… er war noch auf der Autobahn. Die US Rapper Legende DMX besuchte Graz, wenn auch verspätet.

DMX kommt nach Graz! Allein schon dieser Satz sorgte bei vielen Fans, die nicht nur aus der eingesessenen Hip Hop Szene stammen, für reichlich Vorfreude. Kurzfristig, kaum 14 Tage vor dem eigentlichen Auftritt, hat Ivo Zaricin von Dirty South Entertainment bekannt gegeben, dass er es zusammen mit Andreas Schenk alias Dee J Smokedogg und Philipp Heiges geschafft hat, den US Star DMX in die Thalia Bar Graz zu locken. Die Erwartungshaltung war hoch und die Fans freuten sich auf eine bombastische Show, wie man es von einem Weltstar erwarten, obgleich er auch über die letzten Jahre etwas eingerostet sein mag.

Warum in die Ferne schweifen?

Als der Auftritt von DMX gestern um ca. 22 Uhr zum ersten Mal – und daraufhin noch ein zweites und drittes Mal – um eine „halbe Stunde“ nach hinten verschoben wurde, waren Teile der Menge schon sehr aufgebracht. Nach dem vierten Mal, also eine Stunde nach Mitternacht, stellte ich mir die Frage, ob Österreich es wirklich nötig hat, seine Ressourcen an solche Weltstars zu verschwenden, denen scheinbar nicht viel an den Fans hier zu Lande liegt. Mehr und mehr kam das Gefühl auf, dass der Auftritt für den US-Star nur ein notwendiges Übel war, um die „Hennessey“ Kasse zu befüllen. Die österreichische Hip Hop Szene hat doch das ein oder andere Schmankerl zu bieten, das eine solche Aufmerksamkeit mehr verdient hätte.

Dark Man X – der Name ist Programm

Wie so oft zählte auch in diesem Fall nur der Name, den sich DMX in den 90er Jahren – und das muss man diesem Rapper lassen – verdient hat. Mit 30 Millionen verkauften Platten und Verträgen mit Hollywood hat es dieser Mann geschafft, auf Lebenszeit in den Köpfen der Menschen zu bleiben. Trotz seiner zahlreichen Fehltritte eilt ihm sein legendärer Ruf weiterhin voraus.

Die Stimmung des gestrigen Abends lässt sich sehr gut an einem wohlbekannten literarischen Werk von Samuel Beckett beschreiben.

Fan 1: Komm´, wir gehen!
Fan 2: Wir können nicht.
Fan 1: Warum nicht?
Fan 2: Wir warten auf DMX.
Fan 1: Ah!

Genau wie im Stück des Autors verkörperte das wartende Publikum – trotz unbestimmter Gewissheit was das Beginnen des eigentlichen Acts anging – eine Welle aus Vorfreude, andauernden Wartens und aufkommender Empörung. Das Grazer Publikum war trotz der Anspannung, die allgemein herrschte, ein sehr dankbares. Der Bereich vor der Bühne war durchgehend zum Bersten gefüllt, auch wenn man stets wieder von Neuem zu hören bekam, dass der Weltstar weiterhin auf sich warten ließ.
Als dann endlich für Abwechslung auf der Bühne gesorgt wurde, um die Fans bei Laune zu halten, wurde die Partystimmung und die Geduld der Fans wieder neu entfacht. Mehrmalige unangekündigte Beatbox-Einlagen des Künstlers Ivory (The Uptown Monotones) begeisterten die Menge aufs Neue und machten das Warten auch nach Mitternacht erträglich. Ich glaube, es war gegen halb zwei, als merkwürdige Gerüchte durch die Reihen der Fans umher gingen, die beinhalteten, dass die Rapper-Legende gar nicht auftauchen würde. Ein fader Beigeschmack, der sich manifestierte. Doch dann endlich um kurz vor zwei war es dann soweit: Niemand anderes als Earl Simmons alias DMX betrat die Bühne. Im Publikum entbrannte ein Feuer der Begeisterung. Textpassagen wurden mitgerappt und es wurde gejubelt was das Zeug hält. Eine Handvoll Songs, ein bisschen Playback, aber dennoch zum Teil befriedigte Fans. Kurz nach dem Act ereilten der Facebook-Seite des Events enttäuschte Nachrichten, weil das Vergnügen ein Kurzes war.

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Für jeden, der DMX schon einmal live sehen wollte, was bei mir natürlich als langjähriger Fan auch der Fall war, ist dieser Traum zwar in Erfüllung gegangen. Doch ein Teil Herzblut und hyper fan-ness starb sicherlich mit diesem Abend.

UPDATE – Statement zu DMX Live @ Die Thalia

Wir haben mit den Veranstaltern gesprochen und aufklärende Antworten erhalten.

Music News: Die Fans haben gestern über vier Stunden auf DMX gewartet und die Stimmung war entsprechend angespannt. Hast du nach seinem Auftritt am Vortag in Wien schon damit gerechnet, dass DMX den vereinbarten Zeitplan eher „locker“ interpretiert?

Veranstalter: Zuerst möchten wir (Ivo Zaricin – Dirty South Ent. | Philipp Haiges – Die Thalia | Andreas Schenk – DJ Smoke Dogg) sagen, dass es nicht wirklich einen Zeitplan gab. Zudem gibt einen Unterschied zwischen einem Club Gig und einem Konzert. Bei Hip Hop Club Gigs ist es durchaus üblich, dass erst spät begonnen wird. Das war für uns nichts Neues und wir mögen das auch so. Wenn dadurch Gäste verärgert wurden tut uns das natürlich leid.

Music News: Hattest du zu einem Zeitpunkt eventuell sogar die Befürchtung, dass DMX gar nicht mehr erscheint?

Veranstalter: Die Angst das DMX gar nicht kommt, hatten wir nicht, aber wer schon einmal einen US-Act veranstaltet hat weiss, dass es mit den Booking Agenturen und auch mit den Acts selbst immer Probleme geben kann. DMX war wie versprochen hier für eine Club Show und wir finden das zählt.

Music News: Was sagst du dazu, dass letztendlich nur eine Hand voll Songs performed wurden?

Veranstalter: Wie bereits gesagt, gibt es einen Unterschied zwischen einem Konzert und einem Club Gig. Natürlich hätten wir uns selbst auch gefreut, wenn DMX länger performed hätte. Wir sind aber dennoch froh, einen Weltstar nach Graz gebracht zu haben, der die Thalia mit seiner, zugegeben, kurzen Show zum kochen gebracht hat.

Music News: Du hast auf der Bühne mehrfach erwähnt, dass DMX noch extra Geld haben wollte, allein um in in die Limo zu steigen. Hattest du das Gefühl, dass es ihm letztlich nur ums Geld ging?

Veranstalter: Natürlich geht es auch um Geld. Niemand arbeitet gratis. Und schon gar nicht ein Superstar wie DMX. Zurecht finden wir. Wir hatten aber nicht das Gefühl, dass es DMX rein ums Geld ging. Die größeren Probleme machen meist das Management und die Booking Agenturen, welche die Acts vermitteln. Das war auch diesmal der Fall. DMX selbst war sehr nett, zuvorkommend und hatte sichtlich seine Freude am Grazer Publikum. Auch wenn es nur einen Song als Zugabe gab, DMX‘ DJ selbst war verwundert, dass der Darkman X nochmal auf die Bühne ging, nachdem seine offizielle Show vorbei war. Dies sei absolut nicht üblich.

Mehr Infos findest du wie immer auf www.music-news.at!

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