Turbobier devastiert private Garage in Niederösterreich
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5.0STERNE

Turbobier frönten dem Bierismus bei einem Garagenkonzert in Rohrbach an der Gölsen. Die Jugendlichen folgten begeistert ihrem „Prophetten“ Marco Pogo auf dem Weg zu mehr Dichtheit.

Turbobier beenden dieser Tage ihre Irokesentango-Tour 2016. Für den vorletzten Gig der Tour bat die Band die Fans, sich für ein privates Garagenkonzert zu bewerben. Die Dranglerfamilie, die das originellste Video schickte, konnte den Privatgig in der heimischen Garage gewinnen. Unter den vielen Einsendungen wurde die Garage von Traudi auserkoren. Diese Entscheidung der Band erwies sich als goldrichtig.

Nach einer guten Stunde im Auto von Wien kommend, erreichen wir Rohrbach an der Gölsen. Es regnet und wir schlüpfen schnell in das Einfamilienhaus, das am Rande von Rohrbach steht. Wir werden von Traudi, der Herrin des Hauses, begrüßt. Gleich wissen wir, dass der Abend nur ein Gewinn sein kann. Wir werden in den Keller geleitet, der schon voll erwartungsfroher Turbobier-Fans ist. Auch die stolzen Gewinner Hofi und David glühen schon vor.

Marco Pogo: Mut zur Dichtheit.

Die Stagetime ist für 22 Uhr geplant. Doch je später es wird, umso näher kommen die Bierjünger dem Dichtheitsideal. Turbobier betritt daher schon um 21:30 die Bühne. Das Bier steht schon auf dem verfliesten Garagenboden und die geschätzt 4 x 6 Meter große Garage bebt. Die Luft ist zum Schneiden – Pogo und die Jungs bringen die Wände zum wackeln. Großes Kompliment muss dem Meister an den Tonreglern gezollt werden. Da die Anlage natürlich nicht für Garagengigs ausgelegt ist, ist der Sound den Umständen entsprechend ausgezeichnet. Längeres Verweilen ohne Gehörschutz in der beschallten Garage kann aus gesundheitlichen Gründen allerdings nicht empfohlen werden. Die jungen Turbobierfans opfern nicht nur ihre Leber, sondern auch ihren Gehörsinn gerne den Promillehelden.

Neben den beliebten Songs „Blaue Kappe, Grüne Kappe“, dem „Dranglalied“ und dem Helene-Fischer-Cover „Arbeitslos“ durfte auch der künftige EM-Hit „Fuaßboiplotz“ nicht fehlen. Die Zeile „Da Traude, dea g’hert die Kantine und die håt fia uns immer wås zum tschechern“ ist zwar reiner Zufall, war aber an diesem Abend äußerst passend, führte doch die Garagenbesitzerin Traudi jahrelang die Fußballplatzkantine und spielte selber 21 Jahre lang Fußball.

Eine Garage wird erschüttert

Das Konzert wurde sowohl für die Band, die in den letzen 15 Tagen 13 Shows gespielt hatte, als auch für das jugendliche Publikum zur Belastungsprobe. Die Garage wurde in zwei Hälften geteilt, in der einen Hälfte stand das Equipment der Band, der Rest war für das Publikum reserviert, das dicht an dicht zu den Songs der Dranglerpunks tanzte und lauthals mitsang. Mitunter retteten sich die Fans aus der schneidenden Luft in der Garage in den Vorraum an die Bar, um den Flüssigkeitsverlust wenigstens kurzfristig auszugleichen. Den Jungs auf der Bühne wurde keine Auszeit gegönnt. Unglaublich professionell spulten sie ihr Programm herunter und ließen sich von den für Musiker extrem harten Bedingungen nichts anmerken. Wieder zeigt sich, dass für derartige Konzeptbands Amateure nicht geeignet sind. Um dem Wunsch nach Zugaben zu entgehen, spielt die Band nach jeder Show das Playback von „Heute bin ich wieder fett wie ein Radierer“, wodurch die Musiker von den Fans unbemerkt von der Bühne verschwinden können. Ein gelungener Schachzug, Marco Pogo muss nur die ultimative Sonnenbrille abnehmen und schon wird er von den angeheiterten Fans nicht mehr erkannt.

Doch mit dem Ende der Show endet der Arbeitstag für Bands wie Turbobier naturgemäß nicht. Nach dem Verstauen des Equipments im Tourbus begibt sich die Band zu einer kleinen Stärkung in die Küche von Traudi. Doch auch hier bleibt nur wenig Zeit zum verschnaufen. Die Fans haben inzwischen Turntables in die Garage getragen und feiern mit ihrer Aftershowparty noch zwei Geburtstagskinder. Wieder heißt es für die Band: Runter in den Keller, den Jubilaren gratulieren, Fotos mit den Fans, Autogramme auf die Bierbäuche schreiben und so weiter.

Auch jetzt zeigt sich wie genial die Auswahl von Traudis Garage als Veranstaltungsort dieser legendären Show war. Die Hausherrin war auch jahrelang Tagesmutter von bis zu 13 Kindern. Demnach war das Abfeiern in der Garage auch für die ungeübteren Nachwuchsdrangler kein gefährliches Erlebnis – kleine Unfälle wurden professionell verarztet. Auch hier halfen die Bandmitglieder ihren Fans und zeigten sich als fürsorgliche Mentoren.

Fazit

Es ist immer schön zu sehen, wenn ein Konzept einhundertprozentig aufgeht und trotzdem die gebotene Show eine persönliche und „handgemachte“ Unterhaltung darstellt. Unsere Zeit wird all zu oft von Agenturen und Consultingfirmen regiert, die uns mit ihren zu Tode optimierten Shows langweilen. Daher ist diese Ausnahmewertung gerechtfertigt. Die Band hätte sich noch viel mehr Öffentlichkeitswirkung verdient, hoffentlich gehen sie ihren Weg weiter.

Marco Pogo’s Tourtagebuch

Die weiteren Tourdaten

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