White Miles und Witchrider lassen das ppc erbeben
Witchrider
White Miles
Stimmung
4.0STERNE

Leidenschaft, Emotion, Kraft und Energie: Die White Miles wie auch Witchrider steckten am Freitagabend alles was sie zu bieten haben in ihre Shows im ppc in Graz.

Die beiden Bands spielen Konzerte ohne Kommerzgedanken, ohne Blick auf Trends oder die Brieftasche. Alles, worum es geht, ist ihre Gitarrenmusik.

Witchrider neigen bekanntermaßen dazu, mit Queens of the Stone Age in eine Schublade gesteckt zu werden. Hört man sich ihr letztes Album „Unmountable Stairs“ an, ist das auch durchaus argumentierbar und auch gar nicht schlimm, denn Witchrider spielen den schönsten Stoner Rock a là Queens of the Stone Age seit, nun ja, Queens of the Stone Age. Zwar ist das oben genannte Album natürlich stark in ihrer Show vertreten, doch das zum Quartett gewordene Trio aus Graz gibt auch erste Einblicke in das, was kommen wird, und das ist anders. Da kommt plötzlich vieles noch etwas ungestümer und roher rüber, als man es gewohnt ist. Die Band klingt plötzlich viel tiefer im Grunge der frühen 90er verankert, hat aber dennoch etwas Eigenes. Man könnte das, was man hört, „Progressive Grunge Blues“ nennen. Es ist auf jeden Fall äußerst hörenswert und macht Lust auf einen Nachfolger zu „Unmountable Stairs“.

Witchrider sind live ein Erlebnis und sollten von jedem Rock-Fan, der irgendwann die Möglichkeit bekommt, gesehen und gehört werden.

Wenn sich Aschenbecher und Bierflaschen verselbstständigen

Lediglich in einem Punkt legen die White Miles im Anschluss noch eine gehörige Portion drauf: Die Energie und Motivation, die Power, die das Duo auf die Bühne bringt, ist schier atemberaubend.

Die White Miles nennen ihre blueslastige Spielart selbst „dirty pole dance stoner blues rock“. Die Bezeichnung bleibt zwar nicht leicht zur Gänze im Gedächtnis, trifft aber relativ gut das, was das Duo aus Tirol auf der Bühne – wie auch auf Platte – abliefert. Wenig überraschend umfasst ihr Live-Set sowohl Songs ihres Debütalbums „job: genius, diagnose: madness“ wie auch Songs ihrer aktuellen Scheibe „The Duel“. Dabei sind auch die beiden aktuellen Singles „Crazy Horse“ und „In the Mirror“.

Dass die Band bereits als Support von Rock-Größen wie Courtney Love und Truckfighters aus Schweden eingeladen wurde und zuletzt exzessiv als Support der Eagles of Death Metal durch Europa tourte, mag zwar vielleicht beeindrucken und für große Augen sorgen, doch überraschen tut das spätestens, wenn man die beiden auf der Bühne hört und sieht, nicht mehr. Vielmehr ist es eine völlig logische Konsequenz ihres musikalischen Schaffens und ihrer energischen Live-Performances. Medina Rekic ist eine Macht am Mikro und an der Gitarre und wirbelt über die Bühne als müsste sie einen monatelangen Winterschlaf abschütteln. Hansjörg Loferer wirkt, als hätte er schon jedes Schlagzeug von hier bis nach Kalifornien verprügelt, trifft dabei aber stets den Mittelweg zwischen roher Gewalt und dem nötigen Einfühlungsvermögen, das ihre Musik verdient.

Während sich Aschenbecher und Bierflaschen auf dem Bartresen angesichts des bebenden Saals verselbstständigen, bittet Rekic das Publikum zu sich auf die Bühne und feiert die letzten Songs gemeinsam mit ihren Fans.

Ob Witchrider oder White Miles? – Das ist reine Geschmackssache und muss von jedem einzelnen beantwortet werden. Am besten man nimmt sie beide.

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