Mode - Reimtherapie
Beats
Flow
Lyrics
Hunger/Motivation
Reime
4.0Sterne

Ein überraschendes Debüt des Innsbruckers, welches ausgesprochen frisch daher kommt.

Das Album „Reimtherapie“ von Mode steht schon seit dem 16. Februar 2016 in den Läden, ich schäme mich ein wenig vorher noch nichts von dem Künstler gehört zu haben. Das Label nennt sich Noname Records. Die Platte ist zwar nicht mehr topaktuell, jedoch lohnt sich eine Rezension und es sollte darüber berichtet werden.

Mode heißt mit bürgerlichem Namen Philipp Modersbacher, kommt aus der Nähe von Innsbruck und ist gerade mal 18 Jahre alt. Im Jahr 2011 fing er an zu texten, zwei Jahre später witterte sein heutiger Produzent Thomas Nock sein Talent. Beide verstanden sich gut und schon bald standen konkrete Ideen im Raum, gemeinsam Musik zu produzieren. Laut eigener Aussage stecken zwei Jahre Arbeit in dem Album, nun schauen wir uns die Platte mal genauer an.

Mode Promo © dieFotografen

Die ersten beiden Beats wurden vom Stuttgarter Platinproduzenten KD-Beatz gebaut, zwei Produktionen steuerte Thomas Nock bei und der Rest der Instrumentals geht auf das Konto des umtriebigen Wiener Produzenten Freshmaker. Das Klangbild ist im Allgemeinen sehr homogen und ausgewogen gestaltet.

Track by Track

Die Scheibe startet mit dem „Modecodex“ und der Rapper wirft Representer-Zeilen in das Mikrofon und erklärt uns seine Welt. Der Flow ist on Point und verbindet sich schön mit dem Beat. Ein guter Intro-Track. Die Variationen von Stimme und Flow sind super und einige Zeilen bleiben gleich im Kopf hängen. Weiter geht es mit „Fluch des Wissens„. In dem Song erklärt der Newcomer, dass unsere stetige Entwicklung zu schnell voranschreitet. Das langsame Aussterben unserer Rasse, totale Überwachung und blutige Kriege sind wichtige Punkte. Die virtuelle Welt, mit jedem verbunden zu sein und doch einsam zu sein, wird ebenfalls angeschnitten. Wissen sollte eigentlich ein Gewinn sein, doch nicht richtig dosiert bewirkt es das Gegenteil. Klasse.

Der nächste Titel besitzt den Namen „Ich geb’n Fick„. Der Jungkünstler betont zum Beispiel, dass er keine Ahnung von Politik hat und dafür lieber Musik macht. Er konzentriert sich sozusagen auf das Wesentliche, das für sein Leben wichtig ist. Außerdem äußert er mit leichten Battle-Anleihen, was oder wen er nicht mag. „Sendepause“ thematisiert die Verblödung des Volkes durch die Medien. Das sogeannte Hartz4-Fernsehen ist wohl jedem bekannt. Mode macht sich seine Gedanken und wirft die daraus resultierenden Folgen in den Raum. „Gefesselte Gesellschaft“ behandelt das Mitschwimmen in unserem System beziehungsweise in unserer Gesellschaft. Der Zwang und der Druck unserer Mitmenschen zwingt uns manchmal Dinge zu tun, die wir eigentlich nicht wollen. Hier zeigt sich der Sprechsänger von seiner weicheren Seite, in der Hook unterstreichen die Backing Vocals von Rene Winters den deepen Charakter.

für den Monent, für ein paar Stunden
wer glaubt wirklich bisschen Zeit schließt uns’re Wunden
so ein Schwachsinn wie der Glaube an uns selbst
an die Welt, was wäre wenn sich keiner mehr verstellt“

Titel Nummer Sechs „Fuck ich bin da“ ist ein Song, der bestimmt live sehr gut funktioniert, da die Hook motiviert und simpel gestaltet ist. Der Titeltrack „Reimtherapie“ betont das Rap eine besondere Kunstform ist und für den Künstler eine Art Medizin darstellt und ihm hilft dem Alltag zu entfliehen. Im nächsten Song „Tag ein, Tag aus“ kommt zum ersten Mal ein Feature-Partner zum Einsatz. Eska One, der auch für das Artwork zuständig war, liefert einen souveränen Part. Besonders das Geigen-Element verfeinert das Instrumental immens. „Szenenexplosion“ ist ein Storyteller, in dem eine zusammenhängende Drogengeschichte erzählt wird. Gewalteskapaden, Raub und Kriminalität sollen eine höhere Message aufzeigen. Die Atmosphäre der Parts ist super und man kann sich das Gerappte bildlich vorstellen. Einzig die Hook passt nicht zum Gesagten und ist zu reimfixiert aufgebaut.

In „Spitten“ rappt der Hauptprotagonist wieder einen typischen Representer, der live gut funktionieren würde. Das Ganze ist gut gemacht, aber man bemerkt leicht, dass diese Art von Songs recht gleich anhören. Hier könnte man in Zukunft noch etwas an Wortspielen oder anderen Besonderheiten feilen. Bei „Wozu Neid“ ist es fast das Gleiche, der Songtitel wird nicht thematisch behandelt. Hier kommt ein Beat zum Einsatz, der sich von den anderen etwas abhebt. Das Instrumental passt gut zu den beiden Artists, der Gastbeitrag stammt von Kretzy von den AUTsiderz. Der englischsprachige Part ist toll gerappt und steht in einem guten Gegensatz zu den Zeilen von Mode. Beide Tracks können aber leider nicht mit Tracks ala „Modecodex“ mithalten.

Mode Promo © DieFotografen

Mode Promo © DieFotografen

Wendepunkt“ wird hingegen wieder tiefer thematisiert, jeder von uns kennt den Punkt, der alles verändert. Lügner und Verräter bestrafen sich selbst, auch wenn der Bumerang erst Jahre später zurück kommt. Ein schöner Motivationstrack der etwas anderen Art. „Bitch ich bin bereit“ zieht einen schönen Schlussstrich und schildert seine erlebten Erfahrungen bis hin zu seinen Anfängen. Seinen Rap-Traum zu leben ist die Erfüllung seines Lebens. Die Zukunftsaussichten sehen gut aus.

Fazit

Die Platte ist für das zarte Alter des Künstler ziemlich proffessionell produziert, auch die Stimme und der Flow können sich mehr als sehen lassen. Jede Frequenz sitzt da wo sie sitzen sollte. Die Flowvariotionen sind erste Sahne, alle Beats sehr hochwertig und fördern den Spaß, die Musik zu hören. Einige Tracks stechen besonders hervor. Aber leider kann das hohe Niveau nicht durchweg gehalten werden, die Songs ohne wirkliches Thema hören sich ziemlich gleich an. Hier bleibt fast keine Zeile hängen. Dies könnte an den Zweckreimen liegen, vielleicht sollte manchmal der Fokus nicht bei jedem Song auf Technik liegen. Lieber ein paar Doppelreime weg lassen und den Sinn in den Vordergrund stellen.

Nichtsdestotrotz sprechen wir hier von einem jungen Mann, der für sein Alter sehr reif ist und dementsprechend gute Musik macht. Für ein Debütalbum ist die Platte hervorragend. Der Rapper steht erst in den Startlöchern und besitzt die Möglichkeit sein Potenzial zu nutzen und sich weiter zu verbessern. Mit Thomas Nock hat er einen ausgezeichneten Labelchef und Produzenten gefunden. Mit Musik kann Mode seinen Gedanken eine Stimme verleihen und sich selbst therapieren. Ich bin gespannt was da noch so alles kommt.

Tracklist öffnen

01. Modecodex (3:16)
02. Fluch des Wissens (4:00)
03. Ich geb’n Fick (2:39)
04. Sendepause (3:09)
05. Gefesselte Gesellschaft (3:28)
06. Fuck ich bin da (2:43)
07. Reimtherapie (3:15)
08. Tag ein, Tag aus (feat. Eska One) (4:03)
09. Szenenexplosion (3:27)
10. Spitten (2:56)
11. Wozu Neid? (feat. Kretzy) (3:12)
12. Wendepunkt (3:15)
13. Bitch ich bin bereit (3:05)

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