Alte Dichtkunst neuverpackt, Lyrik über das Leben in all seinen Formen

Wir wissen alle, dass Wörter ihre Wirkung haben und diese entfalten können. Dass sie inspirieren ebenfalls. Manchmal führt das Lesen eines Buches sogar dazu, dass man sich hinsetzt und selbst beginnt zu tippen. Da man es immer schon mal vorhatte. Irgendwann.. Heute kann ich sagen: Wörter haben nicht nur Seele, sie machen auch Mut! Mut Träume zu verwirklichend und so viel mehr!

Allrounder

Der österreichische Musiker und Autor Markus Keimel (Lydia’s Gemstone, SUMOSTAR) hat kürzlich sein neues Buch “Wörter haben Seele” als physische Version veröffentlicht.
Als Mixtur aus Lyrik, Poesie und Philosophie wurde das Werk in seiner Erstform bereits 2011 als E-Book auf den Markt gebracht und mittlerweile von zahlreichen deutschsprachigen Literatur- und Musikmagazinen hervorragend bewertet und ausgezeichnet. Wörter haben Seele gibt es nun inklusive einer Vielzahl von neuen Texten und Gedichten, einer detailreichen visuellen Aufmachung und optional sogar mit persönlicher Widmung zu bestellen.

Schon der Prolog führt uns auf seinen Weg und umgarnt uns mit schöner Poesie:

…als mir bewusst wurde wie intensiv es ist Gedanken und Emotionen, Impressionen und Visionen auf Papier zu bringen,
…als mir bewusst wurde wie viel Leidenschaft es bedarf, um eine ungesprochene und ungeschriebene Sprache zu entschlüsseln,
…als mir bewusst wurde wie weit man im Dunkel graben muss, um auf Licht zu stoßen…
…war es die unumgängliche Konsequenz diesem Buch den Titel „Wörter haben Seele“ zu geben…

Er ist Produzent, Gittarist, Sänger, Composer, Grafiker, Videokünstler und Autor in einer Person. Das Wort Allroundtalent bekommt hier eine ganz neue Bedeutung.
Seine eigenen, oft sehr kurzen, dann wieder fast schon in die länge gezogenen zu Papier gebrachten Verse regen zum Nachdenken und Grübeln an. Es ist kein normales Buch, sondern kann eher als Nachschlagwerk und/oder Inspirationsspender gesehen werden. Die Palette reicht von melancholisch, pechschwarzen Gedichten, über gefühlsbetonte Texte bis hin zum allgemeinen Weltgeschehen. Man könnte Qualitätsbezogen das komplette Buch zitieren, ich habe mich jedoch auf die grundlegenden Highlights beschränkt und möchte natürlich das gekauft und somit Kunst unterstützt wird.

Atmosphäre wird geschaffen und die Tristesse darf genossen werden, dies kann man schön in den Schlussworten zu „Incubus – der Weltenschänder“ nachlesen:

„Der Vorhof der Hölle schob sich empor,
am Himmel auf Erden brandschatzt sein Wille,
alle drehen den Schlüssel und öffnen ihm Tor,
doch fürchtet nicht Lärm, fürchtet die Stille“

Markus Keimel (c) Robert Mika Hinterberger

„Unser Erbe“ sind nur zwei Zeilen, sagen jedoch unendlich viel aus. Das Wortspiel ist sehr toll gewählt. Wie wahr das Geschriebene doch ist, Kunst hat Recht:

„Tausende Jahre lag es in unserer Natur zu zerstören.
Doch keine hundert Jahre liegt es an der Natur uns zu zerstören“

Apropos Kunst, in dem Auszug aus „Des Künstlers schwere Zeiten“ ist schön zu erkennen, dass hinter Kunst meistens die Qual steckt, dass sehr oft Buchstaben mit Blut geschrieben werden und Freischaffende keine einfachen Menschen sind.

„Der Irrgarten ist des Künstlers Paradies,
nicht der Ausgang ist sein Ziel,
das Irren ist der Weg,
und sein Leben das Spiel“

Exzellente Wortwahl und passender Ausdruck sind Keimel`s Begleiter auf dieser lyrischen Reise. Wunderschöne Zeilen über unser Leben finden wir im Gedicht „Weltenrausch“. Der Verse hat mich so beeindruckt, dass ich ihn komplett abtippen musste:

„Alles verändert seinen ursprünglichen Zustand,
alles wirkt surreal und verschlingt sich in einem Sog,
die Welt spricht in verschlüsselten Worten,
doch ihre Sprache sucht den Dialog.
Hör hin mit Herz und Seele,
lies die Zeilen die sie schreibt,
es ist die wahrhaft schönste Dichtkunst,
die auf ewig uns im Gedächtnis bleibt.
Alles bewegt und bewegt sich,
alles lebt und belebt sich,
alles zaubert und verzaubert uns,
diese Schönheit ist unersetzlich.
Schenk‘ der Musik der Welt ein Ohr,
sie spielt die schönsten Melodien,
im Weltenrausch siehst du die Wolkenbilder,
wie sie über dir ins Ferne ziehen.
Ich will die Erde an der Drehung spüren,
dich in das Karussell der Erde führen,
denn der Schwindel der Welt,
ist was uns in Atem hält“

Buchcover

Der Allrounder zeigt Hürden und Optionen, Gefahren und Chancen, die jede Situation birgt. Das Leben in seiner ganzen Pracht und Vielfalt beschrieben. Den Abspann „Tagtraum“ fand ich sehr passend gewählt:

„Das Portrait der Sterblichkeit,
malt das Wasser als Spiegel der Natur,
und fällst du tief in das Auge deiner selbst,
hörst du das Ticken der Lebensuhr.
Im Sog der Zeit ist von Bedeutung nur das Jetzt,
Vergangenes bloß Erinnerung,
ein grauer Schleier,
im Detail zerfetzt.
Welch Antwort hat die Zukunft?
Was verbirgt der neue Tag?
Fragen die ich mir stellte,
ehe ich dem Träumen erlag“

Das Multi-Talent umgarnt uns mit seinen Worten und transportiert Charme in unsere Gehörgänge. Die schönste Sache der Welt muss natürlich auch erwähnt werden – „Illusion des Herzens“:

„Ich winde mich im Sog der Liebe,
jage mein Gefühl durch tausend Siebe,
die Filtration in Schwarz und Weiß,
ist was mir bleibt und was ich Liebe heiß.
Farbenblind im Meer der Sinne,
wo ich an Schwerelosigkeit gewinne,
so schwebend kann ich sein,
sauge Leben in mich ein,
Wärme strömt durch meine Venen,
ein Augenblick
wie diesen jenen,
Danach werd’ ich mich ewig sehnen“

Markus Keimel (c) Robert Mika Hinterberger

Lebensweisheiten, die die Meisten zwar kennen, die jedoch nicht von der anderen Seite beleuchtet werden. Dieser anderen Sichtweise und der Liebe zur Sprache verdanken wir diese zuckersüße Poesie, wie z.B. in „Stumme Seele“:

Die Monotonie, du Eintagsfliege,
reißt dir langsam die Flügel vom Rumpf,
du wirst träge im Denken
und dein Geist verstumpft“

Die bildliche, metaphorische Sprache verdeutlicht sehr toll das Geschriebene. Das sind Schriften, die zu weiteren Gedankengängen anregen – altmodische Unterhaltung. Hier ein kleiner Auszug „Aus dem Tagebuch des Gefallenen“:

„Das fragile Netzwerk seidener Fäden,
wird von den Gezeiten der Tränen zur Gänze geflutet,
die Tentakel lösen sich vom bebenden Leibe,
die Seele weint und der Korpus blutet“

Auch wenn Schwarz dieses Werk dominiert und man die Melancholie fast schmecken kann, gibt es in regelmäßigem Abstand vereinzelte Lichtblicke. Markus Keimel ist manchmal auch „der Optimist

„Auch die schlimmen Zeiten haben viel Gutes an sich,
sie geben es nur sehr spät erst zu erkennen“

„Die Anomalie der Anatomie“ zeigt uns, was wir wohl bereits schon wissen, aber erinnert und appelliert mit kleinen Nadelstichen an die Vernunft des Menschen. Scharfsinnige Gedanken gepaart mit Tiefgang:

„Aus zu vielen Beispielen scheint es mir richtig, dass der Mensch das Ohr NICHT am Kopf hat, denn bei der geringen Entfernung zum Munde, MÜSSTE er doch hören welch Schwachsinn diesen verlässt.“

Der Epilog und Kreimels letzte Worte sind gut gewählt, eine Danksagung an seinen Bruder Michael für seine Hilfe und Inspiration.
Der Künstler verabschiedet sich mit folgenden Worten:

„Menschen sind sterblich –
geliebte Menschen aber,
sind unsterblich“

„Die Melancholie als Mittelpunkt des Seins. Lyrik, die an die Anfänge des vorigen Jahrhunderts erinnert, komponiert mit vielen Sprachspielen, facettenreich und tiefgründig – das 21. jahrhundert braucht mehr Lyrik und Rezipienten, mehr von dieser Sorte.“ (Leserrezension)

Erwerben kann man das Buch „Wörter haben Seele” als E-Book hier und in physischer Form hier

Da Markus Keimel ein sehr interessanter Mensch ist, haben wir ihm noch ein paar Fragen gestellt.

Interview

www.music-news.at:Wie würdest du deinen Stil selbst beschreiben, wie kamst du genau zum Schreiben?

Markus Keimel: Im Grunde ist es eine Mixtur aus Lyrik, Poesie und Philosophie. Den Stil an sich kann ich schlecht mit anderen Autoren etc. vergleichen. Das überlasse ich am Besten anderen. Zu schreiben habe ich eigentlich begonnen, als ich meine erste Band gründete (Rebellion Flag – 2001) und dann eben auch Texte für Lieder geschrieben habe. Es ging von Anfang an schon in eine sehr metaphorische und lyrische Richtung. Diese Art und Weise zu schreiben habe ich über die Jahre mehr und mehr forciert und ausgebaut. Mich selbst verbessert und einen wichtigen Reifeprozess durchlebt. Irgendwann hatte ich dann den Drang in mir mich in der deutschen Sprache ausdrücken zu wollen. Und dies ohne jegliche Einschränkungen wie etwa vorgegebene rhythmische Muster oder Gesangslinien wie das eben in der Musik unweigerlich so ist. Vor etwa fünf Jahren kann man sagen habe ich begonnen, Gedichte, Aphorismen und Texte in deutscher Sprache zu verfassen. Ich kann mich allerdings auch sogar erinnern bereits als kleiner Junge, etwa im Alter von acht Jahren, Gedichte geschrieben zu haben. Das Talent beziehungsweise die Vorliebe für Lyrik und Sprache war also eigentlich da schon vorhanden.

www.music-news.at:Bücher vs. SUMOSTAR: Inwieweit kreuzen sich die Wege des Schriftstellers und des Musikers?

Markus Keimel: Ich denke, dass ich ein sehr facettenreicher Mensch bin. Mit vielen unterschiedlichen Ideen und Vorlieben, die jeweils eigentlich ein völlig anderes Genre bedienen. Ich versuche jedem Projekt, wenn man so will, den jeweilig passenden Rahmen zu verleihen. Das passende Layout kann man sagen. Dahinter steht aber eben immer dieselbe Person. Das ist klar. Vom kreativen Standpunkt her fällt es mir aber eigentlich gar nicht schwer diese Dinge zu trennen, da sich Ideen nie kreuzen. Mit „Wörter haben Seele“ zum Beispiel verleihe ich mir selbst die pure Narrenfreiheit was die Thematik angeht. Da kann es sehr wohl mal gesellschaftskritisch oder politisch werden. Was ich in Bezug auf Musik niemals thematisieren würde. Auch die emotionale Richtungsvorgabe existiert bei „Wörter haben Seele“ nicht. Bei SUMOSTAR geht es mir viel mehr um die Vermittlung von einem bestimmten Lebensgefühl. Einem verträumten aber sehr positiven Lebensgefühl. Rein inhaltlich niemals so komplex.

www.music-news.at:Nenne uns deine Inspirationsquellen, bestimmte Personen oder Alltagsituationen? Hast du eine bestimmte Herangehensweise?

Markus Keimel: Ich bin ein sehr feinfühliger und naturverbundener Mensch, der sich ein Auge für die kleinsten Details bewahrt hat. Ich erkenne in jedem Grashalm ein kleines Wunder. Daher benötigt es oft kaum besondere Vorkommnisse, um inspiriert zu werden. Die andere Seite ist natürlich die der menschlichen beziehungsweise zwischenmenschlichen Erfahrungen, die man selbst erlebt oder an anderen Menschen beobachtet. Schmerz, Verlust, Liebe, Trennung, Glück, Freude und so weiter. Ich habe in meinem Leben schon sehr viele intensive und prägende Erfahrungen gemacht, die man dann auch schon mal thematisiert oder gar verarbeitet. Was meine Herangehensweise betrifft ist das völlig unterschiedlich. Am kuriosesten verhält es sich bestimmt mit den Aphorismen und Vierzeilern die ich schreibe. Die blubbern einfach so aus mir heraus, ohne dass ich großartig darüber nachdenken müsste. Das ist manchmal schon ein ganz schön komisches Gefühl muss ich sagen. Oftmals setze ich mich einfach mit einer Flasche Wein an den Schreibtisch und beginne zu schreiben. Einmal funktioniert es, einmal nicht.

www.music-news.at:Deine Worte werden eher mit altmodischen Dichtern verglichen, gibt es Vorbilder aus vergangenen Tagen?

Markus Keimel: Das freut mich auch und kommt nicht von irgendwoher. Ich liebe die großen Dichter und Philosophen vergangener Tage. Nietzsche zum Beispiel hat es mir sehr angetan. Aber auch Schopenhauer, Kant oder Goethe und Schiller. Die Eleganz und Haltung der alten Sprache ist einfach unvergleichlich stilvoll.

www.music-news.at:Manche Medien betiteln dich als Vorzeigemelancholiker, hast du keine Lust auf lustige Texte?

Markus Keimel: Das ist eine sehr interessante Frage. Ich habe tatsächlich vor humorvolle Texte zu schreiben und versuche mich bereits ein wenig darin. Bis jetzt musste einfach alles emotionalen Tiefgang haben. Ich bin mir aber auch gar nicht sicher, ob das eine eben das andere ausschließt. Ich gehe aber eigentlich davon aus, dass es lustige Texte im Nachfolgewerk von „Wörter haben Seele“ geben wird. Die Art von Humor könnte mitunter aber ganz schön derb ausfallen.

www.music-news.at:Was kann man von dir in Zukunft erwarten, sind Schreibprojekte, Releases oder Zusammenarbeiten geplant?

Markus Keimel: Ich werde nächsten Monat ins Studio gehen, um einige neue SUMOSTAR Songs fertig zu machen, die allesamt schon vorproduziert sind. Danach werde ich 1-2 Videoclips dafür abdrehen. Ob es sich, wie geplant, noch mit einem Release dieses Jahr ausgeht kann ich nicht genau sagen. Ich hoffe es aber sehr und freue mich schon riesig darauf. Momentan arbeite ich auch schon am Nachfolger von „Wörter haben Seele“ und schreibe an einem Kinderbuch beziehungsweise Abenteuerroman für Kinder. Letzteres wird sich mit Sicherheit noch ein wenig in die Länge ziehen, da mir momentan schlichtweg die Zeit dazu fehlt. Da es aber eine große Herzensangelegenheit ist, werde ich versuchen es im Frühjahr 2016 zu releasen. Die Arbeit an diesem Roman ist aber vom Zeitaufwand her so ziemlich das krasseste Projekt welches ich bisher in Angriff genommen habe. Das spielt wirklich in einer eigenen Liga. Nicht vergleichbar mit einem Musikalbum oder etwa einem Lyrikband.

www.music-news.at:Zu guter Letzt, eine eher persönliche Frage: Interessierst du dich für Rapmusik? Hast du da eventuell einen Tipp für unsere Leser.

Markus Keimel: Interessieren würde ich jetzt nicht gerade behaupten, aber ich habe früher schon oftmals Hip Hop gehört. Gelegentlich auch immer noch. Ich mag den Hip Hop aus den Neunzigern. Wie etwa den der „Absoluten Beginner“. Die sind zeitlos finde ich. Ein Tipp von mir ist auf jeden Fall die Skateboarder-Hymne von „Lupe Fiasco“ namens „Kick Push“. Der Song ist der pure Wahnsinn.

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