Embed:
Markus Keimel - Eine Art Mosaiksprache
Schreibstil
Wortwahl
Themenvielfalt
künstlerischer Anspruch
Erzählkunst
4.0Sterne

Lyrik über den Menschen in all seinen Erscheinungsformen.

Wieder wird alte, längst vergessene Dichtkunst neuverpackt. Am 21. November erschien das zweite Buch des österreichischen Musikers und Autors Markus Keimel (Lydia’s Gemstone, SUMOSTAR) namens „Eine Art Mosaiksprache“. Ähnlich wie bei dem Vorgänger „Wörter haben Seele“ wird mit über 100 kleinen und großen Texten unser Dasein definiert. Das Gesamtwerk besitzt 70 Seiten und ist in knapp zehn Monaten entstanden.

In der heutigen Zeit verfallen die Sätze der Allgemeinheit immer mehr. Einer der dagegen ankämpft heißt Markus Keimel. Die Mixtur der Themen kann man als im Vergleich zum Vorgänger etwas bunter und vielfältiger beschrieben. Dem Pechschwarzen wurde der Rücken zugedreht und die Melancholie gedrosselt. Verschiedene Couleur, Muster und Schreibformen treffen aufeinander. Genau wie das Mosaik, welches seit dem Altertum Verwendung findet, ist unsere Sprache alt und kostbar.

Eine Art Mosaiksprache Cover (c) Markus Keimel

Eine Art Mosaiksprache Cover (c) Markus Keimel

Aus kleinen Stücken zusammengesetzt ergeben die einzelnen Verse ein homogenes Gesamtbild. Aphorismen paaren sich mit tiefsinniger Poesie und wahrklingender Philosophie. Humor kommt auch nicht zu kurz und zaubert dem Leser ein Lächeln auf sein Gesicht. Auch literarisch geht der Autor neue Wege und dringt etwas tiefer in das Geschriebene ein. Die Verse erstrecken sich mal über zwei oder vier Zeilen oder sind in die Länge gezogen und vermitteln auch abseits des Kerns das Unwesentliche.

Visionen, Gedanken, Emotionen und Impressionen werden zu Buchstaben und zu Sprachbildern gewandelt. Lange Rede, kurzer Sinn: nun möchten wir euch die ersten Auszüge präsentieren. Der erste Abschnitt „Systemfehler“ unterstreicht die aktuelle Lage, darf aber als zeitlos angesehen werden. Ständig wechselnde Verantwortlichkeiten in den Führungspositionen sind für die Langlebigkeit der Entscheidungen kein Vorteil.

„Der größte Fehler in unserem System, ist, dass die
Entscheidungen der Entscheidungsträger, nie
Auswirkungen auf sie selbst haben.“

Der Vers „Demut“ unterstreicht anschaulich, dass man natürliche Gegebenheiten akzeptieren und jedem Lebewesen und jeder Lebensform Respekt zollen sollte.

„In der Natur siehst du die Schöpfung,
sie sieht in dir bloß ein närrisches Kind,
für die Fliege bist du ein Riese,
für den Sturm bloß ein Blättchen im Wind.“

Der mittlere Teil aus „Unbeschwertheit“ vermittelt den Kindheitsgedanken und die Entdeckungslust, die den meisten Erwachsenen Schritt für Schritt verloren geht. Einfach machen statt denken lautet die Devise.

„Kreise ziehen und Würfel werfen,
laut lachen und leise denken,
im Grunde Sinne schärfen,
ohne sich zu überdenken.“

Das Thema wird durch den Text „Erwachsen sein“ nochmals bekräftig. Sprachbilder aus der Natur verleihen dem Ausdruck die nötige Eleganz und passen hervorragend zusammen.

„Geliebte Brüder und Schwestern,
lasst euch die Flügel nicht rauben,
denn ihr flogt einst aus euren Nestern,
um die Blüten dieser Welt,
mit euren Träumen zu bestäuben.“

Das Geschriebene wird durch verschiedene selbst entworfene Illustrationen bereichert, welche zum jeweiligen Thema passen.

Illustration 2 (c) Markus Keimel

Illustration 2 (c) Markus Keimel

Fazit

Das Werk ist nicht nur Leseratten zu empfehlen, sondern jedem, dem etwas an Lyrik oder tollen Wörtern liegt. Es handelt sich um ein gelungenes Buch, welches nur sehr kleine Schwächen aufweist. Markus Keimel umgarnt uns mit seinen Worten und zollt der Sprache seinen Tribut. Meistens funktionieren die kürzeren Verse etwas besser. Er malt mit Worten ein großes Bild, in dem jedes kleine Mosaikteilchen seinen Platz gefunden hat. Einzig die humorvollen, längeren Verse wollen nicht so sehr gefallen, der Wow-Effekt bleibt leider aus.

Aber der Künstler erweist sich als feiner Beobachter und bringt Momentaufnahmen versiert zu Blatt. Man kann viele wahre Tatsachen erkennen und das Leben auch mal aus einer anderen Perspektive betrachten. Die Verse regen des Öfteren zum Nachdenken an und entfalten erst nach mehrmaligem Lesen ihre volle Wirkung. Das Multitalent schreibt mit Blut und Schweiß und teilt seine Gedanken mit der Welt. Der als Vorzeigemelancholiker Betitelte arbeitet im Moment am ersten großen SUMOSTAR-Album. Parallel finden Arbeiten an einem ersten Roman und einem Kinderbuch statt. Eine Ode an das Wort.

Illustration 1 (c) Markus Keimel

Illustration 1 (c) Markus Keimel

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.