Abends ein und arbeiteten nicht nur musikalisch, sondern auch stimmungsmäßig perfekt auf den Headliner hin. Die Schweden überzeugten nicht nur mit eingängigen Songs mit unüberhörbaren Göteborg’schen Einflüssen, einer äußerst sympathischen Art und viel Spielfreude, sondern auch mit absoluter Professionalität. Vor drei Wochen verließ Frontmann Kristofer Strandberg die Band, wovon sich die verbliebenen Bandmitglieder aber nicht aus der Bahn werfen ließen. So wurde Gitarrist Erik Engstrand kurzerhand der neue Mann am Mikro. Zwar fiel damit die zweite Gitarre weg, die mit zusätzlichen Effekten verstärkte Saitenaxt von Jesper Lindgren schaffte jedoch Abhilfe. Eyes Wide Open schindeten also nicht nur mit ihrer Einstellung mächtig Eindruck beim Wiener Publikum, sondern konnten auch endlich vermehrt zum Headbangen mitreißen und die Stimmung weiter anheizen. Damit haben sie nicht nur ihre bereits vorhandenen Fans glücklich gemacht, sondern bestimmt auch einige neue hinzugewonnen und ich bin sicher nicht die einzige, die sich schon jetzt auf das nächste Konzert der sympathischen Truppe freut.

The Unguided

Die gute Stimmung konnte dann nur mehr von einer Band getoppt werden: Headliner The Unguided. Mit einem Knall wurde das Set sogleich mit „Enraged“ aus dem aktuellen Album „Lust & Loathing“ eröffnet. Was sofort auffiel: Sänger und Leadgitarrist Roland Johansson sowie Bassist Henric Liljesand waren nicht mit von der Partie. Die Erklärung hierfür lieferte Frontmann Richard Sjunnesson: „Sie sind einfach sehr gut im Kinder machen.“ Ihre Abwesenheit fiel allerdings nicht weiter ins Gewicht, da mit Jonathan und Jonas zwei mehr als würdige Ersatzmusiker aufgetrieben werden konnten, die nicht ganz unbeteiligt daran waren, dass die Fans Song für Song weiter angestachelt wurden. Auch die Band zeigte sich bester Laune und ließ in der Mitte des Sets sogar das Publikum den nächsten Song aussuchen. Die Wahl fiel auf das viel gefeierte „Green Eyed Demon“. Mit „The Eye Of Thylacine“ und dem neuen Kracher „The Worst Day (Revisited)“ näherte man sich dann auch schon langsam aber sicher dem unausweichlichen Ende. Auf die obligatorische Pause vor der Zugabe wurde verzichtet und direkt mit „Inception“ und dem Rausschmeißer „Phoenix Down“, bei dem der einzige größere Pit des Abends zustande kam, nachgelegt. Die Verabschiedung sprach Bände: The Unguided legten, genau wie ihre Kollegen vor ihnen, einen durch und durch zufriedenstellenden Auftritt hin und waren zurecht das Highlight des Abends.

Fazit

Veranstalter Metalnight Outbreak versteht es nicht nur, sehenswerte Events mit ausschließlich heimischen Bands auf die Beine zu stellen, sondern diese auch mit internationalen Schmankerln zu garnieren. Der an diesem Abend lediglich halbvolle Viper Room war daher absolut ungerechtfertigt.

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